InSight Mars-Mission Deutscher Mars-Maulwurf bohrt nicht mehr

Schlechte Nachrichten vom Mars. Der Bohrkopf "Maulwurf" bohrt nicht mehr. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR gab bekannt, dass die Rettungsversuche der Mission eingestellt wurden. Zuletzt hatte das Landemodul InSight von der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA versucht zu helfen. Nach 500 vergeblichen Hammerschlägen am 9. Januar ist nun das Aus für den Maulwurf gekommen. Es gibt aber auch gute Nachrichten.

Der Maulwurf wurde vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) entworfen. Mit der NASA-Mission "InSight" ist er Ende 2018 auf dem Mars gelandet. Der Maulwurf soll die Wärmeleitfährigkeit des Marsbodens in bis zu fünf Meter Tiefe messen. Dafür bohrt er sich in den Untergrund. Doch der Boden macht es dem Bohrer schwer. Aufnahmen von 2020.
Die Schaufel der Sonde sollte dem "Maulwurf" helfen, sich in den Mars zu bohren. Das hat leider nicht funktioniert. Bildrechte: NASA / JPL

Es ist das Aus für den Mars-Maulwurf, verkündet das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR am 14. Januar 2021. "Wir haben alles gegeben, was möglich war. Aber der Mars und unser tapferer Maulwurf passten einfach nicht zusammen", erklärt Tilman Spohn vom DLR-Institut für Planetenforschung. Er ist der wissenschaftliche Leiter des HP3-Experiments.

Der Mars und unser tapferer Maulwurf passten einfach nicht zusammen.

Tilman Spohn, DLR

Eigentlich sollte bei diesem Experiment der Wärmefluss im Marsboden gemessen werden. Daher auch der Name: HP3, das Heat and Physical Properties Package. Dafür wurde ein 40 Zentimeter langer Bohrkopf entworfen, der wie ein langer Nagel aussieht und den Spitznamen Maulwurf trägt. Dieser sollte sich selbst in mindestens drei Meter Tiefe hämmern. Durch ein Flachbandkabel – über das der Maulwurf Energie bekommt und gemessene Daten weiterleitet – ist er mit der Messstation auf der Marsoberfläche verbunden.

Zäher Marsboden

Doch der Maulwurf hatte von Anfang an Probleme und konnte nicht wirklich in den Marsboden eindringen. Troy Hudson ist Systemingenieur für Messgeräte beim JPL, dem Jet Propulsion Laboratory der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Er erklärt, warum es für den Maulwurf so schwer war, in den Untergrund vorzudringen:

Der Maulwurf wurde basierend auf den Bodenanalysen von NASA-Rovern wie Spirit und Opportunity entwickelt. Aber nach der Landung stellten wir fest, dass der Boden in diesem Gebiet völlig anders ist, als alles, was wir bisher gesehen haben.

Troy Hudson, JPL-Wissenschaftler

Mit einem Hammer-Mechanismus im Inneren des Maulwurfs sollte sich dieser selbst in den Boden hämmern. Jedoch ließ sich der Boden nicht richtig auflockern. Der Maulwurf drückte sich somit immer wieder aus seinem eigenen Loch hinaus. Um ihn auf Kurs zu bringen, versuchte die NASA mit ihrer InSight-Sonde nachzuhelfen. Mit kleinen Hammerschlägen, die über den Schaufelarm der Sonde erfolgten, wurde der Maulwurf in den Untergrund gedrückt. Wie das genau funktioniert, können Sie im nachfolgenden Beitrag lesen:

Das Gute im Schlechten sehen

Der Roboterarm musste dabei sehr vorsichtig vorgehen. Hätte er das empfindliche Flachbandkabel beschädigt, wäre die Mission gescheitert. Doch das ist sie nun auch mit intaktem Kabel. Die letzten 500 Hammerschläge am vergangenen Samstag, dem 9. Januar, brachten keinen erkennbaren Fortschritt.

Dieser Planet ist und bleibt ein schwierig zu erforschender Nachbar.

Heike Rauer, Direktorin des DLR-Instituts für Planetenforschung

Daraufhin wurden die Arbeiten am Maulwurf nach fast zwei Jahren eingestellt. Das deutsche Vorzeigeprojekt auf dem Mars scheint gescheitert zu sein. Tilman Spohn, der mittlerweile auch Leiter des International Space Science Institute im schweizerischen Bern ist, sieht das anders: "Erfreulicherweise haben wir viele Erfahrungen gesammelt, die zukünftigen Mars-Missionen helfen können, unter die Oberfläche zu gelangen."

Auch die Direktorin des DLR-Instituts für Planetenforschung versucht den Fokus auf das Erreichte zu richten. "Immerhin wird uns HP3 noch Temperaturmessungen der obersten Schicht des Marsbodens liefern. Das ist zwar nicht das, was wir erhofft hatten, wird uns aber dennoch helfen, neue Erkenntnisse über den Mars zu gewinnen", so Heike Rauer. Sie versichert, dass weiter versucht wird, "dem Mars seine Geheimnisse zu entlocken, um herauszufinden, ob es wirklich dort einmal Leben gab. Die nächsten Experimente sind schon in der Entwicklung".

Die InSight-Mission wird bis Dezember 2022 weiterlaufen und Messdaten zu Marsbeben und Erschütterungen liefern, die lokalen oder atmosphärischen Ursprung haben. Meteorologische Daten werden ebenfalls gemessen. Durch Funkwellen werden Informationen über die Mars-Drehachse gesammelt. Die Forscher erhoffen sich dadurch herauszufinden, ob der Marskern flüssig oder fest ist.

Thomas Reiter während eines Interviews. 8 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

0 Kommentare