EU-Forschungspreise EU-Geld für Forschung aus Leipzig, Jena und Dresden

Professor Stefan Hallermann aus Leipzig erhält knapp zwei Millionen Euro. Er ist einer der 300 Auserwählten in Europa, die einen Teil des mit insgesamt 600 Millionen Euro dotierten Europäischen Forschungspreises bekommen. Von dem Geld will der Hirnforscher sich und seinen Mitarbeitern ein neues Mikroskop kaufen – ein Mikroskop, mit dem man Denken sehen kann.

von Annegret Faber

Belgien: Statue "Europa" der belgischen Künstlerin May Claerhout vor dem Europäischen Parlament in Brüssel.
Drei Forscherinnen und Forscher aus Mitteldeutschland haben Geld vom Europäischen Forschungspreis gewonnen. (Symbolfoto) Bildrechte: dpa

Gestern hat Stefan Hallermann am Telefon erfahren, dass er einer der Preisträger des Europäischen Forschungspreises ist. Auf die Frage, ob es ihn gefreut hat, antwortet er zögernd. Anscheinend hängen da auch viele Verpflichtungen dran.

Ich hab mich gefreut, aber es ist auch ein Ansporn loszulegen und weiterzumachen und zu gucken, ob wir die ambitionierten Ziele jetzt erreichen können.

Stefan Hallermann

Hallermann will Denken sehen, den Prozess in Bilder wandeln. Aber wie soll das gehen? An der Leipziger Universität hat er den Lehrstuhl für Physiologie und dort beste Bedingungen, wie er sagt. Er will sichtbar machen, was im Gehirn beim Lernen abläuft.

Mann mit Brille
Stefan Hallermann Bildrechte: Swen Reichhold

Man hat die Vorstellung, dass diese Synapsen beim Lernen eine Rolle spielen, und man glaubt, dass die grundlegend sind für unsere Fähigkeit, etwas zu erlernen und zu erinnern, und daher ist das auch für die Erforschung von Krankheiten wie Alzheimer oder Demenzerkrankung wichtig, diese Funktionen des Gehirns gut zu verstehen

Stefan Hallermann

Seit 20 Jahren erforscht Hallermann Synapsen und konzentriert sich da auf einen ganz bestimmten Prozess, der ständig abläuft, von dem wir aber niemals etwas mitbekommen würden, wären da nicht Menschen wie er.

Da geht es darum, dass diese Synapsen einen Botenstoff freisetzen und der wird dann von einer anderen Nervenzelle in unserem Gehirn detektiert und diese Übertragung geht sehr schnell. Das geht in einem Tausendstel von einer Sekunde und diese Freisetzung des Botenstoffs ist kompliziert und man hat das noch immer nicht richtig verstanden.

Stefan Hallermann

Und auch messen oder sichtbar machen kann man den Prozess noch nicht. Genau das aber ist Hallermanns Ziel. Er entwickelte mit seinem Team winzige, tausendstel Millimeter kleine Glasröhrchen. Mit den Glasröhrchen kann er direkt im Gehirngewebe die Botenstofffreisetzung messen. "Damit kann man besser verstehen, was passiert, wenn man bestimmte Lernvorgänge simuliert", sagt er.

Das Geld vom Europäischen Forschungspreis will er nun nutzen, um ein spezielles Mikroskop für eine halbe Million Euro zu kaufen. Damit könne er dann endlich diese hochkomplizierten Prozesse sehen und auch messen. Und dafür braucht er ein gutes Forscherteam und das wäre die nächste Investition. Er möchte mit dem Preisgeld mehr Leute einstellen, die ihn unterstützen.

Auch Forscherinnen aus Jena und Dresden ausgezeichnet

Außer Hallermann wurden noch zwei weitere Forscher in Mitteldeutschland mit dem Forschungspreis ausgezeichnet. Professorin Miriam Agler-Rosenbaum von der Universität Jena möchte mit Bakterien neuartige Antibiotika herstellen und Doktor Gabi Schierning gehört auch zu den Gewinnerinnen. Am Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung Dresden erforscht sie, wie man Temperaturunterschiede in Elektrizität umwandelt.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 12. Dezember 2019 | 17:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. Dezember 2019, 15:47 Uhr

0 Kommentare