Hefe im Weltall Forscher suchen Vitaminquelle für Raumfahrer

Essen in Tuben, Dosen, Beuteln - das haben wohl die meisten Menschen im Kopf, wenn sie an Astronautennahrung denken. Doch leider ist so ein Raumschiff viel zu klein, um genug davon für eine längere Reise einzupacken – also etwa zum Mars oder für mehrere Monate auf dem Mond. Deshalb wird daran geforscht, wie Nahrung auch im All hergestellt werden kann.

Wussten Sie, dass auf der Raumstation ISS Tomaten und Salat wachsen? Aber funktioniert das auch bei einem Flug zum Mars? Woher stammen dann die Vitamine für die Raumfahrer? Vielleicht von einer Hefe. Die könnte ein wichtiges Vitamin-Problem lösen und reist deshalb ins Weltall. Am Dienstag (11. Juni 2019) soll die Rakete von Schweden aus starten.

Experimente in 250 Kilometer Höhe

Es ist nur eine kleine Menge für die Forschung, aber vielleicht ein großer Fortschritt für die Raumfahrt: Gerade einmal 25 Gramm schwer ist das Hefe-Experiment. Es ist eines der Experimente, die an Bord einer Forschungsrakete vom schwedischen Kiruna aus ins All abheben sollen: bis in knapp 250 Kilometer Höhe. Zum Vergleich: Die ISS ist in etwa 400 Kilometer Höhe unterwegs. Der Gravitationsbiologe vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Jens Hauslage, betreut das Experiment. Er ist vor Ort in Lappland und erzählt von besten Bedingungen.

Wir haben dann etwa fünf bis fünfeinhalb Minuten eine sehr schöne Schwerelosigkeit und in den fünf Minuten kann man schon sehr sehr viele Experimente durchführen.

Dr. Jens Hauslage, DLR

Eins davon ist das Hefe-Experiment: Denn der Hefepilz ist ein guter Produzent von Fett und Vitamin B12, erklärt Hauslage. Vor allem das Vitamin B12 bereitet Forschern nämlich schon länger Kopfzerbrechen. Denn nur Tiere und Pilze können dieses Vitamin erzeugen, so Hauslage. "Das heißt, wir können es nicht rein aus pflanzlicher Nahrung gewinnen. Und das Vitamin ist (…) ein sehr wichtiges, um auch die neuronale Entwicklung und Reparaturvorgänge im Körper aufrecht zu erhalten."

Ein Glasobjektträger mit Hefepilzen
So sieht der Hefepilz aus, den die Weinexperten vorbereitet haben. Bildrechte: Weincampus Neustadt

Übersteht der Pilz Start, Flug und Landung?

Ein Vitamin B12-Mangel würde also Gehirne und Nervensysteme von Astronauten schädigen. Die Lösung könnte der Hefepilz sein, hofft der Gravitationsbiologe.

Wir möchten gerne sehen, ob ein solcher Raumflug, der letztendlich relativ kurz ist, aber ja die Startbeschleunigung, die Mikro-Gravitation und auch den Wiedereintritt vereint, eine Auswirkung auf den Stoffwechsel der Hefen hat - unter anderem auch Einfluss auf die Vitamin B12-Produktion.

Dr. Jens Hauslage

Auf der Erde sorgt die Hefe ja bevorzugt für die alkoholische Gärung. Und so arbeitet das DLR hier auch mit dem BierProjekt Landau und dem Weincampus Neustadt zusammen. Dort hat Mikrobiologin Friederike Rex den Hefestamm gezogen, der nun ins All fliegen soll.

Wir haben den aus Spontangärungen hier im Haus isoliert und dann eben schon voruntersucht: Auf sein Gärverhalten hin und auf seine Tauglichkeit in Wein und Bier.

Dr. Friederike Rex - Weincampus Neustadt

Wein und Bier? Ganz genau, denn sobald die Hefe wieder gelandet ist, kehrt sie an den Weincampus zurück. Dort wird untersucht, ob sie sich im All verändert hat – und zwar, indem man sie in ihre natürliche Umgebung zurückbringt: in den Most für den Wein.

Die Forscher machen also Weltraum-Wein – und zum Vergleich noch einen mit dem gleichen Hefestamm, der nicht im All war, erklärt die Weincampus-Forscherin. "Diese beiden Varianten werden dann gegeneinander probiert und es ist ja die Frage: Gibt es dann einen Unterschied einerseits vom Gärverhalten – also kann die Hefe noch das, wofür sie eigentlich gedacht war – und andererseits gibt es dann vielleicht auch geschmackliche Unterschiede?"

Menschen stehen im Weinberg und trinken Bier
Dr. Friederike Rex (links) mit ihrem Team (und zwei Flaschen Bier!) im Weinberg Bildrechte: Weincampus Neustadt

Und das würde ja dann bedeuten, dass die Hefe im All Veränderungen durchlaufen hat.

Dr. Friederike Rex

Bestenfalls passiert mit der Hefe im All aber überhaupt nichts, sagen die Wissenschaftler. Denn dann könnte sie Vitamin B12 produzieren und ein weiteres Problem der bemannten Raumfahrt wäre gelöst.

Und wenn Sie jetzt unbedingt wissen wollen, wie der Weltall-Wein schmeckt: Am 1. September 2019 kann man den auf dem Weincampus Neustadt probieren und bewerten.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 10. Juni 2019 | 15:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Juni 2019, 09:56 Uhr