Statistik Zweirad-Zahlen: (Fast) jeder hat ein Fahrrad

So viele Drahtesel gab's noch nie in Deutschland. So viele Unfälle mit Fahrrädern auch nicht. Aber es ist nicht alles schlecht. Erst recht nicht für die E-Bike-Industrie. Ein Blick auf aktuelle Zahlen zum Zweirad.

von Florian Zinner

Viele Fahrräder sind an Fahrradständern aus Holz angelehnt, Räder im Vordergrund unscharf
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Nö, nicht jeder in Deutschland hat ein Fahrrad. Aber zumindest fast jeder.

75,5 Millionen Fahrräder

gibt es zurzeit in Deutschland. Neun von zehn Deutschen haben also theoretisch die Möglichkeit, in die Pedale zu treten. Damit gibt's in Deutschland mehr Fahrräder als Pkw. Das sind nämlich nur 47 Millionen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass in einem Auto nicht nur eine Person Platz hat und es zwischen Küste und Alpen fast sechs Millionen Pkw mehr als Privathaushalte gibt.

Zurück zu den Drahteseln: Deren Bestand wächst und zwar schneller als die Bevölkerung hinterher kommt, so zumindest in den vergangenen fünf Jahren:

Bevölkerungswachstum: 2,3 Mio

Fahrradwachstum: 4,5 Mio

Das bedeutet, dass in Deutschland mehr Räder gekauft als weggeschmissen werden. Insgesamt wandern aber jährlich fast eine Millionen Fahrräder weniger über den Ladentisch (oder besser daran vorbei) als noch zur Jahrtausendwende. Für Händler aber erst einmal kein Grund zur Beunruhigung, denn der Umsatz ist in den vergangenen Jahren ordentlich gestiegen. In Deutschland neigt man also zu teureren Zweirädern. Und die bleiben auch inzwischen häufiger bei ihrem rechtmäßigen Besitzer: Die Zahl der Diebstähle nimmt stetig ab und lag 2018 Jahr erstmals …

unter 300.000 Diebstählen.

Am meisten in der Gunst der Radkäufer stehen im Übrigen Trekking-Räder (mehr als jeder Dritte kauft eins), gefolgt von E-Bikes (mehr als jeder Vierte). Auch Stadträder (mehr als jeder Fünfte) verkaufen sich ganz gut. Möglicherweise schaffen es die Fahrräder mit Elektrounterstützung auch schon bald an die Spitze. Ihr Umsatz hat sich seit 2009 fast versechsfacht. Im vergangenen Jahr wurden fast …

1 Million E-Bikes verkauft.

Fast als Binsenweisheit erscheint es, dass 2018 so viele Menschen wie noch nie zuvor ihr Rad im Internet gekauft haben. Obwohl sich ein Fahrrad per Paket, das auch noch fertig zusammengeschraubt werden muss, gar nicht mal so praktisch anhört. Möglicherweise ist das auch der Grund, warum der Fachhandel erst einmal nichts zu befürchten hat: Dessen Verkäufe sind in den letzten Jahren stabil geblieben, nur in Bau- und Hypermärkten erwirbt der geneigte Radler sein Fahrgerät nicht mehr so gerne.

Frau auf einem Elektrofahrrad
E-Bikes: Mit künstlichem Rückenwind fährt sich's eben etwas schwungvoller. Bildrechte: dpa

Und wofür brauchen die Deutschen ihr Radl? Die meisten nutzen es für …

alltägliche Wege (88 Prozent).

Aber fast genau so oft für gemütliche Touren oder als Sportgerät. Gerade einmal ein halbes Prozent der Menschen zwischen 20 und 65 gaben 2017 an, überhaupt kein Fahrrad zu fahren.

Mit steigender Zahl an Rädern in der Republik steigt auch die Zahl der Unfälle. Zumindest, so lange auf den Straßen alles so bleibt wie es ist. Während Autos deutlich sicherer geworden sind und trotz steigender Absätze die Zahl der Unfälle mit Pkw-Beteiligung zurück ging, haben sich die Verhältnisse zu Ungunsten des Fahrrads verschoben.

Nimmt man die Unfälle mit Personenschäden, an denen Fahrradfahrer beteiligt waren, ist die zwischen 2015 und 2018 um zwölf Millionen Unfälle pro Jahr gestiegen. Im gleichen Zeitraum waren es zehn Millionen Pkw-Unfälle weniger. So ist zwar die Zahl an Unfällen mit Personenschaden über die Jahre insgesamt zurückgegangen, aber Radfahrer haben eben nix davon.

Die Zahl könnte mit zunehmender Nutzung eines Fahrradhelms vielleicht wieder zurückgehen. Aber der Deutsche ziert sich, nur ein Viertel trägt überhaupt irgendwann mal einen Helm. Die eiserne Helmfraktion, die immer zum Kopfschutz greift, ist in der Minderheit:

12 Prozent tragen immer Helm

Unsere Nachbarn in der Schweiz sind da vorbildlicher, deren Helmnutzerzahl wächst stetig auf inzwischen fünfzig Prozent. Ganz ohne Helmpflicht. Die existiert sowieso nur in wenigen Staaten, in Europa sind es Albanien, Finnland und Malta, in Frankreich für Kinder bis zwölf Jahre.

Und warum mag sich niemand einen Helm aufsetzen? Eitelkeiten, und sei es eine kaputte Frisur, spielen eher eine untergeordnete Rolle. Zumindest behaupten das die Nutzer des Meinungsportals YouGov. Na ja, man hat ja seine Gründe …

Ob mit oder ohne Helm: Am besten radelt es sich in Deutschland in Münster, Hannover und Bremen, je nachdem, wen man fragt. In einem Ranking des ADFC landet sogar eine mitteldeutsche Stadt auf Platz 3 der Städte über einer halben Millionen Einwohner: Leipzig. Grund mit Stolz durch die mitteldeutschen Gassen zu radeln, ist das aber nicht. Denn mit einer Gesamtnote 4 im Fahrradklima-Test heißt das nur, dass die anderen Städte einfach noch schlechter waren.

drei Radler radeln auf Zuschauer zu 4 min
Bildrechte: Jürgen Magister

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Einfach Genial | 21. Mai 2019 | 19:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. August 2019, 16:22 Uhr