Ohne aufwendige Operation Kleine kabellose Kapseln: Leipziger Uniklinik implantiert neueste Herzschrittmacher

An der Uniklinik in Leipzig bekommen manche Patienten Herzschrittmacher der neuesten Generation. Diese Geräte sind klein und können ohne gefährliche Operation eingesetzt werden. Doch noch profitiert nicht jeder davon.

von Kristin Kielon

Ein Arzt in weißem Kittel hällt zwei kleine Geräte hoch.
Neu und alt im Größenvergleich: Oberarzt Dr. Daniel Jurisch zeigt in seiner rechten Hand einen kleinen kapselartigen Herzschrittmacher und in der linken ein bisheriges Modell mit Kabel und Sonde Bildrechte: Ines Christ/UKL

Für Menschen mit Herzproblemen sind Herzschrittmacher überlebenswichtig. Ende der 1950er-Jahre wurde das erste implantierbare Modell erfunden und durch den Fortschritt wurden die Geräte schließlich immer kleiner. Heutzutage werden bestimmten Patienten Herzschrittmacher eingesetzt, die gerade einmal die Größe einer Vitamin-Kapsel haben. Aufwendig operiert werden muss mit diesen Herzschrittmacherin der neuesten Generation auch nicht mehr. Doch schaut man die "Kardiokapsel“ des Universitätsklinikums in Leipzig genauer an, dann gibt es doch einen Haken an der Sache.

Doktor Daniel Jurisch, Oberarzt an der Klinik für Kardiologie sagt: Die recht neue Technologie komme bisher nur für sehr wenige Patienten infrage. "Das System ist vor allem für diejenigen verfügbar, die einen Ein-Kammer-Schrittmacher brauchen. Das ist der geringere Anteil der Schrittmacher-Patienten." Das neue Gerät helfe denjenigen, die an chronischem Vorhofflimmern leiden, etwa weil eine Vorkammer eine Rhythmusstörung aufweise.

Herkömmliche Herzschrittmacher

Außerdem muss die Patientin noch ein weiteres Kriterium erfüllen, damit die Krankenkasse den kapselgroßen Herzschrittmacher bezahlt: Entweder sie leidet an Wundheilungsstörungen und neigt dadurch zu Infektionen oder die Schultervene ist verschlossen. Ansonten bekommt sie einen herkömmlichen Einkammer-Herzschrittmacher.

Ein solches Gerät wird etwas unterhalb des Schlüsselbeins in einer Art Tasche unter der Haut befestigt und dann wird ein Kabel durch die erwähnte Schultervene zum Herz gezogen. Diese Operation macht der neue Kapsel-Schrittmacher überflüssig, sagt Oberarzt Jurisch.

Man punktiert die Leistenvene und führt dann einen sehr flexiblen Draht durch die Leisten- und Hohlvene bis in den Brustbereich hinein. Über diesen Draht kann man eine Art Strohhalm bis nach oben vorführen. Durch diesen wird dann die Kapsel geschoben, bis sie an Ort und Stelle ist. Dann knicken die vier Anker vorne am Schrittmacher um und graben sich quasi in den Herzmuskel ein.

Dr. Daniel Jurisch, Klinik für Kardiologie, Universitätsklinikum Leipzig

Batterie hält zehn Jahre

Dort verwächst das Gerät dann nach und nach mit dem Herzen, sagt der Kardiologe. An der Funktionsweise ändere sich dabei nichts: Der kleine funktioniere genauso wie sein größerer Vorfahre. Aber er sei ein in sich geschlossenes System, das ohne Kabel, ohne die sogenannte Sonde auskommt.

Wie bisherige Geräte kann der neue Herzschrittmacher von außen gesteuert werden. Seine Batterie hält etwa zehn bis zwölf Jahre. Dann kann er zwar nur sehr schwer ausgetauscht werden, wegen des geringen Platzbedarfs aber einfach ein zweiter gesetzt werden.

Aus der Sicht von Jurisch überwiegen die Vorteile. "Bei dem Kapsel-Schrittmacher hat man keine Probleme mit gebrochenen Schrittmacherkabeln. Solche Brüche treten mitunter auf, weil die Kabel dauernd in Bewegung sind, etwa weil das Herz permanent schlägt. Man umgeht auch das Problem der Tascheninfektionen, die damit überhaupt nicht entstehen können, weil man ja keine Tasche für den Schrittmacher präparieren oder herstellen muss."

Je kleiner, desto besser

Und generell gelte bei Implantaten: Je kleiner, desto besser. Denn jeder Fremdkörper könne sich entzünden und müsse dann explantiert werden. Und das ist meist eine recht aufwendige Aktion. In Zukunft kann sich Jurisch deshalb auch Schrittmacher mit zwei miteinander interagierenden Kapseln für einen größeren Teil der Herzpatienten vorstellen. Doch das ist noch Zukunftsmusik. "Dieser Kapsel-Schrittmacher ist eine absolute Innovation und sicher auch die Zukunft der Schrittmacher-Therapie. Der Haken ist, dass er sehr teuer ist und deshalb nur von der Krankenkasse bezahlt wird, wenn es harte Gründe dafür gibt."

Und die gab es in den anderthalb Jahren, in denen die Klinik den Kapsel-Schrittmacher benutzt, erst in zwei Fällen: Bei beiden Patienten war das Ergebnis sehr gut, sagt der Kardiologe. Aber auch bei Herzschrittmachern ist es wie mit allen elektronischen Neuheiten: Mit etwas Geduld und noch mehr Forschung dürften irgendwann auch die Preise fallen.

Dieses Thema im Programm: MDR Aktuell Radio | 24. Juli 2018 | 08:34 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. Juli 2018, 18:01 Uhr