Große Magellansche Wolke von Namibia aus gesehen, 2017
Die Magellansche Wolke von Namibia aus gesehen. Bildrechte: imago/Westend61

Auf Crashkurs Milchstraße vor Zusammenstoß mit anderer Galaxie

Britische Astronomen sagen einen Zusammenstoß zwischen unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße, und der Satellitengalaxie der Großen Magellanschen Wolke voraus. Unser Sonnensystem könnte dabei sogar aus der Milchstraße geschleudert werden. In jedem Fall steht das Ende des Lebens auf der Erde unumstößlich fest.

Große Magellansche Wolke von Namibia aus gesehen, 2017
Die Magellansche Wolke von Namibia aus gesehen. Bildrechte: imago/Westend61

Zuerst die schlechte Nachricht: Unsere Heimatgalaxie, die Milchstraße, steht nach astronomischen Maßstäben "kurz vor" einer Kollision mit einer ihrer Satellitengalaxien, der Großen Magellanschen Wolke. Und nun die gute Nachricht: "Kurz vor" heißt in astronomischen Größenordnungen mehr als zwei Milliarden Jahre. Genug Zeit also, um noch das eine oder andere Bier zu trinken oder noch einmal schön lange Urlaub zu machen.

Berechnungen britischer Astronomen

Dass der große Galaxien-Crash jedoch kommt, daran gibt es nach den Berechnungen eines Astronomen-Teams der Universität Durham in Großbritannien überhaupt keinen Zweifel. Laut den Simulationsberechnungen der britischen Forschergruppe um Marius Cautun werden Milchstraße und Große Magellansche Wolke in etwa 2,4 Milliarden Jahren kollidieren.

Zwerggalaxie mit 15 Milliarden Sternen

Die Zusammensetzung von 13 Bildern zeigt den Comet McNaught C / 2006 P1 am Horizont des nächtlichen Himmels.
Die Große Magellansche Wolke umfasst etwa 15 Milliarden Sterne. Bildrechte: imago/Leemage

Die Große Magellansche Wolke ist die hellste aller Begleitgalaxien unserer Milchstraße. Das nur von der Südhalbkugel der Erde aus sichtbare Sternensystem besteht aus rund 15 Milliarden Sonnen. Verglichen mit unserer Heimatgalaxie, die selbst bis zu 300 Milliarden Sonnen besitzt, gehört sie damit zu den Zwergen unter den bekannten Galaxien des Universums. Die Große Magellansche Wolke tauchte übrigens "erst" vor 1,5 Milliarden Jahren in unserer Nachbarschaft auf. Aktuell umkreist sie unsere Milchstraße in rund 163.000 Lichtjahren Entfernung.

Schwarzes Loch verachtfacht Masse

Die britischen Astronomen lieferten bereits ein Szenario, was genau passieren wird, wenn Milchstraße und Große Magellansche Wolke miteinander verschmelzen: So wird sich unter anderem das zentrale Schwarze Loch der Milchstraße gewaltige Mengen an Materie einverleiben und auf die achtfache Masse des jetzigen Zustands anwachsen.

Sonnensystem könnte herausgeschleudert werden

Schwarzes Loch
Das Schwarze Loch der Milchstraße wird nach dem Crash seine Masse verachtfachen. Bildrechte: ESO, IAU and Sky & Telescope

Laut Teamchef Cautun werden dabei "mächtige Jets energiereicher Strahlung" erzeugt, die sogar unser eigenes Sonnensystem aus der Milchstraße herausschleudern könnten. In jedem Falle, so die Berechnungen der britischen Forscher, werde eine beträchtliche Zahl von Milchstraßen-Sternen in den sogenannten Halo geschleudert. Diese kugelförmige Anordnung von Sternen, die unser Milchstraßen-System umgibt, wird dadurch auf das Fünffache seiner jetzigen Größe anwachsen.

Ende des Lebens auf der Erde

Übrigens: Selbst wenn der große Galaxien-Crash in 2,4 Milliarden Jahren widererwartend ausbliebe, wäre es mit dem Leben auf unserer Erde so oder so vorbei. Unsere Sonne wird sich nach Angaben der britischen Forscher bis dahin nämlich längst zu einem "Roten Riesen" aufgebläht haben - einem alternden Stern, der sich bis auf das Hundertfache seiner jetzigen Größe ausgedehnt haben wird. Für das Leben auf der Erde ist es dann viel zu heiß. Falls die Menschheit dann noch existiert, muss sie sich in jedem Fall rechtzeitig eine neue Heimat suchen.

Am Ende kommt Andromeda

Übrigens ist der Crash unserer Milchstraße mit einer anderen Galaxie nach Einschätzung der britischen Astronomen längst überfällig. Unsere Heimatgalaxie hat sich nämlich im Laufe der kosmischen Geschichte erst vergleichsweise wenige andere Galaxien einverleibt. Die uns benachbarte Andromeda-Galaxie beispielsweise hat sich bereits 30 Mal so viel Masse einverleibt wie unsere Milchstraße. Den Berechnungen zufolge wird übrigens die Milchstraße in etwa acht Milliarden Jahren mit der viel größeren Andromeda-Galaxie verschmelzen. Letztere rast derzeit mit rund 400.000 Kilometern pro Stunde auf unsere Heimatgalaxie zu. Ein "bisschen" Zeit ist zum Glück aber noch - astronomisch gesehen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL RADIO | 06. Januar 2019 | 05:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Januar 2019, 17:18 Uhr

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