Große Liebe? Mit Mathe gegen Fake-Profile beim Online-Dating

Inzwischen wissen es vermutlich alle: Partnerbörsen funktionieren mit Mathematik. Algorithmen regeln, wer mit wem verbandelt wird. Das verhindert aber nicht, dass man am Ende ausgetrickst wird, weil der vermeintliche Partner ein Fake ist. "Romance-" oder "Love-Scamming" heißt die Methode – abgeleitet von Scam, zu Deutsch Betrug. Dem wollen Forscher aus Großbritannien jetzt ein Ende setzen, mit künstlicher Intelligenz (KI), Algorithmen, die Fake-Profile entlarven.

Bissen Wissen: Chemie und Liebe 2 min
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Glück per Online-Dating? Jeder zweite Deutsche glaubt daran, so eine aktuelle Umfrage. Aber die Sache kann ganz schnell einen Haken bekommen. Dann nämlich, wenn Nutzer auf Fake-Profile hereinfallen. Doch das könnte sich dank der Forschung der University of Warwick ändern.

Alter, Selbstbeschreibung, Herkunft, Job, Bilder – die neuen Algorithmen wurden speziell entwickelt, um zu verstehen, wie gefälschte Dating-Profile aussehen. Die britischen Forscher unter Leitung der University of Warwick, haben ihre KI so programmiert, dass sie in kürzester Zeit eine Wahrscheinlichkeit errechnet, ob das Profil echt oder fake ist. Nach eigenen Angaben schafften sie damit eine Trefferquote von 99 Prozent – unter den angenommenen Fakeprofilen war also nur ein echtes. Das Projekt ist Teil einer umfassenden Forschung in Großbritannien zum Thema Onlinebetrug.

Machen die Datingportale mit?

Die Forscher wollen nun ihre Trefferquote noch weiter erhöhen und hoffen dann, dass die Datingportale die Technik auch anwenden, um die Nutzer zu schützen. Ob das passiert, ist allerdings fraglich. Denn Portalbetreiber nutzen selbst solche Profile als Animateure und weisen in ihren  in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB)  darauf hin.

Bis der Algorithmus anwendbar ist, müssen Nutzer von Datingportalen weiter selbst checken, ob die Profile echt sind oder nicht. Unsere Kollegen von "Vorsicht Verbraucherfalle" haben dafür diese Tipps zusammengetragen:

Zu schön, um wahr zu sein: Stutzig sollte man werden, wenn die Fotos zu professionell aussehen. Mit einer Rückwärtssuche des Fotos per Suchmaschine können Sie eventuell herausbekommen, ob das Foto wirklich zu dem Menschen im Profil gehört.

Zu viel nackte Haut: Oft werden Fotos von Erotik- oder Pornodarstellern ins Profil kopiert, um Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das könnte User verleiten, auch kostenpflichtige Dienste zu benutzen. Zu viel nackte Haut könnte also auch ein Indiz für ein falsches Profil sein.

Zeitpunkt der Nachrichten: Wenn das eigene Profil noch gar nicht fertig ist und schon Nachrichten anderer Nutzer kommen, ist das zumindest ein bisschen verdächtig. Denn: Warum sollte ein anderer Nutzer an mir Interesse haben, wenn ich noch gar keine Informationen oder ein Foto eingestellt habe?

Inhalt der Nachrichten: Skepsis ist geboten, wenn der Inhalt der Nachrichten belanglos ist und so an jeden Nutzer gehen könnte. Ein bisschen persönlicher Bezug zu eigenen Angaben auf dem Profil darf man schon von anderen Nutzern erwarten. Auch auf Fragen und Aussagen wird oftmals kaum eingegangen.

Kein Treffen möglich: Gibt es immer wieder Ausreden, dass ein Treffen nicht möglich sei oder die vereinbarten Treffen werden kurzfristig abgesagt? Versuchen Sie es mit einem Telefonat. Ist auch das nicht möglich, sollten Sie stutzig werden.

Verweis auf andere Portale: Wenn der Flirtpartner vorschlägt, über andere Portale oder kostenpflichtige Hotlines weiter zu kommunizieren, sollte klar werden, dass es hier nicht um Liebe, sondern um Geld geht.

Bitte um Geld: Das ist die Masche der digitalen Heiratsschwindler. Es wurde viel geschrieben, Seelenverwandtschaft vorgegaukelt, intensive Gefühle entwickelt und plötzlich hat er oder sie kein Geld für den Flug, das Visum oder ein Verwandter ist schwer krank und braucht Medikamente.

Dieses Thema im Programm: Das Erste | Brisant | 14. Februar 2019 | 17:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2019, 07:38 Uhr

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