Zwei rote Fahrzeuge - eins mit eingeklappten und eins mit ausgeklapptem Rotor - stehen nebeneinander.
Halb Sportwagen, halb Tragschrauber: Für den PAL-V Liberty braucht der Fahrer allerdings einen Pilotenschein. Bildrechte: PAL-V

Flugtaxis und Flugautos werden Realität Zum Greifen nah: Der Traum vom fliegenden Auto

Er ist wahrscheinlich so alt wie das Auto selbst: Der Traum mit einem Auto zu fliegen. Während Entwickler fliegender Autos und Flugtaxis bisher belächelt wurden, arbeiten mittlerweile namhafte Konzerne und aussichtsreiche kleine Unternehmen an verschiedensten Konzepten, das Auto in die Luft zu bekommen - und das teilweise sehr erfolgreich.

Zwei rote Fahrzeuge - eins mit eingeklappten und eins mit ausgeklapptem Rotor - stehen nebeneinander.
Halb Sportwagen, halb Tragschrauber: Für den PAL-V Liberty braucht der Fahrer allerdings einen Pilotenschein. Bildrechte: PAL-V

Es klingt ein bisschen nach der Zukunftsvision aus der 60-Jahre-Zeichentrickserie "The Jetsons": Vater Jetson steigt nicht in sein Auto, sondern in seine "fliegende Untertasse", wenn er zur Arbeit aufbricht. Und auch Digitalministerin Bär wurde jüngst für ihre Ausführungen zu Flugtaxis belächelt. Dabei ist das Szenario fliegender Fahrzeuge - ob in Form von Taxis oder für den Individualverkehr - heute überhaupt nicht mehr unrealistisch. Das haben unter anderem Präsentationen namhafter Hersteller auf dem Genfer Autosalon bewiesen.

Mobil in der Luft mit Drohnen oder Tragschraubern

Bei vielen der Flugauto-Konzepten verschwimmen die Grenzen zwischen Auto und Fluggeräten wie Drohnen oder Tragschraubern. Und so heißt es bei Porsche auch, dass es Überlegungen für eine Fahrzeugdrohne gebe. Eine Sprecherin kündigte Details in nicht zu ferner Zukunft an. Autobauer Toyota beteiligt sich an einem Start-up, das ein fliegendes Auto namens Sky Drive entwickelt und Daimler ist beim deutschen Flugtaxi-Pionier Volocopter eingestiegen. Der wird bereits in Dubai getestet, in zwei Jahren könnte es die ersten kommerziellen Teststrecken geben. Das chinesische Flugtaxi-Unternehmen Ehang will mit seinen ferngesteuerten Drohnen noch in diesem Jahr einen Feldversuch starten. Und auch eine Boeing-Tochter arbeitet derzeit an Flugtaxi-Prototypen, die später für den Fahrdienstanbieter Uber durch die Lüfte fliegen sollen.

Die Idee ist klar, die Umsetzung noch lange nicht

Doch der Traum vom Fliegen hat einen entscheidenden Knackpunkt: Die Flugfahrzeuge sollen im bodennahen Luftraum unterwegs sein - wie das aber genau ablaufen kann, ist noch unklar. Dem Luftfahrtbundesamt zufolge erarbeiten derzeit mehrere Institutionen Regularien für den unbemannten und bemannten Flugverkehr. Auf EU-Ebene liegen bei der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) erste Entwürfe auf dem Tisch, sagt eine Sprecherin. Und auch die internationale Gemeinschaft wird sich noch auf Regeln für diese neue Form der Luftfahrt einigen müssen. Die Entwickler hält das nicht davon ab, schon jetzt in die Luft zu gehen. MDR Wissen stellt einige der ambitionierten Projekte genauer vor:

Der Flugauto-Pionier: PAL-V Liberty

Ein Auto, das fliegt - ein Flugzeug, das fährt: So wirbt das niederländische Unternehmen PAL-V für seinen "Liberty". Und tatsächlich wird es wohl das erste Flugauto sein, das es auf die europäischen Straßen schafft. Im März stellte Firmenchef Paul Dingemanse es auf dem Genfer Autosalon der Öffentlichkeit vor, die ersten Flüge hat es in früherer Version aber schon vor fünf Jahren absolviert. Interessenten können den "Liberty" schon vorab für den Preis einer halben Million Euro bestellen. PAL-V zufolge fehlt nur noch der letzte Schritt im Zulassungsverfahren. Ist der gemacht, sollen die Fahrzeuge ausgeliefert werden - und das könnte, wenn alles nach Plan läuft, sogar noch in diesem Jahr der Fall sein.

Allerdings hat der Flugauto-Pionier "Liberty" noch einen entscheidenden Haken: Um tatsächlich fliegen zu dürfen, brauchen die Fahrer eine Privatpilotenlizenz. Im Prinzip ist das Fahrzeug mit ausgeklapptem Rotor nämlich ein Tragschrauber. Und damit darf nur von der Startbahn eines Flugplatzes oder anderen offiziellen Startbahnen abgehoben werden - normale Straßen oder Äcker sind tabu. Das vermutlich erste Flugauto dürfte zunächst einmal nur etwas für vermögende Hobby-Piloten sein. PAL-V setzt jedenfalls auf eine Kundschaft, die es sich nicht leisten kann, stundenlang im Stau festzustecken.

