Hühnerforschung Warum Hühnereier verschiedene Farben haben

Weiße, braune, rote, grüne, blaue Hühnereier: Warum sind die so verschiedenfarbig. Und kann man die Farbe der Eier, die eine Henne legt, tatsächlich am Federkleid oder am Ohrläppchen ablesen? Ein Experte klärt auf.

Leghorn-Huhn (Gallus domesticus)
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"Weiße Hühner - braune Eier, braune Hühner - weiße Eier." Das ist so eine klassische Faustformel, der man begegnet, wenn man sich mit der Farbe von Hühnereiern beschäftigt. Oder diese: "Am Ohrläppchen eines Huhns erkennt man die Eierfarbe." Alles nicht ganz falsch, aber eben auch nicht ganz richtig, wie Mario Lamers vom wissenschaftlichen Geflügelhof des Bruno-Dürigen-Instituts erklärt: Richtig ist, dass es einen Zusammenhang zwischen Ohrscheibe und Eierfarbe gibt. Die Ohrscheibe, eine Art fleischige Erweiterung des Gesichtsfeldes ohne Funktion für das Gehör, gibt uns Menschen zumindest einen Hinweis auf die Eierfarbe:

Eine weiße Legscheibe steht für weiße bis cremefarbene Eier. Eine rote Ohrscheibe steht für bunte Eier, also braun, rot, grün, blau, türkisfarbige.

Mario Lamers

Warum es rote, grüne, blaue Hühnereier gibt

Aber warum gibt es überhaupt so verschiedenartige Eier? "Das sind vom Menschen angezüchtete und verfestigte Mutationen", weiß Mario Lamers. So kommt es also, dass es tatsächlich Hühner gibt, die blaue Eier legen. Cream Legbar heißt die Rasse, die pastellblaue Eier fabriziert. Cream Legbar-Hühner sind das Ergebnis einer Züchtung aus Gold Legbar, cremefarbenen Araucanas und weißem Leghorn. Grün- oder türkisfarbene Eier legen dagegen die Araucanas. Als "Rotleger" wiederum sind Marans bekannt, eine französische Hühnerrasse, deren Eier rötlich-braun gefärbt sind.

Farbtupfer aus der bunten Welt der Rassehühner

Bankivahuhn
Am Anfang war das Bankivahuhn, sozusagen das Urhuhn unserer heutigen Hühner. Die Hennen legen nur etwa 20 Eier pro Jahr. Bildrechte: imago/imagebroker
Bankivahuhn
Am Anfang war das Bankivahuhn, sozusagen das Urhuhn unserer heutigen Hühner. Die Hennen legen nur etwa 20 Eier pro Jahr. Bildrechte: imago/imagebroker
Bankivahahn
In der Ordnung der Hühnervögel sind die Bankivas den Fasanenartigen zugeordnet - die langen geschwungenen Schwanzfedern dieses Bankivahahns zeigen warum. Bankiva-Hühner lebten ursprünglich in Südostasien im Dschungel. Bildrechte: imago/stock&people
Dresdner Huhn mit schwarz-weißen Küken vom Italiener-Huhn
Dresdner Hühner: Legeleistung 220 Eier pro Jahr, ohne Legepause im Winter. Gezüchtet wurden sie von Alfred Zumpe, einem Sachsen, der im zweiten Weltkrieg in englischer Kriegsgefangenschaft aufs Huhn kam und später diese Rasse züchtete. Bildrechte: imago/imagebroker
Paduaner
Paduaner - die bärtigen Punks unter den Hühnern und eine uralte Rasse: Die frühesten Abbildungen der Paduaner-Hühner stammen aus Ägypten etwa zu Beginn unserer Zeitrechnung. Haube und Bart sind keine Zuchtergebnisse, sondern nützliche Beigaben der Natur: Sie schützen ihre Träger vor Erfrierungen. Ihre Legeleistung liegt bei 120 Eiern pro Jahr. Bildrechte: imago/Karina Hessland
Orpington
Das Federkleid schleift fast auf dem Boden, Beine sieht man gar nicht: Das ist das Orpington-Huhn, hier eines mit gelbschwarzem Federsaum. Es gibt zwei Zuchtlinien dieser flauschigen Federbälle, Hühner der asiatischen Variante wurden zur Fleischzucht erzüchtet und sind sehr ruhig und können kaum fliegen. Die Hühner der Mittelmehr-Variante sind gute Flieger und legen große Eier. Bildrechte: imago images/cynoclub
Vorwerkhuhn
Vermutlich das erste Huhn, das quasi auf dem Reißbrett entstanden ist, ein frühes "Designerhuhn": Das Vorwerkhuhn. Es hat nichts mit dem gleichnamigen Staubsauer-Hersteller zu tun. Es ist einfach nach ihrem Züchter, dem Hamburger Oskar Vorwerk benannt. Der wollte ein Huhn züchten, das mit wenig Futter viel Fleisch und viele Eier bringen sollte und noch dazu ein optischer Hingucker in repräsentativen Villengärten war. Als "modernes Wirtshaftshuhn" taugen die friedlichen Vorwerkhühner nicht, sie brauchen ein großes Gelände mit viel Auslauf. Bildrechte: imago/blickwinkel
Huhn - deutscher Sperber
Deutsche Sperber Hühner verdanken ihrem Namen dem gleichnamigen Raubvogel und der Ähnlichkeit mit dessen Federkleid. Sie gelten als Allzweckhühner, einerseits gute Leger (220 Eier pro Jahr) andererseits als leckerer Braten mit hochwertigem Fleisch. Bildrechte: imago images/Shotshop
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Und warum sind die Eier im Supermarkt immer nur weiß oder braun?

