Das Handout der esa zeigt eine Computeranimation einer Ariane 6 Rakete.
Computergrafik: So soll die neue Ariane 6 einmal aussehen, hier in der Variante mit vier Boostern zum Transport größerer Lasten ins All. Bildrechte: David Ducros/esa/dpa

Europa Weltraumagentur ESA Startkomplex für ersten Start der Ariane 6 wird getestet

Die europäische Raumfahrtagentur ESA testet den Startkomplex, von dem aus die Rakete Ariane 6 in rund einem Jahr zum ersten Mal abheben soll. Ob die neue Rakete wirtschaftlich ist, ist aber noch offen.

von Clemens Haug

Das Handout der esa zeigt eine Computeranimation einer Ariane 6 Rakete.
Computergrafik: So soll die neue Ariane 6 einmal aussehen, hier in der Variante mit vier Boostern zum Transport größerer Lasten ins All. Bildrechte: David Ducros/esa/dpa

Ein Foto, das die Europäische Weltraumagentur ESA am Sonnabend geteilt hat, macht auf Facebook die Runde. Zu sehen ist das Mockup eines sogenannten Boosters auf dem Weg zum Startkomplex der Ariane 6. Booster sind Hilfsraketen, wie sie viele Raketensysteme verwenden, die schwere Lasten ins All transportieren sollen. Mit dem mit Wasser gefüllten Modell des Boosters wollen die Ingenieure testen, ob das neue Startgelände den Anforderungen gerecht wird.

Kann sich die neue Ariane-6-Rakete rentieren?

Die neue Ariane 6 ist eine Weiterentwicklung der europäischen Rakete Ariane 5. Sie soll Transporte in den erdnahen Weltraum künftig kostengünstiger machen. Hier müssen schwere Satelliten nicht mehr zwingend zu zweit ins All transportiert werden. Je nach Version kann die neue Ariane entweder 7 oder 16 Tonnen Nutzlast in einen Erdorbit bringen. Dazu kann sie wahlweise mit zwei oder mit vier Boostern ausgerüstet werden. Ein erster Start ist für den 16. Juli 2020 geplant.

Bereits im Mai 2019 gab das Betreiberkonsortium Arianespace den Bau der ersten 14 Exemplare der neuen Rakete in Auftrag. Allerdings stehen die europäischen Raumfahrer nach Ansicht vieler Beobachter vor einem großen Problem: Es fehlt an Transportaufträgen durch Satellitenbetreiber und Co. Der Start zweier Satelliten des europäischen GPS-Konkurrenten Galileo und einiger weniger weiterer Missionen wuirde zugesagt. Danach ist unklar, wie sich die Investition in das neue Raketensystem rentieren soll.

Ariane 6: Die Kosten sollen kontinuierlich sinken

Bei der Ariane 5 kostete der Transport von einem Kilogramm Nutzlast in einen geostationären Orbit rund 19.000 US Dollar. Bei der Ariane 6 sollen es zunächst nur noch 11.000 Dollar sein. Durch Weiterentwicklungen soll dieser Preis bis spätestens 2025 auf unter 9000 und ab 2030 sogar auf unter 5000 Dollar fallen.

Trotzdem hat die Ariane 6 ein gewaltiges Konkurrenzproblem. Immer mehr Staaten, darunter China und Indien, haben eigene, teilweise günstigere Raketensysteme entwickelt. Hinzu kommen private Unternehmen wie SpaceX, die Satellitentransporte immer günstiger anbieten. Elon Musks SpaceX hat gegenüber der Arianespace einen großen Vorteil: Der Weltraumkonzern erhält zahlreiche hoch dotierte Aufträge von der US-Regierung, unter anderem von der NASA. So kann der Konzern deutlich günstigere Konditionen für andere Interessenten anbieten.

SpaceX verwendet Raketenteile mehrfach - bei Ariane zu teuer

Europäische Regierungen wiederum schicken eigene Missionen nicht unbedingt mit der Ariane ins All. Nicht wenige Behörden wählen stattdessen die günstigere Konkurrenz. Die deutsche Bundeswehr etwa fliegt ihren neuen Spionagesatelliten Sarah mit SpaceX ins All.

Die hohe Zuverlässigkeit, mit der die Ariane ihre höheren Preise lange Zeit rechtfertigen konnte, ist für die Europäer inzwischen kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Auch Indien, China oder SpaceX haben mit vielen geglückten Starts bewiesen, dass sie Satelliten ohne Zwischenfälle ins All transportieren können. Mehr noch: Musk ist es gelungen, Teile seiner Raketensysteme wiederzuverwenden, in dem etwa die Booster erfolgreich zu ihrer Startrampe zurückkehrten. Die Hersteller der Ariane 6 lehnen Recycling bislang aus Kostengründen ab. Das lohne sich erst, wenn die europäische Rakete deutlich häufiger als 12 Mal pro Jahr starte. Und da wird die bislang magere Auftragslage erneut zum Problem.

Zuletzt aktualisiert: 23. September 2019, 16:31 Uhr