FAQ - Wollen wir ewig leben?

Ist ewiges Leben möglich? Woher kommt der Wunsch nach einem ewigen Leben? Was wäre, wenn wir ewig leben würden?


Ist ewiges Leben möglich?

Bislang nicht, jedenfalls nicht für Menschen, und wenn man "ewig leben" als Konzept für ein Leben ohne abschließenden Tod betrachtet.


Woher kommt der Wunsch nach einem ewigen Leben?

Die Frage bewegt die Menschheit seit Ewigkeiten. In der griechischen Göttersage bittet zum Beispiel Eos, die Göttin der Morgenröte, Göttervater Zeus um das ewige Leben, aber nicht um ewige Jugend für ihren Geliebten, den Sterblichen Tithonos. Ihr Wunsch wird erfüllt und Tithonos altert unauffhörlich, unfähig zu sterben. Im christlichen, jüdischen und muslimischen Weltbild hoffen Menschen auf ein Leben nach dem Tod in einer anderen paradiesischen Welt – wobei völlig offen ist, wo das sein soll und wie sich das gestaltet.


Was wäre, wenn wir ewig leben würden?

Eine Frage, die unendlich viele Fragen nach sich zieht, sowohl biologischer, medizinischer, aber auch ethischer, moralischer und philosophischer Natur: Was würden wir tun in und mit einem unendlichen Leben? Welche Folgen hätte es für die Menschheit, wenn biologische/medizinische Gründe für den Tod wegfielen? Ist der Mensch überhaupt mental für die Ewigkeit geschaffen? Welche gesellschaftlichen Folgen erwüchsen aus der medizinischen Möglichkeit, den biologischen Verfall zu verhindern? Müsste jeder oder dürfte jeder ewig leben, und wer würde darüber bestimmen? Welche Folgen hätte das für die Arbeitswelt – würde die Rente abgeschafft? Wie viele Menschen verkraftet die Erde? Die Eheschließungsformel "Bis dass der Tod euch scheidet" jedenfalls müsste vermutlich abgewandelt werden – in ein "Ja, lebenslänglich".   


Gibt es Lebewesen mit ewigem Leben?

Ja. Das Pantoffeltierchen lebt durch Zellteilung theoretisch Milliarden Jahre, jedenfalls so lange es Wasser gibt. Der Süßwasserpolyp Hydra alter ebenfalls nicht. Auch die Qualle Turritopsis nutricula im Mittelmeer kennt theoretisch keinen Tod - sie wandelt ihre gealterten Zellen in junge Zellen um. Praktisch kann sie natürlich gefressen werden und ist zudem an das Vorhandensein von Wasser gebunden. Aus menschlicher Sicht eine kleine Ewigkeit jedenfalls lebt auch der Schwamm vom Typ Anoxycalyx Joubini aus der Antarktis - für ihn ist bereits eine Lebensdauer von 10.000 Jahren nachgewiesen.


Ewiges Leben – Fluch oder Segen?

Bislang ist das eine rein hypothetische Frage. Philosophisch gesehen kann man den Tod als sinnvolle Begrenzung betrachten, die das Leben des einzelnen bereichert, wenn man den Tod als Motor, der uns antreibt, begreift. Aber was wäre Fluch, was wäre Segen von ewigem Leben, wenn biologisch bedingte Abbauprozesse ausgeschaltet würden? Sicherlich unendlich viele Fragen angesichts einer unsterblichen und damit stetig wachsenden Menschheit: Wer würde bestimmen, ab wann der Alterungsprozess gestoppt wird? Was würde das kosten, wer könnte sich das leisten, was für eine Art von Gesellschaft würde eine möglicherweise finanzielle "Auslese" hervorbringen, welche Kettenreaktionen würde das für das Zusammenleben weltweit in Sachen Ernährung, Wasserresourcen hervorbringen? Und würden sich Nicht-Sterbende, quasi zeitlose Menschen in der Unendlichkeit der Zeit zuhause fühlen? Und wäre Fortpflanzung dann überhaupt noch sinnvoll - oder wäre der zeitlose Mensch am Ende seiner Entwicklung - wenn Fortpflanzung immer auch Entwicklung bedeutet hat, und diese aus Platzgründen auf dem Globus eingeschränkt oder gestoppt würde? Dann würde der ewige Mensch vielleicht sogar das Ende seiner Spezies selbst einläuten.