Weiße, braune, rötlichbraune und grünliche  Eier
Eier verschiedener Hühnerrassen Bildrechte: IMAGO

Aber warum haben wir dann nur weiße oder braune Eier in den Einkaufsregalen, wenn die Welt der Hühnereier so verblüffend bunt ist? Die Buntlegerinnen, die also farbige Eier hervorbringen, eignen sich nicht als "industrielle Eierlegerinnen". Diese auf Hochleistung gezüchteten Hennen legen im ersten Jahr bis zu 330 Eier. Rassehühner dagegen, die "Spezialistinnen" für rote, grüne, oder blaue Eier, haben auf ein Jahr gesehen eine weit niedrigere Legeleistung. Was unterscheidet sie von den Hochleistungshennen, denen wir unsere Eier in den Supermarkt-Regalen verdanken? Die sind extra so gezüchtet, dass sie in kürzester Zeit legereif sind und 15 bis 18 Monate Jahr lang täglich ihr Ei abliefern. Rassehühner, die nicht zu kommerziellen Zwecken großgezogen sind, werden dagegen älter als Hennen in kommerzieller Haltung und legen oftmals in viel größeren Abständen Eier.

Schmecken grüne Eier anders als braune oder rote?

Wenn es um Geschmack oder Qualität des Eis geht, spielt die Farbe keine Rolle, sagt Lamers. Die Qualität macht sich an anderen Merkmalen fest, an "Verpackung" und Inhalt: "Braune Eier weisen häufiger bräunliche Einschüsse aus dem Legedarm des Huhns auf als weiße", weiß Mario Lamers und führt aus: "In Deutschland werden trotzdem braune Eier bevorzugt, im Gegensatz zu Großbritannien. Da sind weiße Eier beliebter." Die Festigkeit der Schale, die Größe und Farbe des Dotters, die durch karotinhaltiges Futter verstärkt werden kann – das sind die Kriterien, an denen sich die Qualität der Eier ablesen lässt.

zwei aufgeschlagene Eier auf Spaghetti. Ein Eidotter ist leicht gelb, der andere dunkel-orange
Eidotter von Bioeiern (links) und konventionellen Eiern unterscheiden sich deutlich in der Farbe. Bildrechte: imago images / Cord

(lfw)

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