Fact Sheet PAL-V Liberty Kapazität: 2 Passagiere

Antrieb: 200 PS starker Benzinmotor für den Flug - 100 PS starker Benzinmotor für die Straße

Reichweite: bis zu fünf Stunden Flugzeit - 1.300 Kilometer am Boden

Geschwindigkeit: bis zu 180 km/h in der Luft - bis zu 160 km/h am Boden

Start und Landung: Tragschrauber, 330 Meter lange Startbahn und 30 Meter lange Landebahn benötigt

Steuerung: manuell

Autonomes Flugtaxi: Kitty Hawk Cora

Viel wichtiger noch als Autos mit ausklappbaren Rotoren oder Flügeln dürften in Zukunft Flugtaxis werden, denn sie könnten den Verkehr vor allem in Städten verändern, wie es einst die U-Bahnen taten. Aber auch ländliche Regionen könnten mithilfe von Flugtaxis für öffentlichen Verkehr erschlossen werden.

In Neuseeland wird nun das erste Flugtaxi der Welt getestet. Das Unternehmen Kitty Hawk, in das Google-Gründer Larry Page investiert hat, hat sein Modell "Cora" jüngst der Öffentlichkeit vorgestellt. In drei bis sechs Jahren soll das Flugtaxi in den kommerziellen Betrieb gehen. Die neuseeländische Regierung fördert die Tests von Kitty Hawk. Denn "Cora" fliegt vollelektrisch, was wiederum Neuseelands Klimazielen entgegen kommt. Der "New York Times" sagte Premierministerin Jacinda Ardern: "Wir haben in Neuseeland das ehrgeizige Ziel, bis 2050 frei von Kohlenstoff-Emmissionen zu sein." Außerdem wolle ihr Land zeigen, dass seine Türen für Leute offen stünden, die großartige Ideen in die Wirklichkeit umsetzen wollten.

Fact Sheet Cora (prototype) Kapazität: 2 Passagiere

Antrieb: 12 Rotoren, Elektroantrieb

Reichweite: etwa 100 Kilometer

Geschwindigkeit: bis zu 177 km/h

Start und Landung: vertikal, keine Landebahn benötigt

Steuerung: autonom

Der leise Senkrechtstarter: Lilium Jet

Auch eine Ausgründung der Technischen Universität München möchte auf dem Markt der Flugtaxis mitspielen und ist "Kitty Hawk" womöglich dicht auf den Fersen. Lilium Aviation hat angekündigt, seinen Lilium Jet dieses Jahr in die ersten Tests schicken zu wollen. Und auch er ist ein echter Senkrechtstartet: 36 elektrisch betriebene Rotoren heben ihn vertikal vom Boden ab - trotz seiner Flugzeugoptik. Der Jungfernflug ist im April vergangenen Jahres jedenfalls geglückt. Den Münchnern ist neben dem Elektroantrieb vor allem die Lautstärke ihres Flugtaxis wichtig: Es soll leiser unterwegs sein als ein Motorrad und das ohne Emissionen auszustoßen und die Luft zu verschmutzen. Und auch von ihrem Taxi-System haben sie genaue Vorstellungen: Der Lilium-Jet könnte beispielsweise die Dächer von Hochhäusern als Start- und Landefläche nutzen, skizzieren die Entwickler.

Schnell, leise und ein Senkrechtstarter: Der Lilium Jet

Animation eines futuristischen Fluggeräts mit vier Tragflächen im Flug von oben.
Der Lilium Jet ist ein Flugtaxi-Projekt von Ingenieuren der TU München, in das unter anderem auch Star-Investor Frank Thelen eingestiegen ist. Bildrechte: Lilium Aviation
Animation eines futuristischen Fluggeräts mit vier Tragflächen im Flug von oben.
Der Lilium Jet ist ein Flugtaxi-Projekt von Ingenieuren der TU München, in das unter anderem auch Star-Investor Frank Thelen eingestiegen ist. Bildrechte: Lilium Aviation
Animation eines futuristischen Fluggeräts mit vier Tragflächen von vorn.
Der Jet sieht ungewöhnlich aus: 36 Elektromotoren sollen ihn so schnell machen wie einen Formel 1-Rennwagen. Bildrechte: Lilium Aviation
Animation eines futuristischen Fluggeräts mit vier Tragflächen von der Seite.
Das futuristische, stromlinienförmige Design des Flugkörpers erinnert an Science Fiction-Filme. Bildrechte: Lilium Aviation
Visualisierung einer Flugtaxi-App.
Die Vision ist ein Taxi-Flugservice für Jedermann. So soll man etwa künftig über eine App einen Lilium Jet ordern können. Bildrechte: Lilium Aviation
Visualisierung eines Flugtaxi-Landeplatzes am Fuße der Brooklyn Bridge in New York City.
Und so könnte ein Landeplatz am East River am Fuße der New Yorker Brooklyn Bridge einmal aussehen. Bildrechte: Lilium Aviation
Eine Karte auf der Dauer und Kosten von einem herrkömmlichen Taxi zum Flugtaxi in New York City verglichen werden.
Das Flugtaxi würde nicht nur den Verkehr am Boden entlasten, die Passagiere wären perspektivisch auch schneller und preiswerter unterwegs. Bildrechte: Lilium Aviation
Visualisierung eines Flugtaxi-Landeplatzes auf dem Dach eines Hochhauses.
Und auch bei den Landeplätzen kann in Städten Platz gespart werden: Weil sie senkrecht starten und landen, könnten die Lilium Jets zum Beispiel auch von Dächern abfliegen. Bildrechte: Lilium Aviation
Lilium - Elektroflugzeug
Die Feuerprobe für den Jet aus München: Der Jungfernflug im April 2017 ist geglückt. Bildrechte: Lilium/Christian Reber
Lilium - Elektroflugzeug
Der Prototyp ist tatsächlich vertikal gestartet und hat eine Runde in der Luft gedreht. Bildrechte: Lilium/Christian Reber
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Fact Sheet Lilium Jet Kapazität: 5 Passagiere

