"Das Ding" aus dem Eis Rätsel gelöst - schlapper Fußball ist gewaltiges Saurier-Ei

Ein US-Forschungsteam hat das Rätsel um einen mysteriösen Fund gelöst. Der sah aus wie ein platter Fußball und lag seit Jahren unbeachtet im Chiles Nationalmuseum. Jetzt wissen wir: Es ist ein Ei - gefunden 2011 in der Antarktis und über 60 Millionen Jahre alt.

Mosasaurus Eiablage - stilisiert
Wie der (vermutlich) Mosasaurusnachwuchs aus dem Ei kam - könnte man sich so vorstellen. Bildrechte: Monica Kortshaw/University of Texas

Da hat uns die Natur ein dickes Ei gelegt - oder besser, eine Urzeitechse mit dem schönen Namen Mosasaurus und zwar in der Antarktis. Ein fossiler Fund, der jahrzehntelang unbeachtet im Nationalmuseum für Naturgeschichte in Santiago de Chile unter dem Begriff "Das Ding" vor sich hin schlummerte. Jetzt ist das Ei, um im Bild zu bleiben, doch noch geschlüpft, und das Geheimnis gelüftet. "Das Ding" ist vermutlich das Ei eines riesigen Meeresreptils wie z.B. eines Mosasaurus von vor rund 66 Millionen Jahren. Das lebte zur Kreidezeit und ist eine weitläufige Verwandte der Eidechsen, die wir oft im Sommer sehen, wenn sie sich auf Steinmauern sonnen.

Marktplatz in Santiago de Chile
Marktplatz in Santiago de Chile, mittig die Kathedrale, rechts ein Museum Bildrechte: IMAGO/Eleanor Scriven

Einer texanischen Forschungsgruppe fiel das seltsame Fossil auf, bei dem bis dahin unklar war, was es sein könnte. Für Julia Clarke, eine Professorin an der Jackson School of Geosciences in Austin (Texas), war schnell klar, um was es sich bei dem seltsamen Ding handelt. Optisch ähnelte es zwar eher einem eingeschrumpelten Fußball, dem man die Luft abgelassen hat, als einem Ei, in dem Leben herangewachsen ist.

Mikroskop-Untersuchungen bestätigten aber die Vermutung der Wissenschaftlerin: Mehrere Membranen des Fossils ähnelten den Eiern von Schlangen und Eidechsen, die wir heute kennen. Allerdings enthielt es kein Skelett, war also komplett ausgebrütet. Nachwuchswissenschaftler Lucas Legendre an der Austin Uni untersuchte das Ei, stellte einen Datensatz zusammen, der die Körpergröße von 259 lebenden Reptilien mit der Größe ihrer Eier vergleicht. Daraus konnte er schlussfolgern, dass das Ei aus der Antarktis von einem Tier stammt, das von der Schnauzen- bis zur Schwanzspitze etwa sechs Meter lang gewesen sein muss.

Es stammt von einem Tier von der Größe eines großen Dinosauriers, ist aber komplett anders als ein Dinosaurier-Ei. Am stärksten ähnelt es den Eiern von Eidechsen und Schlangen, aber es stammt von einem wahrhaft riesigen Verwandten dieser Tiere.

Lucas Legendre

Es war nicht immer eisig in der Antarktis

Ammonit
Die Insel Seymour im Weddell-Meer vor der Antarktischen Halbinsel enthält viele Zeugnisse uralten Lebens. Bildrechte: imago images/Ardea

Wie ein Puzzlestück zum anderen passt dieser Befund zu der Fundstelle, an der das Ei 2011 von Forschenden entdeckt wurde - eine Bucht auf der Insel Seymour mit seichtem geschütztem Wasser, ideal zum Aufziehen von Jungtieren, jedenfalls vor 66 Millionen Jahren, als in der heutigen Antarktisregion noch ein Regenwald existierte. Dort wurden außer dem jetzt erst identifizierten vermutlichen Mosasaurus-Ei auch Skelette von erwachsenen und jungen Mosasaurier-Exemplaren und Plesiosauriern gefunden.

Unklar bleibt, wo die Baby-Reptilien schlüpften: Im Wasser, wie Seeschlangen oder an Land auf dem Trockenen? Gegen das Schlüpfen an Land spricht die Behäbigkeit der Meeresreptilien - die hätten dafür den Schwanz an Land schieben und anheben müssen, um die Eier abzulegen, sagt Professorin Clarke. Auszuschließen sei das aber nicht - nur sei nie zuvor etwas ähnliches entdeckt worden. Fest steht jedoch, dass es sich um ein weichschaliges Ei handelte, bei dem nicht gebrütet wurde, sondern der Nachwuchs direkt nach dem Legen schlüpfte.

Mosasaurus Eiablage - stilisiert
So könnte es ausgesehen haben, wenn die Mososaurier unter Wasser geschlüpft wären. Bildrechte: Monica Kortshaw/University of Texas

Die Studie, die im Fachmagazin "Nature" über das seltsame "Ding" im naturgeschichtlichen Museum in Santiago de Chile veröffentlicht wurde, lesen Sie hier.

lfw

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