Trockenheit Wie gefährlich wäre ein zweiter Dürresommer?

Bereits jetzt im Frühjahr häufen sich Medienberichte über trockene Böden und leere Wasserspeicher. Die Furcht geht um vor einer Wiederholung des Dürresommers. Aber können Meteorologen wirklich schon sagen, wie das Wetter der kommenden Monate wird?

Der Sommer 2018 war sehr, sehr heiß. Deshalb sind die Böden im Frühjahr 2019 trockener als in vorangegangenen Jahren. Hinzu kommt, dass auch der vergangene Winter recht trocken war, merkt Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst an, "und das bedeutet, dass im Moment einfach viel zu wenig Wasser in den Böden ist."

Die Wasserspeicher im Boden konnten also nicht aufgefüllt werden. Gemeint ist die obere Bodenschicht bis zwei Meter Tiefe, "die ja für die Pflanzen sehr wichtig ist, weil sie dort ihren Lebenssaft herziehen".

Unter trockenen oberen Bodenschichten leiden also vor allem die Pflanzen. Das hätte Folgen für Wiesen, Wälder und die Landwirtschaft. Besonders gefährdet sind große Flächen, also Felder, die bis zum Horizont reichen, ohne Bäume und Sträucher, die den Wind stoppen. Dort erodiert die wertvollste Schicht des Bodens, der Mutterboden. Er wird weggeweht.

Ob nun auch der kommende Sommer so trocken wird, kann Uwe Kirsche vom Deutschen Wetterdienst nicht prognostizieren. "Niederschlag, Regen oder Schneefall kann man seriös ungefähr 14 Tage vorhersagen, länger geht nicht."

Es ist also alles offen. Der DWD hat aber vorsichtshalber schon mal vorgerechnet, was passieren könnte, wenn es im Sommer normal regnet, zu viel regnet, oder zu wenig regnet. "Beispielsweise für Sachsen Anhalt und Thüringen zeigt unsere Berechnung, dass auch bei normalen Regenmengen, die im langjährigen Durchschnitt liegen, die Gefahr hoch ist, dass im Sommer wieder Dürre ist", sagt Kirsche.

Was bedeutet diese Aussicht für die Trinkwasserversorgung in Mitteldeutschland? Wird Trinkwasser möglicherweise knapp, weil der letzte Sommer so heiß war? Nein, sagt Hydrologe Andreas Musolff vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig. Denn dieses Wasser kommt aus dem Grundwasser, aus Flüssen und aus Talsperren.

Der Forscher Andreas Musolff vom Helmhotz-Zentrum für Umweltforschung Leipzig trägt einen grauen Wolpullover, hat eine schwarze Hornbrille, eine Halbglatze und blonde Haare.
Andreas Musolff vom Helmhotz-Zentrum für Umweltforschung. Bildrechte: UFZ

Die Betreiber von Talsperren melden, dass ihre Speicher voll sind. Auch die Grundwasservorräte reichen aus, sagt Musolff. "Wir decken ja etwa 80 Prozent der Wasserversorgung in Deutschland über Grundwasserbrunnen ab. Der Rest kommt aus Oberflächenwasser und Trinkwassertalsperren. Die sind vor allem in den Mittelgebirgen weit verbreitet, wo sich das Grundwasser schwer nutzen lässt".

Bis der Regen im Grundwasserspeicher ankommt, dauert es 20 bis 40 Jahre, je nach Bodenbeschaffenheit. Das fehlende Wasser vom letzten heißen Sommer macht sich da unten also erst in einigen Jahrzehnten bemerkbar. Könnte es aber passieren, dass wir zu viel Grundwasser entnehmen und unten kommt nichts mehr an? Ja, das kann passieren. Die Folge wäre, wir müssten immer tiefer bohren, um an Grundwasser ranzukommen.

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2019, 12:35 Uhr