Kleinkind hält Plastemohrübe
Bildrechte: Colourbox.de

Kohlenhydrate, Kokosfett, Kosten Welche Ernährungsmythen stimmen?

Wir beschäftigen uns intensiv mit unserem Essen. Was ist gesund, was macht uns dick, worauf sollten wir verzichten? Mit der Zeit haben sich allerdings einige Ernährunsmythen eingeschlichen. Wir gehen ihnen auf den Grund.

von Karsten Möbius

Kleinkind hält Plastemohrübe
Bildrechte: Colourbox.de

Essen hat in unserem Leben einen großen Stellenwert. Wir achten darauf, dass alles, was wir uns in den Mund stecken, möglichst sauber, geprüft und zertifiziert ist. Manche achten auf Bio, auf ungesättigte Fettsäuren und möglichst wenig Zusatzstoffe. Ernährungstipps gibt es wie Sand am Meer. Kein Wunder, dass sich rund um dieses Thema auch eine Menge Mythen ranken. Wir haben darüber mit dem Ernährungsexperten Dr. Stefan Kabisch vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke gesprochen.

Herr Kabisch, stimmt es, dass es mehr dicke Frauen als dicke Männer gibt?

Dr. Stefan Kabisch. Portraitbild eines jungen Mannes mit Brille und kurzen Haaren. Er schaut lächelnd in die Kamera.
Dr. Stefan Kabisch arbeit und forscht an der Charité Berlin und dem Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke. Bildrechte: DIfE

Nein, das stimmt nicht. Das ist fifty-fifty verteilt. Sowohl beim leichten als auch beim starken Übergewicht. Übergewichtige Frauen werden eher negativ eingeschätzt, übergewichtige Männer eher positiv. Bei übergewichtigen Frauen tauchen eher Attribute wie Faulheit, mangelnde Leistungsfähigkeit und sowas auf. Männer, die übergewichtig sind, werden eher als stattlich, als mächtig, als wohlhabend eingeschätzt.

Kostet gesunde Ernährung mehr als ungesunde?

Ja. Gesunde Ernährung muss man sich tatsächlich leisten können. Ein Beispiel ist die mediterrane Ernährung, die sehr stark auf frischem Gemüse und Obst aufbaut, die mehrmals in der Woche Fisch und die hochwertige Getreideprodukte also Vollkornprodukte vorsieht. Das ist mit einem Hartz-IV-Satz nicht zu finanzieren.

Unser Gemüse hat nicht mehr so viele Vitamine wie früher!

Ja, das stimmt zum Teil, weil wir Bitterstoffe herauszüchten und immer mehr industriell anbauen. Da gibt es eine ganze Reihe von Studien, die Gemüse aus verschiedenen Jahrzehnten untersucht und geschaut haben: Wie haben sich Mineralstoffe und Vitamine dabei verändert?

Die meisten Veränderungen liegen in einem Bereich von 20 bis 50 Prozent. Es gibt Mineralien und Vitamine, die gleich geblieben sind, und welche, die noch ein bisschen stärker abgefallen sind. Insofern kann man das nicht verallgemeinern und es ist sehr unterschiedlich zwischen den Gemüsesorten.

Tiefkühlkost hat genauso viel Vitamine wie Frischkost!

Ja, das stimmt! Da gibt es eine erfreuliche Botschaft: Das Einfrieren von Gemüse und anderen Lebensmitteln sorgt nicht dafür, dass in relevanter Menge Vitamine verloren gehen. Sie bleiben ganz gut erhalten. Ob es tiefgefroren ist oder ein frisches Lebensmittel, macht kaum einen Unterschied.

Hilft ein Verdauungsschnaps nach einer guten Mahlzeit?

Nein, dafür gibt es keine wissenschaftlichen Belege. Es schwören viele Menschen darauf, dass es ihnen danach besser geht, dass sie die Mahlzeit als bekömmlicher wahrnehmen oder das Völlegefühl weg ist. Natürlich trägt der Alkohol dazu bei, dass sich die Fettmoleküle ein kleines bisschen besser im Nahrungsbrei verteilen, aber dass der Verdauungsprozess dadurch super beschleunigt wird und die Beschwerden komplett weg sind, das ist in keiner Studie solide erwiesen.

Light-Produkte haben weniger Fett und helfen deshalb beim Abnehmen!

Nein, das stimmt in vielen Fällen eben gar nicht! Der Kaloriengehalt der meisten Light-Produkte ist genauso hoch oder teilweise sogar höher als der der Vollfett-Variante, weil man letztlich das, was man an Fett rausnimmt, in doppelter Weise durch Zucker ergänzt. Das heißt, das Lebensmittel verliert ein Problem, es kommt aber auch ein Problem wieder dazu. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass man etwas Gesundes isst und wiegt sich damit in falscher Sicherheit. Oftmals ist es ein Etikettenschwindel.

Möhren sind gut für die Haut und aktivieren den Sonnenschutz!

Es ist letztlich auch so ein Mythos, dass man mit Ernährung einen zusätzlichen Lichtschutzfaktor aufbauen kann. Das haben Studien tatsächlich untersucht. Mit Beta-Karotin oder artverwandten Substanzen kann man im Experiment einen Sonnenschutzfaktor von etwa 3 erreichen. Der wird also bei Weitem keinen relevanten Sonnenschutz bieten. Es wird uns nicht davor schützen, Sonnenbrand zu bekommen und deswegen wird man auch weiterhin ganz normale Sonnencreme verwenden müssen.

Kokosöl ist besonders gesund!

Das ist falsch. Kokosöl oder -fett besteht vor allem aus ungesunden gesättigten Fettsäuren. Die werden eindeutig als ungünstig eingeschätzt. Genauso wie gesättigte Fette, die wir in Palmfett und in allen tierischen Produkten finden. Sie reichern das Fettgewebe an und unterstützen Entzündungsprozesse im Körper. Deswegen sollte man auch das Kokosöl nicht im Übermaß verzehren. Es kann Bestandteil einiger Mahlzeiten sein, man sollte seine Küche aber nicht massiv darauf ausrichten.

Kohlenhydrate am Abend machen besonders dick!

Belegt ist das jedenfall nicht! Wir können immer noch nicht sagen, ob Kohlenhydrate am Abend etwas Schlechtes sind oder ob man sie über den ganzen Tag hinweg essen sollte. Die Forschung ist noch nicht soweit, dass sie dazu was Klares sagen kann.

Dieses Thema im Programm: MDR JUMP am Vormittag | 20. März 2018 | 09:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2018, 14:33 Uhr