Europäisches Navigationssystem Was kann "Galileo"?

Das europäische satelliten-gestützte Navigations-System Galileo ist ein Prestige-Objekt. Es sollte bereits 2008 starten. Doch immer wieder wurde das verschoben. Mal gab es Streit zwischen den Partnerländern, dann stiegen die Kosten und später wurden zwei Satelliten im falschen Orbit ausgesetzt. Der Name des Systems ist bekannt. Doch was kann Galileo eigentlich? Das fragt User Wieland Fischer aus Schmölln.

von Malte Pieper, MDR-AKTUELL-Korrespondent Brüssel

Für Monika Hohlmeier ist Galileo inzwischen ganz klar eine Erfolgsgeschichte. 18 von 30 Satelliten sind im All, das System seit über einem halben Jahr nutzbar. Größere Störungen gab es nicht. Eher kleinere, man könnte vielleicht sagen, Kinderkrankheiten, sagt die CSU-Politikerin, die für die Europäischen Christdemokraten das Projekt maßgeblich begleitet. "Bei den Atomuhren traten und treten Probleme auf. Es handelt sich dabei ja um ein sehr komplexes System, das großen Temperatur- und Druckunterschieden ausgesetzt ist. Jeder Satellit hat aber aus Vorsichtsgründen mehrere Uhren, sodass unter dem Strich tatsächlich alle Satelliten voll funktionstüchtig sind."

Nicht sicher, ob sich Galileo durchsetzen kann

Deutlich skeptischer ist da schon Michel Reimon. Der Österreicher sitzt für die Grünen im Europaparlament, kümmert sich für seine Fraktion intensiv um Galileo. Klar, sagt er, Galileo funktioniere. Nur ob es sich breit durchsetzen könne, da sei er sich inzwischen durchaus nicht sicher. Bislang gibt es kaum Geräte auf dem Markt, die Galileo nutzen. Platzhirsch ist nach wie vor das amerikanische GPS.

GPS bestimmender Faktor

Reimon sagt: "Für die meisten Menschen, die ein Navigationssystem auf ihrem Handy verwenden, dürfte es keine große Rolle spielen, ob sie von GPS auf Galileo wechseln. Da sehe ich eine gewisse Gefahr, dass das, was jetzt schon weit verbreitet ist, von den Unternehmen einfach weiter angeboten wird." Damit würde GPS der quasi bestimmende Faktor bleiben. Und das trotz all der Milliarden, die in die neue europäische Entwicklung Galileo geflossen sind.

Ein Argument, das CSU-Expertin Hohlmeier nicht gelten lässt. Für sie war GPS bis vor kurzem eine Art in die Jahre gekommener Tiger. Das System ist seit 1993 auf dem Markt. Es sei angesichts seines Erfolges träge geworden, meint Hohlmeier. "Seit Galileo läuft, ist es sogar präziser als GPS. Hochhäuser spielen beipielsweise keine Rolle mehr, das Signal bricht bei einer besonders hohen Dichte von Wolkenkratzern nun nicht mehr ab, wie bei GPS." Hinzu käme, dass GPS nun auch schon Galileo nutze.

Die Amerikaner brauchen plötzlich die Europäer, um ihre Dienste anbieten zu können. Das hilft schon, um auf Augenhöhe zu sein.

Monika Hohlmeier (CSU), Abgeordnete im Europaparlament

... gerade in Zeiten eines US-Präsidenten Trump, findet Hohlmeier. "Wenn die Amerikaner GPS abschalten würden, würde bei uns die Stromversorgung zusammenbrechen und noch einige andere Versorgungsstränge auch." Darüber seien sich viele Menschen nicht im Klaren. Verkehrsleitsysteme und andere Dienste hingen ebenfalls an Satelliten. Spediteure wüssten nicht mehr, wo sich ihre Lkw befänden.

Deshalb gebe es eben die für viel Geld erkaufte, europäische Unabhängigkeit, die übrigens weder der Grüne noch die Schwarze in Zweifel ziehen. Nein, sagen beide, es war völlig richtig das europäische System aufzubauen, damit man sich eben nicht auf die USA verlassen muss - oder gar auf Russland oder China.

Die Geister scheiden sich dagegen bei der Frage, ob man Galileo, wie übrigens GPS auch, militärisch nutzen soll. Grünen-Politiker Reimon sagt:

Es ist jetzt ein zu hundert Prozent ziviles Projekt. Ich denke, so sollte es auch bleiben. So wurde es finanziert.

Michel Reimon (Grüne, Österreich), Abgeordneter im Europaparlament

In dem Moment, in dem eine Tür für eine militärische Nutzung aufgemacht werde, würde das bedeuten, dass im Konfliktfall Dienste für die zivile Nutzung gestrichen bzw. eingeschränkt werden könnten.

Ganz anders sieht das CSU-Politikerin Hohlmeier. Wie inzwischen einige EU-Verteidigungsminister auch, möchte sie die militärische Nutzung von Galileo ermöglichen. Eine Entscheidung über Ja oder Nein ist bislang aber noch nicht getroffen.

Diesen Beitrag sendet MDR AKTUELL auch im: Radio | 26.07.2017 | 06:24 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. Juni 2017, 07:16 Uhr

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