Frühzeit des Universums Astronomen entdecken gewaltige Galaxien kurz vor dem Zusammenstoß

Ein internationales Forscherteam hat in die Frühzeit des Universums zurückgeblickt und dort große Ansammlungen junger Galaxien entdeckt, die kurz davor sind, miteinander zu kollidieren. Das erstaunt die Wissenschaft.

Animation Galaxienhaufen ESO 1 min
Bildrechte: ESO

So stellen sich die Astronomen der ESO den Zusammenstoß der Galaxien ganz am Rande des Universums vor.

Mi 25.04.2018 13:24Uhr 01:20 min

https://www.mdr.de/wissen/videos/crash-der-galaxien100.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Zunächst erschien das Phänomen nur als schwacher Lichtfleck: Ein internationales Team von Astronomen hat mehrere Haufen damals noch junger Galaxien entdeckt, kurz bevor diese miteinander kollidieren. Es handelt sich vermutlich um die massereichsten Strukturen im bekannten Universum. Mit den Teleskopen ALMA und APEX Schauten die Forscher aus Kanada, den USA und Großbritannien in die Tiefe des Weltalls, bis kurz vor den Rand des beobachtbaren Universums.

Weil das Licht von dort so lange zu uns unterwegs ist, können die Wissenschaftler auf diese Weise weit zurückschauen in der Zeit. "Das Licht von diesem Objekt begann zu uns zu reisen, als das Universum nur etwa ein Zehntel seines heutigen Alters hatte", teilte die Europäische Südsternwarte (ESO), die die beiden Teleskope betreibt. Dort fanden die Forscher den Galaxienhaufen, der sich nur etwa 1,5 Milliarden Jahre nach dem Urknall gesammelt hatte.

Wissenschaftler überrascht

Bei den Galaxien handelt es sich um sogenannte Starburst-Galaxien, also Gebiete, in denen aus Staub sehr viele neue Sterne in sehr kurzer Zeit geboren werden. Eine solche für kosmische Maßstäbe frühe Ansammlung überraschte die Wissenschaftler vollkommen, sagt Iván Oteo, einer der beteiligten Astronomen. "Die Lebensdauer von staubiger Sternentstehung wird relativ kurz eingeschätzt, weil das Gas dabei außerordentlich schnell verbraucht wird. Zu jeder Zeit, in jeder Ecke des Universums, sind solche Galaxien in der Regel in der Minderheit. Es ist also sehr rätselhaft, zahlreiche staubreiche Sternentstehungsgebiete gleichzeitig zu finden, und das müssen wir noch verstehen."

Ursprünglich erschienen die Galaxien den Astronomen zunächst als lichtschwache Haufen. Erst nähere Untersuchungen zeigten dann die ungewöhnliche Struktur, hinter der sich jeweils vierzehn und zehn einzelne, massereiche Galaxien aus der kosmischen Frühzeit verborgen haben. ESO-Astronom Carlos De Breuck rechnet damit, dass bald weitere ähnliche Entdeckungen folgen werden. "Diese Entdeckungen von ALMA sind nur die Spitze des Eisbergs. Zusätzliche Beobachtungen mit dem APEX-Teleskop zeigen, dass die tatsächliche Anzahl der sternbildenden Galaxien wahrscheinlich sogar dreimal höher ist. Laufende Beobachtungen mit dem MUSE-Instrument am VLT (Very Large Telescope) der ESO identifizieren auch weitere Galaxien."

Wie konnte Galaxienhaufen so groß werden?

Wie diese Ansammlung von Galaxien so schnell so groß wurde, ist erstmal ein Rätsel. Sie hat sich offenbar nicht allmählich über Milliarden von Jahren angesammelt, so wie die Astronomen es erwarten haben. Diese Entdeckung bietet eine großartige Gelegenheit zu untersuchen, wie massereiche Galaxien zusammengekommen sind, um riesige Galaxienhaufen zu bilden.

Tim Miller, Yale University

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 11. Januar 2018 | 07:39 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. April 2019, 12:56 Uhr