Planeten im Weltall mit zwei Sonnen
Planeten ziehen im Weltall an einem Doppelstern vorbei (Themen-Archivbild). Bildrechte: imago/blickwinkel

Einsam durchs All Astronomen finden neue freischwebende Planeten

Polnischen Astronomen ist eine spektakuläre Entdeckung gelungen. Die Wissenschaftler des OGLE-Forschungsprojektes an der Uni Warschau haben zwei neue freischwebende Planeten ausgemacht. Solche Himmelskörper sind nur ganz schwer zu finden. Da freischwebende Planeten einsam durchs All ziehen und nicht auf einer Umlaufbahn um einen Stern kreisen sind sie kaum beleuchtet. Sie können nur anhand des verzerrten Lichtes eines Sternes, an dem sie vorbei ziehen, identifiziert werden.

Planeten im Weltall mit zwei Sonnen
Planeten ziehen im Weltall an einem Doppelstern vorbei (Themen-Archivbild). Bildrechte: imago/blickwinkel

Bei Planeten denken wir zuerst an unsere Erde und die anderen kugelähnlichen Himmelskörper unseres Sonnensystems, die sich in einer festgelegten Umlaufbahn um die Sonne bewegen. Und wir denken an all jene Planeten, die sich in anderen Planetensystemen des Universums um andere Sterne drehen. Doch seit einigen Jahren ist bekannt, dass es auch Planeten gibt, die ganz einsam durch die Dunkelheit des Alls schweben.

Entdeckung durch polnisches OGLE-Projekt

Planet OGLE-2016-BLG-1195Lb
Mithilfe von OGLE wird vor allem nach extrasolaren Objekten wie dem 2016 entdeckten OGLE-2016-BLG-1195Lb gesucht. Bildrechte: imago/StockTrek Images

Astronomen der Sternwarte der Universität Warschau haben nun im Rahmen des Optical Gravitational Lensing Experiment (OGLE) zwei neue dieser "free floating", also freischwebenden Planeten entdeckt. Wie das Technologie-Portal Digital Trends berichtet, gelang es den polnischen Wissenschaftlern die äußerst schwer zu findenden "rogue planets" (abtrünnigen Planeten) mithilfe des sogenannten "gravitationsbedingten Mikrolinseneffekts" auszumachen.

Nur durch verzerrtes Licht wahrnehmbar

Schaugrafik Gravitationsbedingter Mikrolinseneffekt
Die Grafik zeigt, wie mithilfe des "gravitational microlensing" eigentlich nicht sichtbare Objekte durch die von ihnen erzeugte Zerrung von Sternen-Licht sichtbar gemacht werden können. Bildrechte: imago/Science Photo Library

Hintergrund ist, dass die einsam durch das All reisenden Planeten durch keinen Stern bestrahlt werden. Sie sind deshalb extrem dunkel und demzufolge kaum zu finden. Beim "gravitationsbedingten Mikrolinseneffekt" machen sich die Astronomen jedoch die Tatsache zunutze, dass ein vor einem Stern vorbeiziehender freischwebender Planet von der Erde aus betrachtet das Licht dieses Sterns verzerrt. Mit der Methode des "gravitationsbedingten Mikrolinseneffekts" kann sowohl das verzerrte Licht gemessen als auch die Größe des vorbeiziehenden Planeten zumindest annähernd geschätzt werden.

Bis zu 20 Mal so groß wie Jupiter

Nach dem polnischen OGLE-Forschungsprojekt, in dessen Rahmen die beiden Planeten entdeckt wurden, erhielten die Himmelskörper die Namen OGLE-2017-BLG-0560 und OGLE-2012-BLG-1323.

Der erste Himmelskörper war bereits im April 2017 entdeckt worden und soll zwischen einer und 20 Jupiter-Massen haben. Seine Entdeckung nahmen die Warschauer Astronomen zum Anlass, sich noch einmal ältere Forschungsdaten genau anzuschauen. Dabei entdeckten sie den zweiten freischwebenden Planeten, dessen Größe zwischen dem unserer Erde und dem viertgrößten Planeten unseres Sonnensystems, dem Neptun, liegen soll. Die Resultate der Entdeckungen wurden im Wissenschaftsportal arXiv veröffentlicht.

Milliarden "Freischweber" vermutet

Die internationale Wissenschaft geht bislang von einer Handvoll bekannter freischwebender Planeten aus. Der bekannte US-Astrophysiker Neil DeGrasse Tyson vermutet etwa, dass es Milliarden von ihnen im All geben könnte. Eine Erklärung für ihr Auftreten ist der sogenannte Katapulteffekt, demzufolge die "Freischweber" aus einem Planetensystem herausgeschleudert werden. Verschiedene Astronomen sind allerdings der Ansicht, dass dieser Effekt nicht häufig genug auftritt, um die vermutete große Zahl an freischwebenden Planeten im Universum zu erklären.

Zwei Theorien der Entsthehung

Eine anderer Erklärungsversuch ist deshalb, dass sich diese Planeten aus jenen Materialien bilden, die von sogenannten Supernovae - also durch Explosionen von Sternen am Ende ihres Lebens - ins All geschleudert werden. Nach Ansicht der Astronomen können die freischwebenden Planeten dabei aus Gas, wie der größte Planet des Sonnensystems Jupiter, oder aus Gesteinsmassen bestehen. Die Wissenschaft geht derzeit aber davon aus, dass die Mehrzahl der "Freischweber" Gesteinsbrocken wie unsere Erde sind.

Dieses Thema im Programm: MDR KULTUR Radio | 19. Oktober 2018 | 14:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. November 2018, 18:18 Uhr