Antrieb: 36 Motoren, Elektroantrieb

Reichweite: bis zu 300 Kilometer

Geschwindigkeit: bis zu 300 km/h

Start und Landung: vertikal, 15 x 15 Meter große Fläche benötigt

Steuerung: autonom

Audi trifft Airbus: Pop.Up next

Der Volkswagen-Konzern hatte vor gut einem Jahr mit seinem Konzept "Pop.Up" für Aufsehen auf dem Genfer Autosalon gesorgt. Es ist nämlich gleich ein ganz neues Verkehrssystem, das Taxi- und Individualverkehr miteinander verschmelzen lässt. Dieses Jahre wurde die nächste Generation des von den VW-Töchtern Audi und Italdesign entwickelten Auto-Drohnen-Konzepts vorgestellt. Und die haben sich dazu die entsprechende Fachkompetenz in Sachen Fliegen ins Boot geholt: An "Pop.Up next" ist auch Airbus beteiligt. Der Flugzeughersteller ist ohnehin sehr umtriebig auf dem Gebiet autonom fliegender (Passagier-)Drohnen: Vahana und Skyways heißen zwei weitere Projekte des Unternehmens in diesem Bereich.

Mit dem Auto-Drohnen-Konzept verfolgen die Partner ein regelrecht revolutionäres Konzept, das den Stadtverkehr verändern soll. "Vor hundert Jahren verschwand der Stadtverkehr unter der Erde, nun haben wir die technischen Möglichkeiten, ihn in die Luft zu bringen", sagt beispielsweise Airbus-Chef Tom Enders. Im Zentrum des modularen Konzepts von "Pop.Up next" steht eine superleichte Passagierkabine, die sich je nach Bedarf mit einem Auto- oder einem Flugmodul koppeln lässt. Statt eines Armaturenbretts gibt es einen 49-Zoll-Bildschirm. Die Maschine wird per Sprach- und Gesichtserkennung, Eye-Tracking und Touch-Funktion bedient. Wann diese Vision der ultimativen Flexibilität Realität werden könnte, ist noch nicht abzusehen. Bisher ist die Rede von "in ferner Zukunft".

Fact Sheet Pop.Up next Kapazität: 2 Passagiere

Antrieb: elektronisch, Ladezeit 15 Minuten

Reichweite: bis zu 50 Kilometer in der Luft - bis zu 130 Kilometer am Boden

Geschwindigkeit: bis zu 100 km/h auf der Straße

Start und Landung: vertikal, keine Start- und Landebahn benötigt

Steuerung: autonom

Das Futuristische: Aeromobil

Die Entwickler von Aerobmobil setzen im Gegensatz zu ihren Kollegen ganz auf den Individualverkehr - wenn schon ein fliegendes Auto, dann eins zum Selber-Fliegen! Schon seit 1989 bastelt das slowakische Unternehmen an seinem Flugauto. Und das Ergebnis ist auch aus Designgesichtspunkten durchaus gelungen. Die Version 4.0 soll noch in diesem Jahr in die Produktion gehen und dann 2020 an die Kunden ausgeliefert werden. Und die müssen für das Aeromobil 1,2 bis 1,5 Millionen Euro hinlegen - nicht gerade ein Schnäppchen. Bisher ist allerdings noch völlig unklar, wann und wie das Fahrzeug überhaupt für den Verkehr am Boden und in der Luft zugelassen werden kann, da die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür noch fehlen.

Fact Sheet Aeromobil 4.0 Kapazität: 2 Passagiere

Antrieb: Hybrid

Reichweite: etwa 700 Kilometer

Geschwindigkeit: bis zu 160 km/h am Boden - bis zu 360 km/h in der Luft

Start und Landung: herkömmlich, Landebahn benötigt

Steuerung: manuell

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | LEXI TV | 19. April 2016 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. März 2018, 16:05 Uhr