Interstellare Mission NASA schickt Aliens zu den Aliens

Genau vor 60 Jahre wurde die Hündin Laika ins All geschossen. Jetzt plant die NASA, die ersten Lebewesen mit Miniraumschiffen jenseits der Grenzen unseres Sonnensystems zu schicken. Und sie sind selbst ein bisschen wie Aliens.

Ein Poster zeigt die Entfernung von der Sonne bis zum Nachbarstern Alpha Centauri in Lichthjahren.
Das ist die Strecke, die die Miniraumschiffe überwinden müssen. Bildrechte: Keck Institute for Space Studies

Seit 2009 läuft bei der NASA das Projekt "DEEP“, das kleine Sonden mithilfe von Laserstrahlen extrem beschleunigen und ins nächste Sonnensystem schicken will. Seit 2015 ist Prof. Philip Lubin von der University of California Santa Barbara Chef des Projekts. Der Physiker, der vor allem den Laserantrieb für die Miniraumschiffe entwickelt, erklärte jetzt, dass die Sonden nicht nur das Weltall jenseits des Sonnensystems erforschen sollen. Nein, sie werden auch bemannt sein. Wie die Webseite Space.com Lubin zitiert, sind die “Passagiere“ für die Minisonden gefunden, die “ersten interstellaren Reisenden“, wie Lubin sie nennt. Es sind: Nematoden und Tardigraden. Das klingt irgendwie nach Aliens und ist es auch ein wenig – vor allem bei den Tardigraden.

Beide sind in der Forschung keine Unbekannten. Die Nematoden “Caenorhabditis elegans“ sind Fadenwürmer, die zum Beispiel in der Genetik als Modellorganismen vielfach verwendet werden. Sie sind nur einen Millimeter lang und haben interessante Überlebensstrategien entwickelt, können z.B. bei Futterknappheit im Dauerlarvenstadium mehrere Monate überleben. Das ist aber gar nichts im Vergleich zu den Tardigraden. Die sind auch als Bärtierchen oder Wassertier bekannt. Und sie waren schon im All – und zwar ohne Schutz im luftleeren Raum, in Kälte und Strahlung. Und sie haben überlebt.

Wir entwickeln die Fähigkeit zu testen, ob terrestrisches Leben, wie wir es kennen, im interstellaren Raum existieren kann.

Prof. Philip Lubin, University of California
Bärtierchen
Bärtierchen überleben sogar im freien Weltall. Bildrechte: IMAGO

Kleine Lebensformen wie C. elegans und das strahlungsresistente Bärtierchen seinen „dafür die idealen Kandidaten für unsere ersten interstellaren Reisenden", so Lubin weiter.

Da die Reise trotz der möglichen hohen Beschleunigungen der Miniraumschiffe mit Laserantrieb über 20 Jahre dauern wird, überlegen die Forscher, die Tiere in eine Art Stasis zu legen und regelmäßig wieder aufzuwecken, um dann die Wirkung der Umwelt auf die Lebewesen zu untersuchen.

Projekt Starshot

Die NASA ist nicht die einzige Organisation, die ein Miniraumschiff zu unserem Nachbarsonnensystem schicken will. Ein ähnliches Projekt verfolgt der russische Milliardär Juri Millner, es heißt “Starshot“. Millner arbeitet dafür ebenfalls mit Prof. Lubin zusammen. Das Antriebssystem ist wie bei DEEP ein Laser, der seinen Impuls auf ein nur wenige Gramm schweres Sonnensegel schickt, an dem die Miniaturkapsel hängt.

Zeitpläne für den Start gibt es bei beiden Projekten noch nicht. Lubin glaubt allerdings nicht, dass er es noch erlebt, wie die Miniraumschiffe Bilder vom Nachbarplanten Proxima Centauri B schicken. In einem Interview mit "Technology Review“ sagte er im vergangenen Dezember:

Ich bin jetzt 63 Jahre alt und werde vielleicht noch den Start einer interstellaren Sonde in 30 Jahren erleben. Doch dann wird es noch einmal 24 Jahre dauern, bis Daten von einem Stern bei uns eintreffen.

Prof. Philip Lubin, University of California

Über dieses Thema berichtet MDR KULTUR: im Radio | 07.03.2017 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. November 2018, 15:37 Uhr