Wollen wir ewig leben?

Eine Frage, die, wenn sie "ja" beantwortet wird, meist an die Unversehrtheit des eigenen Körpers als Bedingung geknüpft wird und an "paradiesische" - was auch immer sich der Einzelne darunter vorstellen mag - Lebensumstände.  


Warum wollen wir ewig leben?

Hinter dem Wunsch, ewig zu leben, stecken viele Ängste: Angst vor dem Tod, Angst vor dem Verlust geliebter Menschen, Angst vor der Fremdbestimmung der Natur, Angst vor der Nichtexistenz. "Die Angst vor dem Tod ist der Motor, der uns antreibt", sagen verschiedene Philosophen.


Wann werden wir ewig leben?

Dazu gibt es verschiedene Theorien. Peter de Keizer, ein Jungstar unter den Alternsforschern, arbeitet an der Erasmus von Rotterdam Universität in Rotterdam daran, den Zellverfall zu entschlüsseln und die biologische Uhr zu stoppen. Mit alten Labormäusen glückte ihm 2017 ein Verjüngungseffekt - durch den Einsatz eines speziellen Peptids wuchs den Mäusen wieder dichteres Fell und ihre Nierenwerte verbesserten sich. Ob und wann sich seine Forschung gegen den Alterungsprozess beim Menschen einsetzen lässt, kann noch keiner sagen. De Keizers Vision: "Womöglich werden wir uns ab 65 alle fünf Jahre im Spital unsere Verjüngungsspritze geben lassen." US-Erfinder Raymond Kurzweil hat recht konkrete Vorstellungen, ab wann wir nicht mehr sterben müssen: Er behauptet, ab 2045 steige die durchschnittliche Lebenserwartung pro Jahr um genau ein Jahr. Den Start dieser rasant steigenden Lebenserwartung gibt er mit 2029 an.


Wer wird ewig leben?

Es kommt darauf an, wie man das Konzept "ewiges Leben" definiert: im wörtlichen Sinne, als ewig lebendiger Mensch, oder als jemand, der in der Erinnerung vieler fortlebt, oder als Bewohner eines wie auch immer gestalteten Jenseits'? "Erst wenn sich niemand mehr an einen erinnert, ist man wirklich tot", sagte Immanuel Kant. Genau das spiegelt sich in Mexiko wider, am "Dia de los muertos" einem mehrtägigen, farbenfrohen Fest, bei dem bei Straßenumzügen und daheim an sogenannten "ofrendas" mit Essen, Kerzen und Fotos erinnert wird und die Verstorbenen in den Schoß der Familie eingeladen werden. Diese Traditionen gehen auf prähispanische Kulturen zurück, in denen die Toten als Teil der Gesellschaft und der Tod nur als eine andere Form des Daseins galten.

Aber auch die Skepsis gegenüber einer möglichen Unsterblichkeit ist vermutlich so alt wie der Wunsch nach Unsterblichkeit selbst. Beispiele finden sich in Malerei, Literatur, Kino und im Science-Fiction-Bereich zu Hauf. Die bekanntesten sind wohl die Vampire, "Untote", die seit Bram Stokers "Dracula" durch die Literatur geistern, zuletzt in Stephanie Meyers "Biss..."-Reihe. Alle sagenhaften Vampirgestalten sind solange unsterblich wie sie frisches Blut bekommen, keine Kruzifixe berühren oder dem Sonnenlicht ausgesetzt sind. Sie leben als Untote, verhasst und gefürchtet, Wesen ohne Schatten und Spiegelbild, ein ewiges, aber kein schönes Leben. Abgesehen vom Gruseleffekt dieser Gestalten lebt in den Vampirgeschichten eines tatsächlich ewig - die Skepsis vor einem ewigen Leben.