Der Luxusdampfer Titanic.
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"Extreme Eisberg-Saison" im Nordatlantik Eisberge auf der Titanic-Route

Auf den Tag genau vor 105 Jahren kam es im Nordatlantik zur Katastrophe: Die RMS Titanic - das Schiff, das als unsinkbar galt - fuhr gegen einen Eisberg und versank in den Fluten. Zwischen 1.490 und 1.517 Passagiere und Besatzungsmitglieder riss sie mit in den Tod, nur insgesamt 711 Menschen überlebten laut dem britischen Untersuchungsbericht. Und auch heute machen den Schiffen auf der Nordatlantikroute wieder Eisberge zu schaffen. Die US-Küstenwache warnt vor einer "extremen Eisbergsaison".

Der Luxusdampfer Titanic.
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Während die Titanic vor 105 Jahren völlig unvermittelt auf den Eisberg traf, der ihr zum Verhängnis wurde, wissen die Kapitäne heutzutage, was auf der Nordatlantik-Route auf sie zukommt. Und derzeit ist das besonders viel: Die Eiskontrolleinheit International Ice Patrol warnt vor rund 450 Eisbergen, die Anfang April in der Nähe der Neufundlandbank gezählt wurden. Sie driften mit dem kalten Labradorstrom nach Süden. Nur eine Woche zuvor waren es demnach nur 37 Stück gewesen. So viele Eisberge seien zu dieser Zeit untypisch für diese Gegend - normalerweise würden sie in dieser Menge erst Ende Mai bis Anfang Juni gesichtet.

Den Experten zufolge haben ungewöhnlich heftige Winde dazu geführt, dass die Eisberge nach Süden getrieben sind. Die meisten der nun auf der Nordatlantik-Route aufgetauchten Eisberge sind vom Grönland-Eisschild abgebrochen, sagte Michael Mann vom Earth System Science Center an der Universität von Pennsylvania. Der Klimawandel könnte zu mehr Eisbergen auf den Schifffahrtsrouten führen, so Mann weiter.

Eisberge Schiffsroute
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Die Schifffahrt stellt der frühe Beginn der Eisberg-Saison vor Herausforderungen, denn die sie müssen entweder extrem langsam oder einen Umweg fahren. Die Eisberge sind in der Nähe der Stelle, an der die RMS Titanic am 15. April 1912 im Meer versank. Genau dort führt nämlich noch heute die sogenannten Nordatlantik-Route zahlreiche Schiffe entlang. Die müssen nun einen Umweg von rund 650 Kilometern auf sich nehmen, was bei vielen Frachtschiffen eine Fahrzeitverlängerung von anderthalb Tagen nach sich zieht.

Ein kanadischer Fischkutter passiert nach dem Verlassen seines Heimathafens in St. Johns/Neufundland einen vor der Küste treibenden Eisberg und nimmt Kurs auf den offenen Nordatlantik
Schiff trifft Eisberg: Die Eisberge vor der Küste Neufundlands werden immer mehr. Bildrechte: dpa

Die Frachter der Reederei Oceanex, die in ihren Heimathafen im kanadischen St. John's einlaufen wollen, müssen ihr Tempo auf drei, vier Knoten drosseln - umgerechnet also gerade einmal sechs bis sieben Kilometer pro Stunde. Ein Schiff der Reederei musste sogar schon repariert werden, nachdem es mit einem Eisberg kollidiert war. Oceanex-Chef Sid Hynes beklagte sich darüber, dass durch die Eisberge alles teurer werde: "Man verbraucht mehr Treibstoff, es dauert länger, und der Verschleiß bei der Ausrüstung ist größer." Es sei ein sehr ungewöhnliches Jahr, sagte er.

Gabrielle McGrath, bei der US-Küstenwache für die International Ice Patrol zuständig, erklärte, sie habe noch nie einen so dramatischen Anstiege der Eisberg-Zahl in so kurzer Zeit gesehen. Das vierte Jahr in Folge sei mit einer "extremen Eissaison" mit mehr als 600 Eisbergen auf den Schiffsrouten zu rechnen. Im Jahr 2014 waren 1.546 Eisberge auf den Routen - die sechstgrößte Anzahl seit 1990. 2015 waren es 1.165 Eisberge und 2016 687 Stück. Das Gefährliche an ihnen ist, dass nur ein kleiner Teil von ihnen über der Wasseroberfläche sichtbar ist - mindestens 80 Prozent des Eisbergs sind unter Wasser. Und sie sind schnell: Im Labradorstrom legen sie rund einen halben Kilometer pro Stunde zurück. Für die Kapitäne sind sie hinter den hohen Wellen im Nordatlantik oft trotz moderner Technik erst spät zu erkennen.

International Ice Patrol Die International Ice Patrol (Internationale Eispatrouille) überwacht die Eisberge im Nordatlantik. Sie wurde im Jahr 1914 als Reaktion auf den Untergang der RMS Titanic gegründet und wird von der US-Küstenwache betrieben. Die Eispatrouille gibt regelmäßig Berichte über die Eisberglage an alle 17 an ihrer Finanzierung beteiligten Länder heraus - darunter ist auch Deutschland. Mittels Flügen über dem Gebiet verschafft sich die Behörde einen Überblick und verzeichnet die Eisberge auf Karten.

Über dieses Thema berichtete LexiTV im Fernsehen | 30.03.2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. April 2017, 06:00 Uhr