Raumfahrt Starliner-Raumschiff: Start zur ISS abgesagt

Am 3.8. sollte das Starliner-Raumschiff von Boeing zur Internationalen Raumstation ISS aufbrechen. Daraus wurde wieder nichts. Der Start wurde abgebrochen. Offenbar gab es Probleme im Antriebssystem.

Das Starliner-Raumschiff von Boeing im Weltraum. Im Hintergrund erkennt man die Erde.
Das Starliner-Raumschiff von Boeing im Weltraum. Im Hintergrund erkennt man die Erde. Bildrechte: Boeing

Update 4.8. Abbruch zwei Stunden vor dem Start

Der für den 3. August geplante Start des Raumschiffs Starliner wurde gut zwei Stunden vor dem Start abgebrochen. Wie Boeing mitteilte, gab es "unerwartete Ventilstellungsanzeigen im Antriebssystem". Wann eine neuer Start erfolgen soll, wollen NASA und Boeing heute (4.8.) bekanntgeben. "Wir sind enttäuscht über das heutige Ergebnis und die Notwendigkeit, unseren Starliner-Start zu verschieben", sagte John Vollmer, der Vize-Präsident und Programm-Manager für Boeing’s Commercial Crew Program in einer Mitteilung. "Die bemannte Raumfahrt ist ein komplexes, präzises und unversöhnliches Unterfangen, und die Teams von Boeing und der NASA werden sich die Zeit nehmen, die sie brauchen, um die Sicherheit und Integrität des Raumfahrzeugs und das Erreichen unserer Missionsziele zu gewährleisten."

Originalmeldung

Heute Abend (03.08.) ab 18.30 Uhr (mitteleuropäischer Sommerzeit) können Sie den Start des Boeing-Raumschiffes live mitverfolgen. Es wird der zweite "Orbital Flight Test" (OFT-2) von Starliner zur Internationalen Raumstation ISS sein. Beim letzten Flug 2019 kam es allerdings zu Komplikationen beim Andocken an die ISS. Deshalb musste der Flug damals abgebrochen werden.

So kommen Raumfahrer zur ISS

Für das private Luft- und Raumfahrtunternehmen Boeing war das ein herber Rückschlag. Immerhin sollte der CST-100 Starliner (CST für Crew Space Transportation) das zweite Raumschiff sein, dass amerikanische Astronautinnen und Astronauten vom amerikanischen Grund und Boden aus in den Weltraum befördern sollte. Die US-Raumfahrtbehörde NASA hat nämlich auch mit Boeing einen Vertrag über bemannte Raumflüge abgeschlossen.

Momentan ist es das private Raumfahrtunternehmen SpaceX mit seiner "Crew Dragon"-Raumkapsel, das den bemannten Transport zur ISS von den USA aus sichert. Weitere Flüge zur Raumstation gibt es aber auch mit Sojus-Raketen von Kasachstan aus, vom russischen Weltraumbahnhof Baikonur.

Neues Modul für die ISS verursachte Probleme

Eigentlich sollte der Starliner bereits letzten Freitag (30. Juli) zur ISS aufbrechen. Jedoch haben sich das Unternehmen und die NASA dagegen entschieden. Es gab Sicherheitsbedenken, aber nicht wegen des Starliners.

Boeing CST-100 Starliner
Das Starliner-Raumschiff vom Luft- und Raumfahrtunternehmen Boeing. Es befindet sich auf der Spitze einer Trägerrakete. Bildrechte: imago images/UPI Photo

Nach jahrelangen Verzögerungen hatte das russische Forschungsmodul Nauka (russ. Wissenschaft) am 29. Juli die ISS angesteuert. Der Launch verlief zwar nach Plan, jedoch gab es im Weltall Probleme mit dem Starten der Triebwerke. Nachdem diese behoben waren, schwebte das Modul zur ISS. Nachdem es dort angedockt hatte, zündete es unkontrolliert die Düsen. Die Raumstation drehte sich um 45 Grad. Ein Notfalleinsatz konnte das Problem beheben, so die NASA. Die Stationstriebwerke hatten zum Teil automatisiert gegengesteuert. Es habe keine Gefahr bestanden. Mittlerweile wurde bereits die Luke zur neuen Forschungseinrichtung geöffnet. Der Grund für die kurzzeitige Zündung der Triebwerke war ein Software-Fehler.

Das Andockmanöver des neuen ISS-Forschungsmoduls Nauka.
Das Andockmanöver des neuen ISS-Forschungsmoduls Nauka. Bildrechte: NASA

Missionsverlauf

Der neue Launch-Termin wurde deshalb auf den 3. August gelegt. Falls es zu keinen weiteren Komplikationen kommen sollte – dazu gehört auch das Wetter – wird der Live-Stream ab 18.30 Uhr unserer Zeit beginnen. Der Raketenstart soll um 19.20 Uhr erfolgen. Anschließend wird der Starliner sich von der "Atlas V" Rakete abkoppeln, seine eigenen Triebwerke starten und zur ISS aufbrechen.

Das Andock-Manöver soll am 4. August um 19.37 Uhr erfolgen. Auch dieses wird live von der NASA übertragen. Der Stream soll um 16.30 Uhr beginnen. Die Luke zwischen Starliner und ISS soll dann am 5. August geöffnet werden. Bei uns wird es dann 15.40 Uhr sein. 

Wie lang das Raumschiff an der ISS angedockt bleiben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt unklar. Ursprünglich sollte es die Raumstation nach vier Tagen wieder verlassen – vermutlich wird es aber länger angedockt bleiben. Falls diesmal alles nach Plan verläuft, sollen in diesem Jahr noch die ersten Astronaut:innen mit dem Boeing-Raumschiff zur ISS fliegen.