In weiße Schutzanzüge mit Atemmasken eingehüllte Mitarbeiter ziehen den aus Sechsecken zusammengesetzten goldenen Spiegel des James-Webb-Weltraumteleskops mit einem Kran druch eine Werkshalle.
Bildrechte: Desiree Stover/NASA

Neue Teleskope Den Urknall erklären und Leben im All finden

Sie sollen ein neues Zeitalter der astronomischen Forschung einleiten: Das James-Webb-Weltraumteleskop der Nasa und das Extremely Large Telescope der Europäischen Südsternwarte. Beide Projekte kommen weiter voran.

von Clemens Haug

In weiße Schutzanzüge mit Atemmasken eingehüllte Mitarbeiter ziehen den aus Sechsecken zusammengesetzten goldenen Spiegel des James-Webb-Weltraumteleskops mit einem Kran druch eine Werkshalle.
Bildrechte: Desiree Stover/NASA

Bei den Profi-Sternguckern bahnt sich ein neues Zeitalter an – kommendes Jahr soll das neue Weltraumteleskop James-Webb der NASA seinen Betrieb aufnehmen und es ist natürlich das größte, aufwendigste und mit rund neun Milliarden Dollar Kosten auch teuerste derartige Instrument.

Sechs Jahre später, 2024, wollen dann die Europäer auch einen Superlativ besetzen. Das Extremely Large Telescope (ELT) soll einen Hauptspiegel mit 39 Metern Durchmesser bekommen, auch deutschen Astronomen steht damit dann das größte optische Teleskop der Welt zur Verfügung. Und beide Vorhaben kommen offenbar gut voran, wie die zuständigen Organisationen NASA und Europäische Südsternwarte jetzt mitteilen.

Kühlung auf minus 266 Grad

In den USA haben die beiden Kernstücke des neuen James-Webb-Weltraumteleskops wichtige Tests überstanden: Die Optik und die Kühlung wurden in einer großen Druckkammer gründlich geprüft. James-Webb soll vor allem langwelliges Licht untersuchen, Infrarote Strahlung, uns auch als Wärme bekannt. Damit erhoffen sich die Wissenschaftler weitere Erkenntnisse über die Frühzeit des Universums nach dem Urknall.

Der Test verifizierte die Ausrichtung des Teleskops zu den Messinstrumenten, die Bildqualität und die Temperatur-Performance. Ich bin erfreut zu sagen, wir haben bestätigt, dass NASA und ihre Partner ein hervorragendes Teleskop haben, spektakuläre Messinstrumente.

Bill Ochs, NASA-Projektleiter
Grafik illustriert die geplante Position des NASA-Weltraumteleskop James Webb in etwa 1,5 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde.
Bildrechte: NASA/gemeinfrei

Die Herausforderung allerdings: Damit das Weltraumteleskop saubere Messergebnisse liefern kann, muss es extrem abgekühlt werden, auf minus 266 Grad Celsius. Der aus 18 goldbeschichteten Modulen zusammengesetzte Spiegel von 6,5 Metern Durchmesser soll dann den Forschern die Möglichkeit geben, Sterne präzise zu verfolgen. 16 Mal in der Sekunde kann die Position eines Beobachtungsobjekts aktualisiert werden.

1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt

Die größte Herausforderung wartet auf die NASA allerdings noch: Die Platzierung des Teleskops im All. Eine europäische Ariane-Rakete soll das Instrument 2020 zum sogenannten Lagrange-Punkt 2 bringen. Der liegt 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt tief im Raum, an einer günstigen Stelle, an der der Schatten der Erde das Licht der Sonne abschirmt und so optimale Beobachtungsbedingungen herstellt. Auch die ESA hat dort bereits zwei Teleskope stationiert.

Der Nachteil allerdings: Wartungsmissionen, bei denen Astronauten zum Teleskop fliegen und Geräte nachjustieren, werden weitgehend unmöglich sein. Beim Vorgänger von James-Webb, dem Hubble-Weltraumteleskop waren fünf solcher Flüge mit 23 Außeneinsätzen nötig, bis alles richtig funktionierte.

Englischsprachige Dokumentation der ESA über das Hubble-Weltraumteleskop

Schott fertigt erste Spiegelelemente für ELT

Dieses Problem wird das extrem große Teleskop der europäischen Südsternwarte (ESO) nicht haben, das derzeit in der Atacamawüste in Chile gebaut wird. Es wird immer für Techniker zugänglich sein, weil es sich auf der Erde befindet. Im Gegenzug müssen die Messinstrumente aber noch sensibler sein, um die Streuung des Lichts ferner Sterne durch die Erdatmosphäre auszugleichen. Die Wissenschaftler erhoffen sich mit dem neuen Riesenspiegel, auf Planeten jenseits unseres Sonnensystems Hinweise auf Leben entdecken zu können.

Der Spiegel mit seinen 39 Metern Durchmesser ist daher deutlich größer als der von James Webb. Er wird aus insgesamt 798 einzelnen Elementen zusammengesetzt. Die ersten sechs dieser sechseckigen Module hat die in Jena gegründete und heute in Mainz ansässige Firma Schott nun fertiggestellt, wie die ESO am Mittwoch mitteilte. "Es war ein wunderbares Gefühl, zu sehen wie die ersten Segmente erfolgreich gegossen wurden", sagte Marc Cayrel, der im ELT-Projekt den Bereich Optomechanik leitet. "Dies ist ein wichtiger Meilenstein für das ELT!"

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | im Radio | 11. Januar 2018 | 07:38 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2018, 15:49 Uhr