Extremwetter Weniger Dürrehilfe - Landwirte sollen selbst vorsorgen

Das wird manchen wettergeplagten Bauern nicht gefallen. Agrarökonomen u.a. aus Halle fordern, dass sie selbst für Risiken vorsorgen. Staatliche Unterstützungen ohne klare Zielvorgaben kritisieren die Wissenschaftler.

Vertrocknete Sonnenblume auf einem Feld 44 min
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Wann sollte der Staat in die Landwirtschaft eingreifen? Diese Frage wird nach dem Dürresommer 2018 intensiv diskutiert. Jetzt haben sich Forscher der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU), der Georg-August-Universität Göttingen und des Thünen-Instituts in Braunschweig in der Zeitschrift "ifo-Schnelldienst" des Leibniz-Institutes für Wirtschaftsforschung München zu Wort gemeldet.

Die klaren Ziele fehlen

Die Agrarökonomen sehen massive staatliche Hilfszahlungen sehr kritisch. "Bevor man über konkrete Maßnahmen redet, sollte die Politik sich immer im Klaren darüber sein, welche Probleme gelöst werden müssen und welche politischen Ziele verfolgt werden“, sagt Norbert Hirschauer, Professor für Unternehmensführung im Agribusiness an der Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg (MLU). Genau das aber fehle bei der aktuellen Debatte um die Dürre-Hilfen.

Grundsätzlich sollte der Staat nur dann in das Wirtschaftsgeschehen eingreifen, wenn aufgrund von Marktversagen die Entscheidungen der Unternehmen zu unerwünschten gesellschaftlichen Folgen führen, wie das zum Beispiel bei einer überhöhten Düngung mit Folgen für die Umwelt der Fall ist.

Prof. Dr. Norbert Hirschauer, MLU

Weil Bund und Länder das Jahr als Naturkatastrophe eingestuft haben, kann Landwirten Soforthilfe gewährt werden. Das sei ein großes Problem, so die Forscher. Denn damit würden Landwirte unterstützt, die keine Risikovorsorge betrieben hätten. Wer dagegen Rücklagen gebildet habe, würde keine Zuwendungen erhalten.

Sollen alle das Risiko der Landwirte tragen?

Auch die Subventionierung von Agrarversicherungen sehen die Wissenschaftler kritisch. "Ähnlich wie bei immer wiederkehrenden Ad-hoc-Hilfen werden dadurch falsche Anreize gesetzt, weil die Landwirte nicht mehr das volle Risiko für ihre unternehmerischen Entscheidungen tragen müssen", so die Agrarökonomen in ihrem Beitrag. Denn das könnte zu riskanten Produktionsentscheidungen führen. Wenn dann die Ernte gut wird, verdienen die Landwirte. Wenn nicht, greift die vom Staat mitfinanzierte Versicherung und wir alle zahlen mit.   

Insgesamt sehen die Forscher in der Politik die falschen Anreize. Risikounterstützung müsse immer an eigene Risikovorsorge gekoppelt werden. Hilfe dürfe nicht zu Quasi-Ansprüchen führen, die die Landwirte dann z.B. dazu verleite, notwendige Anpassungen, etwa an sich ändernde klimatische Bedingungen, zu vernachlässigen.

Wie das Klima sich in Mitteldeutschland entwickelt, das können Sie in unserer interaktiven Klimakarte nachschauen:

 

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 28. November 2018 | 12:17 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 17:24 Uhr