ESA-Direktor Reiter erwartet weiteren Boom für die Raumfahrt Initiative schickt deutsche Astronautin ins All

Alexander Gerst ist der erste deutsche Astronaut mit Popstar-Potential. Heute wird in seinem Heimatort eine Ausstellung über seine Mission eröffnet. Und bald könnte er eine Kollegin bekommen. Denn eine Initiative will endlich die erste deutsche Astronautin ins All bringen.

Alexander Gerst hat etwas geschafft, was seine Vorgänger in Begeisterung versetzt. Er hat den Menschen in Deutschland die Raumfahrt wieder nahe gebracht. Das Zauberwort sei Kommunikation, sagt Gerst-Vorgänger Thomas Reiter, der selbst fast ein Jahr im All verbracht hat und heute in Gersts Heimatort Künzelsau die Ausstellung "Künzelsau an Houston: Start einer Langzeitmission" eröffnet. "Gerst hat gezeigt, wie hervorragend er kommunizieren kann“, so Reiter. Seine Facebook- und Twitter-Einträge von der ISS gingen um die Welt, "Astro Alex“ wurde zum Pop-Star. Wenn er - vermutlich 2018 - als Kommandant zur ISS zurückkehre, werde dies sicher einen weiteren Schub bringen.

Das sind Steuergelder, mit denen solche Missionen finanziert werden

Thomas Reiter, Astronaut, ESA-Direktor

"Selbstverständlich ist es da eine unserer vornehmlichen Aufgaben, nicht nur zu sagen, dass da oben ganz tolle Wissenschaft betrieben wird, die uns irgendwie hilft“, sagt Reiter, der heute ESA-Direktor für "Bemannte und Robotische Forschung“. Es müsse auch jedem plausibel werden - und das gelinge der Astronauten-Generation Gerst.

Initiative "Die Astronautin"

Aber diese "Generation Gerst“ das sind in Deutschland bisher nur Männer. Claudia Kessler aus Bremen will das ändern. Die Luft- und Raumfahrttechnikerin ist Personalvermittlerin in der hoch spezialisierten Weltraum-Branche. Noch viel lieber wäre die Bremerin selbst ins All geflogen. "Aber ich war immer zur falschen Zeit im falschen Alter“, bedauert sie. Bei der Mondlandung 1969 war sie vier. Doch auch, wenn sie selbst nicht mehr ins All fliegen kann, will sie anderen Frauen diese Möglichkeit geben. Dafür hat sie eine Initiative gestartet "Die Astronautin“.

Christiane Heinicke ist dabei

Mehr als 400 Frauen haben sich auf den Aufruf beworben. Kampfpilotinnen, Medizinerinnen, Ingenieurinnen – Claudia Kessler war begeistert von der großen Zahl. 90 von ihnen sollen ab Oktober beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) psychisch und medizinisch getestet werden. Bis März 2017 soll eine Kandidatin feststehen, die ihre Ausbildung im kommenden Jahr beginnt. Mit dabei ist auch Christiane Heinicke aus Bitterfeld, die gerade ein einjähriges Mars-Experiment auf Hawaii erfolgreich beendet hat. Sie und 70 weitere Top-Kandidatinnen haben sich in dieser Woche in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert.

Sponsoren bezahlen den Trip

Mehr als 30 Millionen Euro – so teuer wird die Ausbildung. Finanzieren sollen den späteren Trip ins All Sponsoren. Kessler ist überzeugt, dass es klappt. Firmen würden im All gern Experimente durchführen lassen, zum Beispiel zur Materialforschung. Dafür würden sie auch bezahlen, sagt sie. Die Berliner Charité sehne sich nach Daten aus erster Hand, wie Herz-Kreislauf-System, Muskeln oder Knochen von Astronautinnen reagierten. Das DLR finanziert die Tests der 90 Kandidatinnen im Oktober, weil es so wenige Daten von Frauen gibt.

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2017, 09:22 Uhr