In 30 Sekunden geflickt Hoffnung für Handy-Displays: Japaner entwickeln selbstheilendes Glas

Ein japanischer Student hat ein hartes Kunstglas entwickelt, bei dem Risse durch kurzes Zusammendrücken wieder geschlossen werden können. Smartphone-Besitzer könnten kaputte Displays so binnen Minuten selbst flicken.

von Clemens Haug

 Smartphone mit gesplittertem Display
Bildrechte: IMAGO

Es sind ärgerliche Momente: Das Smartphone rutscht aus der Hand, das Display fällt unglücklich auf etwas Hartes und schon ist das Display gesprungen. Wer es mit Humor nimmt, nennt das Ergebnis seine persönliche "Spider-App" – wie ein Spinnennetz ziehen sich die Risse durch die Glasscheibe des meist mehrere hundert Euro teuren Telefons.

Menschen, die von derlei Pech und Ungeschick häufiger geplagt werden, dürfen nun auf eine Zufallsentdeckung aus Japan hoffen: An der Universität Tokio hat der Student Yu Yanagisawa durch Zufall ein Kunstglas entdeckt, bei dem man Brüche und Risse auf einfachste Weise wieder kitten kann, indem man die Bruchstücke bei Zimmertemperatur etwas zusammendrückt.

Nach 30 Sekunden repariert

Im Fachmagazin "Science" berichtet Yanagisawas Professor Takuzo Aida mit seinem Team von dem harten, transparenten Polymer-Glas, das zwei bisher unvereinbar geglaubte Eigenschaften zusammenbringt: Es ist mechanisch stabil, behält also seine Form anstatt schon bei niedrigen Temperaturen weich zu werden. Zugleich lassen sich im Fall eines Bruches die gerissenen Molekülstrukturen ganz leicht wieder zusammenfügen, die Kanten bei Zimmertemperatur zusammendrücken genügt schon.

Student Yanagisawa war eigentlich auf der Suche nach einem Klebstoff. Dabei schnitt sie das Polymer-Material und stellte fest, dass die Bruchkanten bereits bei Zimmertemperatur wieder aneinander festhielten, wenn sie sie für etwa 30 Sekunden zusammendrückte. Weitere Experimente zeigten dann, dass die geflickte Verbindung schon nach wenigen Stunden wieder ihre ursprüngliche Festigkeit erreichte.

Beitrag zur Müllvermeidung

Yanagisawa hofft, dass seine Entdeckung dazu beiträgt, dass weniger Telefone auf den Müll geworfen werden. Gebrochene Bildschirme sind neben schwachen Akkuleistungen das größte Problem von Smartphonenutzern: Die britische Tageszeitung The Guardian zitiert eine Studie, wonach im Jahr 2015 über 21 Prozent aller Briten ein Gerät mit einem gebrochenen Display nutzten.

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | MDR um 2 | 07. Februar 2014 | 13:59 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Dezember 2017, 16:14 Uhr