Wildbestände werden zum Problem Drohnen gegen Wildschweinschäden in der Landwirtschaft

Weil Landwirte in Europa immer mehr Mais anbauen, vermehren sich Wildschweine und Rehe rasant. Eine belgische Forscherin will nun Schäden mit Hilfe von Drohnen automatisch vermessen und auswerten.

Eine Wildsau und ihre Frischlinge vor einem Maisfeld
Durch den verstärkten Maisanbeu finden Wildschweine immer mehr zu fressen. Bildrechte: IMAGO

Drohnen machen es möglich: Belgische Umweltwissenschaftler erproben ein neues Verfahren, um in der Landwirtschaft Wildschweinschäden künftig kostengünstig zu erfassen. Anneleen Rutten von der Universität Antwerpen will mit Hilfe der kleinen Geräte systematisch Luftbilder von Feldern und anderen Landwirtschaftsflächen erstellen. Ein Algorithmus soll dann automatisch analysieren wie groß die niedergetrampelten oder umgegrabenen Flächen konkret sind.

Schwarzwild galt in Belgien viele Jahre als ausgestorben. Inzwischen aber wachsen die Bestände der Wildschweine überall in Europa deutlich. In dem Beneluxland breiten sie sich von Ostern her in Richtung Kanalküste immer weiter aus. Mit ihnen steigt das Risiko der Übertragung spezifischer Krankheiten wie der afrikanischen Schweinepest auf Nutztierbestände. Für Autofahrer wiederum nimmt die Gefahr von Wildunfällen zu.

Wildschweine haben eine Wies durchwühlt
Drohnenaufnahme einer von Wildschweinen zerwühlten Wiese. Bildrechte: IMAGO

Parallel zu den steigenden Beständen nehmen die Schäden im Ackerbau zu. In der Region Flandern werden diese bisher jedoch nicht systematisch erfasst, daher gibt es auch keine Angaben zur Gesamthöhe der finanziellen Folgen. Bislang müssen ausgebildete Experten die betroffenen Flächen schätzen. Die Drohnen sollen hier Vorteile bringen, hofft Forscherin Rutten: "Fliegen und Aufnahmen von zerstörten Feldern zu machen dauert nicht so lange wie eine Untersuchung am Boden, wodurch die Methode kostengünstig wird." Die automatische Bildanalyse arbeitet laut der Forscherin zuverlässig, sie erreiche bei Maisfeldern 93 und bei Wiesen sogar 94 Prozent Genauigkeit.

Wildschweine profitieren davon, dass Landwirte immer mehr Mais anbauen. Schwarzwild, aber auch Rehe und Hirsche finden so inzwischen deutlich mehr und leichter Nahrung. Mildere Winter wiederum erhöhen die Überlebenschancen des Nachwuchses, kaum ein Frischling oder Rehkitz fällt der Kälte mehr zum Opfer. Das Wachstum der Wildbestände wiederum verschafft den Wölfen reichliche Beute. Die Großräuber ziehen dem Schwarz- und dem Rotwild hinterher.

Über diese und andere Entwicklungen diskutieren die Ökologen bei ihrer europaweiten Tagung bis zum Donnerstag im belgischen Gent. Zu der Veranstaltung werden rund 1.500 Forscher aus allen umweltwissenschaftlichen Disziplinen erwartet.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 05. Dezember 2017 | 06:50 Uhr