Rechner aufräumen Trau dich zu löschen: KI soll Desktop-Messies helfen

Wie sieht Ihr Computer-Desktop aus? Egal, ob es die letzten zehn Versionen für eine Präsentation sind oder die unsortierten Urlaubsfotos von 2017, 2018 und 2019: Viele Menschen sind regelrechte "Desktop-Messies" - sie löschen einfach gar nichts. Das ist nicht nur schlecht für die Psyche, sondern auch für die Energiebilanz und den Geldbeutel. Die Universität Bamberg entwickelt ein Assistenz-System, das uns mit künstlicher Intelligenz beim Aufräumen unterstützen soll.

von Kristin Kielon

Blick auf einen Computerbilderschirm 3 min
Bildrechte: MDR/Gerald Perschke

Wer ständig neue Sachen kauft, hat irgendwann einen sehr vollen Kleiderschrank - und muss aussortieren, sich von alten Teilen trennen. Kein Wunder, materielle Dinge brauchen Platz. Bei Daten sieht das ganz anders aus: Riesige Mengen E-Mails, Fotos und Dokumente lagern auf unseren digitalen Geräten oder in der Cloud. Mal richtig ausmisten? Das macht hier kaum jemand. Studien zeigen, dass bis zu 20.000 unsortierte Mails im Postfach völlig normal sind. Und generell sei es ja auch kein Problem Dinge, die einem wichtig sind, aufzuheben, sagt Informatik-Professorin Ute Schmid von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg:

Prof. Dr. Ute Schmid
Bildrechte: Jürgen Schabel/Universität Bamberg

Das Problem im Digitalen ist, dass wir viel mehr Varianten und Versionen von Dingen haben. Statt drei tolle Erinnerungsfotos, die man früher mit der Analogkamera gemacht hat, haben wir vielleicht 200 Fotos von der Geburtstagsfeier. Wir ersticken in der puren Masse, die wir kognitiv nicht mehr bewältigen.

Prof. Dr. Ute Schmid - Universität Bamberg

Digitales Horten

Im Extremfall sprechen Psychologen analog zum Messie-Syndrom auch von "Digitalem Horten". Dateien zu löschen macht Menschen mit dieser Zwangsstörung regelrecht Angst. Doch viele Menschen sind schlicht und einfach nur digitale Chaoten. Denen wollen Schmid und ihr Team mit der Software "Dare2Del" unter die Arme greifen. Die künstliche Intelligenz schlägt beim Schließen eines Programms fünf Dateien vor, die der Nutzer löschen könnte, erklärt die Informatikerin:

Wir forschen an einem Assistenten, der interaktiv lernen kann. Im Kontext eines bestimmten Unternehmens würde dieser Assistent Löschvorschläge unterbreiten und der Mensch hat das letzte Wort. Der kann sich die Vorschläge anschauen und entscheiden: Die Datei 'Finalversion5' brauche ich wirklich nicht mehr - ja, löschen.

Dr. Ute Schmid - Universität Bamberg

Das letzte Wort hat der Mensch

Der Nutzer behält also die Hoheit darüber, was genau wann gelöscht wird. Nichts verschwindet heimlich, alles bleibe transparent und nachvollziehbar. Auch weil die Künstliche Intelligenz sich erklärt und lernt, was wir Menschen gern behalten möchten:

Oder er sagt: 'Moment mal, warum schlägst du mir die Datei Geburtstag Onkel Franz zum Löschen vor?' Unser System 'Dare2Del' würde tatsächlich eine für Menschen nachvollziehbare, natürlich-sprachige Erklärung liefern und der Mensch kann in der Erklärung Korrekturen anfügen und zum Beispiel sagen: Immer, wenn ich Fotos habe mit der Endung jpeg und die sind in einem Unterordner 'Geburtstag', dann sollst du die nie löschen.

Prof. Dr. Ute Schmid - Universität Bamberg

Eine Firma dagegen könnte bestimmen, dass Daten nach einer bestimmten Zeit automatisch gelöscht würden. Das spart nicht nur Platz, sondern gleichzeitig sogar noch Geld und Energie. Weniger Daten bedeuten weniger Stromverbrauch und weniger Kosten für Speicherkapazitäten, auf denen sie unnötig Platz kosten. Ein Unternehmen hat für die Bamberger Forscher ausprobiert, wie viel das ausmacht: Indem die Mitarbeiter einfach nur per Hand Daten gelöscht hätten, sei ein relativ hoher sechsstelliger Betrag eingespart worden.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 13. Januar 2020 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 11:23 Uhr

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