Technologie aus Sachsen Back to Trabi: Die Leichtbau-Autos der Zukunft

Können leichtere Autos einen Beitrag leisten zum Klimaschutz und damit zur Mobilität der Zukunft? 150 Experten haben sich darüber bei einer Karosserie-Tagung in Chemnitz Gedanken gemacht.

Das elektrisch betriebene Leichtbaufahrzeug KULAN besteht aus schlanken, weißen Karosserieteilen und schwarzen Reifen. Der Fahrer sitzt erhöht wie bei einem Traktor.
Bildrechte: Jürgen Jeibmann/Fraunhofer IWU

Schmal und schnittig sieht er aus, der KULAN. Die Initiative Polylab.net hat das schwarz-weiße Leichtbaufahrzeug entwickelt, koordiniert wurde das Projekt vom Fraunhofer-Institut für Werkzeugmaschinen und Umformtechnik IWU in Chemnitz. Es soll ein "leichter Lastesel für die Landwirtschaft" sein. Das Besondere ist der Aluminiumschaumkern, durch den es sehr leicht, belastbar und feuerfest ist. Das ist die Zukunft, sagt Institutsleiter Professor Matthias Putz. Er ist überzeugt, dass die sogenannten Leichtbau-Materialien wie Karbon, Titan oder Aluminium unsere künftigen Fahrzeuge revolutionieren.

Wenn wir über die Mobilität der Zukunft sprechen, gibt es keine Alternative zum Leichtbau. Der Vorteil für den Käufer liegt darin, dass mit Leichtbau immer neuere Strukturkonzepte umgesetzt werden (...) aber ich glaube auch, die Schönheit und die Funktionalität der Autos wird sich durch Leichtbau verändern.

Professor Matthias Putz, Fraunhofer IWU

Leichter bauen - was beim Trabi eine Folge des Mangels war, ist heute eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit. Egal ob Privatauto oder Traktor auf dem Feld, ein Problem der heutigen Fahrzeuge ist das Gewicht. Je mehr ein Fahrzeug wiegt, desto höher ist sein Treibstoffverbrauch. Bei Elektroautos hängt davon auch die Reichweite der Batterie ab. Die Lösung wäre ein leichteres Auto. Aber bisher galten Leichtbau-Materialien wie Titan als zu teuer. Der Einsatz von etwas kostenintensiveren Materialien könnte sich aber lohnen, sagt Professor Lothar Kroll, Leichtbau-Experte von der TU Chemnitz.

Die neuen Verfahren jetzt gerade im 3D-Druck, die erlauben, komplexe Bauteile herzustellen, was mit klassischen Verfahren derzeit noch nicht möglich war. Auch wenn die noch teuer sind, sie bringen bezüglich der Komplexität einen Gewichtsvorteil. Das ist dann die Frage des Automobilisten, ob man die Kosten in Kauf nimmt. Das ist abhängig davon, ob es bei Daimler in einem Nischenfahrzeug zum Einsatz kommt oder ob das bei Volkswagen in den Golf oder den Passat reinkommen soll.

Professor Lothar Kroll, TU Chemnitz

Bereits jetzt werden Leichtbau-Materialien im Fahrzeugbau eingesetzt – jedoch meistens bei kleinen Serien wie dem Bugatti Veyron mit einer Stückzahl von 400. Dort wurden sehr viele komplexe Bauteile aus Karbon verwendet. Was dann tatsächlich spürbare Vorteile bringen könne, sei der Einsatz bei der Produktion in Großserie, wie beim BMW i3, der in Leipzig gefertigt wird und dessen gesamte Karosserie aus Karbonfasern besteht. Das sei aber nur ein Beispiel, sagt Professor Kroll.

Wir haben eine Durchlade für die Rücksitzlehne für den Q5 entwickelt und dabei das Gewicht gegenüber Stahl um 58 Prozent, gleichzeitig die Produktionskosten um 30 Prozent reduziert. Die Technologie ist zwar beim Q5 letztlich nicht zum Einsatz gekommen, dafür aber beim neuen SUV von Jaguar, F-PACE. Dort ist die Technologie aus Chemnitz mit drin. Wenn man das auf die gefertigte Stückzahl umrechnet, hat man einen echten Vorteil bei CO2-Reduktionen und letztendlich beim Klimaschutz.

Professor Lothar Kroll, TU Chemnitz

Und darum geht es ja, um Umweltschutz und für die Automobilhersteller darum, die gesetzlichen Auflagen zu erfüllen. Bei der Überlegung, ob Leichtbau dabei helfen kann, sind aber noch einige Fragen offen – zum Beispiel, ob und wie die Materialien wie Karbon überhaupt recycelt werden können. Trotzdem sagen die Chemnitzer: Wenn wir die CO2-Ziele erreichen wollen, führt an Autos mit Leichtbau-Materialien kein Weg vorbei.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio| 16.11.2017 | 09:50 Uhr