125 Jahre Dieselmotor Er ist nicht tot zu kriegen

Am 27. Februar 1892 meldete Rudolf Diesel eine "rationelle Wärmekraftmaschine" zum Patent an - den Diesel-Motor. Heute ist die geniale Technologie ziemlich unter Druck. Aber trotz aller Unkenrufe, der Diesel lebt. Noch...

Dieselmotoren bewegen Autos, LKWs und Trecker - sie lassen aber auch auch Schiffe fahren und Flugzeuge fliegen. Der Selbstzünder ist eine Erfolgstechnologie, die die Mobilität des vergangenen Jahrhunderts prägte. Mit dem Diesel stellt man zwar keine Geschwindigkeitsrekorde auf, aber seine Spezialität sind die langen Strecken. Der Dieselmotor bringt seine Vehikel zuverlässig in die entlegensten Winkel der Welt und verbrennt dabei weniger Kraftstoff als die spritzigeren Otto-Motoren.

Hat der Dieselmotor noch Zukunft?

Der VW Dieselskandal und die beginnende Verbannung der Technologie aus europäischen Großstädten könnte nun der Anfang vom Ende der Dieseltechnologie sein. Nachdem Stuttgart beschlossen hat, ab 2018 kein Diesel-Fahrzeug mehr auf viel befahrene Straßen der Stadt zu lassen, das nicht mindestens die Abgasnorm Euro 6 erfüllt, gehen viele Experten davon aus, dass andere Großstädte dem Vorbild der Schwaben folgen werden.

Das Problem ist dabei weniger der Kraftstoffverbrauch oder der Ausstoß an Kohlendioxid. Im Gegenteil: Die Senkung des Verbrauchs - und damit auch des Klimagases CO2 - gelingt in der Regel besser als bei Benzinern. Immerhin arbeiten Dieselmotoren aufgrund der Selbstentzündung des Kraftstoffgemischs im Zylinder wesentlich effizienter. Dafür stoßen sie im Schnitt aber größere Mengen Stickoxide aus, die bei hoher Konzentration als Atemgifte wirken können.

AdBlue: 2018 sollen die Diesel sauberer werden

Autos gehören zu den bedeutendsten Quellen schädlicher Stickoxide. Einige Katalysatoren mit vorgeschalteter Harnstoffeinspritzung reduzieren den Ausstoß dieser Stoffe - der Name dafür ist selektive katalytische Reduktion (SCR). Dazu wird die synthetisch hergestellte Harnstofflösung in den Abgasstrom eingesprüht. Es entsteht Ammoniak. Im Katalysator kommt es dann zu einer weiteren chemischen Reaktion: Der Ammoniak wird weitgehend umgewandelt in Stickstoff und Wasser. Diese Harnstofflösung wird unter dem Namen AdBlue verkauft.

Der Chef des Autoverbands VDA, Matthias Wissmann, glaubt, dass neue Techniken mit synthetischem Öko-Sprit "einen neuen Frühling in klassischen Motoren erleben: "Wir werden 2030 noch hocheffiziente Verbrenner brauchen." 2016 war in Deutschland knapp jedes zweite neue Auto ein Diesel, der Marktanteil sank jedoch von 48 auf 45,9 Prozent.

Alternative Antriebe werden viele Dieselmotoren ersetzen - aber lange noch nicht alle

Alle Automobilhersteller arbeiten zur Zeit daran, Alternativen zur Verbrennung fossiler Brennstoffe zu entwickeln. Es ist zu erwarten, dass die Marktanteile der Diesel- und Benzinantriebe zugunsten von Wasserstoff- oder Elektrofahrzeugen sinken werden. Aber der Antrieb ist aus anderen Branchen noch lange nicht wegzudenken.
Auf den Weltmeeren fahren Containerriesen mit teils haushohen Diesel-Aggregaten. Die langen Laufzeiten können nicht so einfach durch alternative Antriebe ersetzt werden. Hier geht es darum, den Diesel sauberer zu machen. Sogar Peter Mock, Europa-Chef der Umweltorganisation ICCT, die den VW-Skandal mit aufdeckte, betont: "Den Diesel sauber zu bekommen, ist absolut möglich."

Vorausgesetzt das gelingt, stehen die Chancen zumindest nicht schlecht, dass der Diesel auch seinen 150. Geburtstag noch feiern wird.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Fernsehen | 23.02.2017 |21:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Februar 2017, 16:29 Uhr