Himmelsregion um den roten Zwergstern Ross 128
Das Bild zeigt die Himmelsregion um den roten Zwergstern Ross 128 im Sternbild Jungfrau (lat. Virgo). Bildrechte: Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide De Martin

ESO-Entdeckung Erdähnlicher Planet elf Lichtjahre entfernt

Der Planet heißt "Ross 128 b“. Er ist gerade einmal elf Lichtjahre entfernt und kommt näher. Auf ihm herrschen erdähnliche Temperaturen. Auch die Strahlung ist in einem Bereich, der Leben ermöglichen kann.

Himmelsregion um den roten Zwergstern Ross 128
Das Bild zeigt die Himmelsregion um den roten Zwergstern Ross 128 im Sternbild Jungfrau (lat. Virgo). Bildrechte: Digitized Sky Survey 2. Acknowledgement: Davide De Martin


Sind wir allein im Universum? Die Planentenjäger der europäischen Südsternwarte ESO, an der auch Deutschland beteiligt ist, sind seit Jahrzehnten auf der Suche nach erdähnlichen Planeten, um diese Frage zu beantworten. Jetzt haben sie wieder einen neuen Kandidaten entdeckt. Sie nennen ihn Ross 128 b, denn er umkreist den Roten Zwergstern Ross 128, der nur elf Lichtjahre entfernt ist. Und er bewegt sich sogar auf uns zu. In 79.000 Jahren, so die Berechnungen der Astronomen, ist Ross 128 b der nächstgelegene erdähnliche Planet, näher als jetzt Proxima b im System Proxima Centauri.

Die Entdeckung, an der Astronomen aus der Schweiz, Spanien, Frankreich und Argentinien beteiligt waren, gelang mit dem HARPS-Instrument. HARPS bedeutet "High Accuracy Radial velocity Planet Searcher". Das Gerät, das an ein 3,6 Meter Teleskop der ESO in in La Silla/Chile gekoppelt ist, kann kleinste Schwankungen im Umlauf der Sterne feststellen.

Erdähnlicher Planet mit leuchtendem Stern dahinter
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ein erdähnlicher Plant in nur elf Lichtjahren Entfernung. Wie könnte es im System Ross 128 aussehen? Die ESO stellt sich das so vor.

Mi 15.11.2017 13:54Uhr 00:31 min

https://www.mdr.de/wissen/faszination-technik/video-153622.html

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Diese Entdeckung basiert auf mehr als einem Jahrzehnt intensiver HARPS-Durchmusterung in Verbindung mit modernsten Datenreduktions- und Analysetechniken. Nur HARPS hat eine solche Präzision unter Beweis gestellt und bleibt 15 Jahre nach der Inbetriebnahme das beste Instrument für die Radialgeschwindigkeitsmethode.

Nicola Astudillo-Defru, Sternwarte in Genf

Daraus berechnen die Astronomen dann mögliche Planeten. So entdeckten sie auch Ross 128 b. Sein Stern Ross 128 ist sehr ruhig, kleiner und kälter als unsere Sonne – er ist nur halb so heiß. Das heißt: Obwohl der Planet 20 mal näher ist, als die Erde zu unserer Sonne, herrschen dort vermutlich Temperaturen von minus 60 bis plus 20 Grad. Die Strahlenbelastung ist im Vergleich zur Erde rund 1,38 Mal so hoch. Der Planet bewegt sich in 9,9 Tagen einmal seine Sonne.

Aus den Daten können die Astronomen jedoch noch nicht erkennen, ob der Planet auch Wasser besitzt. Das erhoffen sich die ESO-Astronomen aus weiteren Untersuchungen mit dem ELT, dem Extremely Large Telescope. Das entsteht gerade in 3.600 Meter Höhe in der chilenischen Atacamawüste. Wenn es 2024 fertig ist, wird es mit seinem 39 Meter großen Spiegel das größte Auge der Welt für den Blick zu den Sternen sein.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | Radio | 15. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2017, 17:15 Uhr