So könnte die Oberfläche des Planeten Proxima Cen b aussehen, der den roten Zwergstern Proxima Centauri umkreist.
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Umkreist eine zweite Erde Proxima Centauri? Nächster Planet nur 4 Lichtjahre entfernt

Existiert irgendwo eine zweite Erde? Und dann vielleicht auch Leben? Astronomen haben jetzt einen neuen Kandidaten entdeckt – gleich nebenan. Er umkreist Proxima Centauri in unserem Nachbar-Sonnensystem. Raumsonden könnten in 20 Jahren da sein.

So könnte die Oberfläche des Planeten Proxima Cen b aussehen, der den roten Zwergstern Proxima Centauri umkreist.
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Wenn Astronomen den Begriff “nah“ verwenden, dann muss man vorsichtig sein. Denn wer ständig über das Universum redet, für den sind 1.000 Lichtjahre keine besondere Entfernung.  Jetzt aber haben Forscher an der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile den vermutlich erdnächsten Planeten jenseits unseres Sonnensystems entdeckt. Und er liegt in der sogenannten habitablen Zone, also dort, wo flüssiges Wasser möglich ist und Leben existieren könnte.

Die Wahrscheinlichkeit für einen Planeten liegt bei nahezu 100 Prozent.

Martin Kürster, MPI
Planet Proxima Cen b und der rote Zwergstern Proxima Centauri
Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

“Die Signale sind mit extrem hoher Signifikanz vorhanden und über jeden Zweifel erhaben“, so beschreibt es Astronom Martin Kürster vom Max-Planck-Institut (MPI) für Astronomie in Heidelberg, der an dem Projekt beteiligt war. “Die Wahrscheinlichkeit für einen Planeten liegt bei nahezu 100 Prozent.“ Und dieser Planet umkreist unsere Nachbarsonne Proxima Centauri. Deshalb hat er den Namen Proxima Cen b erhalten. Er ist etwas größer als die Erde (1,3 Mal) und umkreist seine Sonne alle 11,2 Tage in rund 7 Millionen Kilometern Entfernung. Das ist viel näher als der Abstand Erde-Sonne (rund 150 Millionen Kilometer), aber Proxima Centauri ist ein roter Zwerg. Er hat nur 12 Prozent der Masse unsere Sonne und sogar nur 0,17 Prozent der Leuchtkraft.

3.500 Planeten entdeckt

Blick auf den südlichen Himmel über der ESO. Das 3,6 -Meter-Teleskop am La Silla-Observatorium in Chile mit Bildern der Stars Proxima Centauri (unten rechts ) und der Doppelstern Alpha Centauri AB (unten links ) von der NASA und dem ESA Hubble Weltraumteleskop.
Bildrechte: Y. Beletsky (LCO)/ESO/ESA/NASA/M. Zamani

Was die Forscher, die ihre Studie jetzt im Fachmagazin “Nature“ veröffentlicht haben, so fasziniert.  Proxima Centauri - die kleinere der beiden Sonnen im Centauri-Doppelsternsystem - ist der häufigste Sterntyp. 3 von 4 Sternen in unserer Milchstraße sind rote Zwerge. “Wenn es schon beim ersten einen Treffer gibt, legt das die Vermutung nahe, dass es viele solcher Planeten gibt“, sagt Astronom Kürster. Bislang haben Astronomen den Angaben zufolge mehr als 3500 extrasolare Planeten entdeckt, doch keinen so nah an unserem Sonnensystem.

In 20 Jahren können wir dort sein

Die Astronomen hoffen jetzt, mit besserer Technik noch mehr über den Planeten zu erfahren. Und möglicherweise bekommen wir schon in wenigen Jahrzehnten Bilder von ihm. Physiker Stephen Hawking und der russische Milliardär Juri Millner haben im Frühjahr das Projekt “Starshot“ vorgestellt, in das auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg Geld investiert hat. Minisonden sollen mit durch Laser angetrieben Sonnensegel Richtung Alpha Centauri aufbrechen – das ist ein Doppelsternsystem, zu dem unser neuer Planet und seine Sonne vermutlich gehören. Geplante Flugzeit 20 Jahre.

Alpha Centauri in der SF-Literatur Unser Nachbarstern ist Handlungsort in zahlreichen Sci-Fi-Geschichten. Von Larry Niven zum Beispiel stammt die Erzählung “Letztes Signal von Alpha Centauri“, die 1969 erschien. Karl-Heinz Tuschel schickte 1971 in “Der purpurne Planet“ seine Kosmonauten Richtung Proxima Centauri auf der Suche nach einer verschollenen Expedition. Und James P. Hogan besiedelte 1982 einen Planeten im Centauri-System mit Kindern, um das Überleben der Menschheit zu sichern: “Die Kinder von Alpha Centauri“.

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2016, 17:10 Uhr