Denkste! Entschlacken gibt es doch

Fasten entschlackt den Körper: Besonders nach den Feiertagen glauben viele an diesen Mythos und wollen sich ewas Gutes tun. Dumm nur, dass der Körper gar nicht irgendwelche "Schlacken" loswerden kann. Auch nicht durch Tees, Darmspülungen oder Bäder. Den Prozess an sich gibt es dennoch - und zwar auf mikroskopischer Ebene.

Ein Teller mit Brokkoli
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Professor Andreas Michalsen ist Mediziner und Experte in Sachen Fasten. Ihm begegnet der Mythos regelmäßig, dass Menschen glauben, "dass das richtig sichtbare 'Schlacken' sind, die man los wird während des Fastens, etwa über den Stuhlgang oder den Urin". Aber so einen Prozess gibt es nicht.

Man entschlackt nicht über den Darm irgendwelche Gifte aus.

Prof. Andreas Michalsen
Ein Mann im weißen Kittel lächelt
Prof. Dr. Andreas Michalsen Bildrechte: Immanuel Krankenhaus Berlin/Anja Lehmann

Allerdings gibt es in unserem Körper einen anderen Prozess und bei dem wäre es dagegen nicht falsch, den Begriff "Entschlacken" anzuwenden. Es handelt sich dabei um unser Selbstreparaturprogramm in den Zellen, die Autophagie. "Autophagie heißt: sich selbst essen", übersetzt Michalsen.

Was läuft da in der Zelle ab?

Die Zelle sammelt im Laufe ihres Lebens "Müll" an, beschreibt der Fasten-Experte den Prozess.

Da wird dauernd gekocht und verarbeitet – da sind Abfälle.

Prof. Andreas Michalsen

Die Zelle hat einen Mechanismus, um diesen "Mikroschrott" zu recyceln oder zu entfernen. Dieses Programm der Autophagie wird tatsächlich stark durch das Fasten unterstützt, erklärt Michalsen, denn beim Fasten kommt der Nährstoff-Nachschub ins Stocken. Der Körper muss aber funktionieren und braucht dafür "Treibstoff". Also checkt er: Was brauche ich nicht mehr, was ist alt oder beschädigt? Das kann er dann abbauen und Energie daraus gewinnen. Echtes Recycling eben.

Insofern haben wir auf elektronenmikroskopischer Ebene doch wieder die Entschlackung.

Prof. Andreas Michalsen

Für Forschungen zur Autophagie gab es bereits zwei Nobelpreise. Wissenschaftler aus Deutschland, Österreich und den USA haben untersucht, wie die Kommunikation abläuft, die hinter diesem Prozess steckt. Sie stellten fest: Die Müllabfuhr besteht aus einem Team: Ein Protein fegt den Schrott zusammen, das andere baut den Müllschlucker, das Autophagosom, das dann den Müll entsorgt.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Hauptsache Gesund | 07. März 2019 | 21:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2019, 05:00 Uhr