Umwelt Energiewende ja, aber nicht so!

Immer mehr Menschen in Deutschland sagen: Wir brauchen die Energiewende! Das ergab die aktuelle Umfrage "Nachhaltigkeitsbarometer". Ein weiteres Fazit: Zu teuer, zu chaotisch, zu ungerecht wird sie bislang umgesetzt. Doch die Befragten haben nicht nur kritisiert, sondern auch konkrete Wünsche geäußert: Sie sehen die Energiewende als Gemeinschaftsprojekt und fühlen sich mit verantwortlich. Sie erwarten künftig klarere, zukunftstaugliche Strategien, die dann auch konsequent verfolgt werden.

Wiesenlandschaft, im Hintergrund Dorf Pilsum mit Kirche und Windkraftwerk
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Das "Soziale Nachhaltigkeitsbarometer" ist eine Umfrage in Sachen Energiewende. 6.500 Teilnehmer wurden 2018 dazu befragt. Das Ergebnis ist eindeutig: 90 Prozent sagen klar, dass wir die Energiewende brauchen. Das sind sogar 5 Prozent mehr als im Jahr davor, bei der ersten Befragung dieser Art. Ebenso viele Menschen sehen sie als Gemeinschaftsprojekt, das uns alle angeht. "Und zwar schichtübergreifend, quer durch alle Einkommens- und Bildungsgruppen. Auf dem Land, in der Stadt, parteiübergreifend. Auch die AFD-Anhänger sind mehrheitlich für die Energiewende", so Studienleiterin Daniela Setton.

Teuer, chaotisch, ungerecht

Daraus interpretieren die Forscher vom Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IASS) in Potsdam einen klaren Auftrag für die Politik, die Energiewende konsequent umzusetzen. Doch genau das ist der Knackpunkt: Die Befragten vermissen einen Plan und fühlen sich im Stich gelassen. Drei Viertel der Befragten bewerten die Energiewende in Deutschland als "teuer", über die Hälfte als "chaotisch" und "ungerecht".

Die Politik versucht sich teilweise wegzuducken, setzt Kommissionen ein, aber es fehlt hier doch ein Stück weit die klare politische Gestaltung der Energiewende.

Daniela Setton IASS

Ein konretes Beispiel ist für Daniela Setton die Kohlekommission. Hier hätte die Politik viel deutlicher steuern müssen. Ebenso bei der Förderung erneuerbarer Energien, die wie ein planloses hin und her erscheint. Erst gibt es großzügige finanzielle Anreize, Windräder oder Biogasanlagen zu bauen. Heute werden diese Anlagen demontiert. Das sind Investitionen in Millionenhöhe, die in den Sand gesetzt wurden.

Für viele ist der Plan, der zum Ziel führt, nicht mehr zu erkennen. Es ist eine sehr komplexe Gemengelage, bei der viele verschiedenen Gebühren und  Steuern erhoben werden. Auch der erneuerbare Strom ist nicht so günstig wie er sein könnte.

Daniela Setton

Problem Elektrofahrzeuge

Ein weiterer wunder Punkt: Die Elektro-Fahrzeuge. Sie sind erwünscht, aber die Infrastruktur dafür fehlt. Trotzdem möchte die Bundesregierung  Verbrennungsmotoren bis  2030 grundsätzlich abschaffen - ohne bislang zurverlässige und flächendeckende Alternative. Für 54 Prozent der Befragten ein schlechter Plan, so die Studie.

Da sehen sie die Zukunft eher darin, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken und auf wasserstoffbetriebene Autos zu setzen. Die sind mit der normalen Tankinfrastruktur leicht zu handhaben und fahren heute schon 600 km weit. Stattdessen setzt man derzeit auf ein Stromtankstellennetz, von dem niemand weiß, ob es überhaupt realisierbar ist.

Die Energiewende muss sich auch auszahlen

Es wird aber nicht nur gemeckert, sondern es gibt auch klare Bekenntnisse. So sind die meisten bereit, mehr für den Klimaschutz zu tun und dafür auch tiefer in die Tasche zu greifen. Im Gegenzug fordern sie aber eine Entlastung.

Als Beispiel könnte die Schweiz dienen, erläutert Daniela Setton. Am Ende des Jahres bekommen dort all jene etwas ausgezahlt, die besonders sparsam mit  fossilem Öl und Gas umgegangen sind. Dies sei für die Menschen ein guter Plan, so die Studienleiterin. Und immerhin gibt es einen Renner unter den erneuerbaren Energien, der für viele gut realisierbar ist.

80 Prozent der Befragten sind für den Ausbau der Solardachanlagen. Das ist ein starkes Votum und ein Signal, dass hier deutlicher gefördert werden muss. Doch das Gegenteil ist der Fall. Die Förderung wird gedrosselt.

Daniela Setton

Mit 6.5000 Befragten ist das Nachhaltigkeitsbarometer eine sehr umfangreiche Befragung und für die Forscher eine ernst zu nehmende Datenlage. Und die zeigt deutlich: Was sich die Deutschen wünschen ist ein erkennbarer Plan für die Energiewende. Klare Entscheidungen, deutliche Anreize.

Das Nachhaltigkeitsbarometer wurde 2018 zum zweiten Mal erhoben. Hier finden sie weitere Informationen ubnd den Link zur Studie als pdf.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR Radio | 25. Februar 2019 | 17:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Februar 2019, 15:34 Uhr