Material-Doping Carbonkorsetts retten alte Brücken

Wenn eine Brücke in die Jahre kommt, droht der Abriss oder eine aufwändige Sanierung. Aus Leipzig kommt jetzt ein Verfahren, das mit geringen Mitteln Großes bewirkt. Stefan Käseberg von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig (HTWK) wurde dafür sogar ausgezeichnet. Und seine Idee kann sogar helfen, Wohnungsprobleme in Innenstädten zu lösen.

Eine Brücke
Bildrechte: Kathrin Welzel

Ganz gleich, wo eine nachträgliche Verstärkung an Bauwerken gebraucht wird, es ging bislang nicht ohne Staub, Lärm, viel Beton und noch mehr Geld. Sei es bei der Stabilisierung von Brücken für mehr Traglast oder der Verstärkung von Gebäudedecken, damit noch ein Stockwerk aufgesetzt werden kann - für viele Architekten ein Weg, Wohnungsprobleme in eng bebauten Innentsädten zu lösen. Dank einer neuen Methode könnte dieses Problem bald der Vergangenheit angehören: Mit einer dünnen Schicht aus cabonfaserverstärktem Kunststoff (CFK). Stefan Käseberg von der HTWK Leipzig hat in seiner Dissertation untersucht, wie das funktionieren kann:

Die Carbonschicht legt sich dabei wie ein Korsett um die Stütze aus Stahlbeton und erhöht mit minimalem Ressourceneinsatz ihre Tragfähigkeit.

Stefan Käseberg HTWK Leipzig

Leicht und dünn, aber trotzdem stabil und tragfähig - das schien Käseberg vielversprechend. Entscheidend ist aber vor allem, dass das überholte Bauwerk dann auch sicher ist. Um das zu beweisen, entwickelte der Bauingenieur ein Berechnungsmodell für das neue Verfahren und überprüfte es selbst in über 150 Versuchen.

Dr.-Ing. Stefan Käseberg testet carbonverstärkte Körper
Bildrechte: Johannes Ernst, HTWK Leipzig/MDR

Das Verfahren wird bereits angewendet, vor allem im Ausland – zum Beispiel in Asien. In Deutschland ist aber noch immer eine Zulassung im Einzelfall notwendig.

Stefan Käseberg

Die Dissertation und damit der Nachweis, wie carbonfaserverstärkter Kunststoff effizient und sicher eingesetzt werden kann, könnte aber in einer Neufassung der Richtlinien der Bauaufsichtsbehörden berücksichtigt und schneller zugelassen werden. Dann wäre diese Technologie für viele Hersteller und Dienstleister attraktiver. Sie würde häufiger eingesetzt und wäre somit auch preiswerter.

Internationales Interesse an Verfahren aus Leipzig

Wie groß das Interesse am Forschungsergebnis von Stefan Käseberg außerhalb Deutschlands ist, zeigte sich auch während der Preisverleihung. Den konnte der Nachwuchswissenschaftler der HTWK Leipzig nicht persönlich entgegennehmen, weil er zu dieser Zeit in Shanghai seine Ergebnisse auf einer internationalen Konferenz präsentierte.

Die Reaktionen sind sowohl national als auch international sehr gut. So haben wir zum Beispiel auch während einer Fachtagung des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton ein sehr gutes Feedback auf die Ergebnisse der Arbeit erhalten.

Stefan Käseberg
Dr.-Ing. Stefan Käseberg
Bildrechte: MDR/Robert Weinhold, HTWK Leipzig

Stefan Käseberg ist ausgebildeter Zimmerer und studierte dann an der HTWK Leipzig Bauingenieurwesen im Diplom und anschließend im Master.
Seit 2008 forscht er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter in verschiedenen Forschungsprojekten am Institut für Betonbau (IfB) der HTWK Leipzig. Seit seiner Promotion im Sommer 2016 leitet Käseberg die Forschungsgruppe Massivbau am IfB.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 19.10.2017 | 19:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2017, 18:00 Uhr