Mainzer Studie: Dauerstress macht Fruchtfliegen depressiv

Zwei Obstfliegen (Essigfliegen) paaren sich auf einem Pfirsich
Bei Dauerstress verfliegt bei Fliegen die Lust aufs Balzen. Bildrechte: imago/blickwinkel

Steht die Fruchtfliege Drosophila Melanogaster unter Dauerstress, reagiert sie wie ein Mensch: Sie verliert die Lust an allem, was sie sonst gern tut: Laufen, klettern, balzen. Das haben Wissenschaftler der Universität Mainz herausgefunden. In einer Studie wurden Fruchtfliegen drei Tage lang unkontrollierbarem Stress in einer Vibrationsapparatur ausgesetzt, in der die Insekten eine Lücke überklettern sollten. Im Verlauf der Tage sanken nicht nur die Zahl der Kletterversuche, auch Laufaktivitäten und Balzverhalten wurden im Vergleich mit den ungestressten Fliegen-Kontrollgruppe weniger. Studienautorin Araiane-Saskia Ries: "Die Fruchtfliegen zeigen unter Stresseinfluss alle Anzeichen einer Depression. Verhaltensweisen, die selbst erzeugt sind und Motivation erfordern, werden massiv reduziert."

Lithium behebt Depression bei Fliegen

Die Versuchs-Fliegen wurden in ihrem Depressionszustand daraufhin mit Lithiumchlorid  behandelt - so wie Depressionspatienten. Das Ergebnis: Die Fliegen lösten sich nicht nur aus ihrem depressionsartigen Zustand, sondern zeigten auch ein manisches Kletterverhalten. In nächsten Schritten soll nun herausgefunden werden, welche biochemischen Signalwege dabei genutzt werden. Die Wissenschaftler hoffen, dass die Forschungsergebnisse dabei helfen, Strategien zu entwickeln, um die Widerstandsfähigkeit, genannt "Resilienz", gegen Stress und depressive Erkrankungen zu stärken.

Über dieses Thema berichtet der MDR JUMP: im Radio | 07.08.2017 | 09:20 Uhr