Mobiler Hirnscanner Leipziger Firma entwickelt Ultraschall für den Kopf

02. Mai 2019, 16:52 Uhr

Ultraschall-Diagnostik – das verbinden wir meist mit den ersten verschwommenen Bildern des eigenen Babys. Eine Firma aus Leipzig will Patienten nun aber per Ultraschall in den Kopf schauen. Ein Stirnband mit Sensoren soll genügen, um künftig Schlaganfälle oder Sepsis schneller zu erkennen.

Der Leipziger Konrad Sell demonstriert das Ultraschall-Stirnband mithilfe eines Kopf-Modells: Sensoren an den Schläfen links und rechts, ein Kabel führt zu einem tragbaren Bildschirm groß wie ein Küchenradio. Sell arbeitet als Marketing-Chef bei Sonovum. Die Leipziger haben eine Art Hirnscanner entwickelt, der schnell und unkompliziert Diagnosen liefern soll. Etwa bei der so genannten septischen Enzephalopathie, oft Vorbote einer Blutvergitung.

Traditionell diagnostiziert man eine septische Enzephalopathie anhand einer Reihe von Werten, die beispielsweise dem Blut entnommen werden. Das Problem an dieser Diagnistik ist aber, dass sie nachgelagert ist. Das heißt, dass man die Ergebnisse nicht sofort sieht, sondern zunächst Blut abnehmen und analysieren muss.

Konrad Sell, Sonovum

Das Stirnband liefert die Diagnose nach nur drei Minuten - also in Echtzeit. Bei einer drohenden Sepsis, an der laut fallpauschalenbezogener Krankenhausstatistik jährlich immerhin 70.000 Menschen in Deutschland sterben, ein wichtiger Zeitvorteil. Eine erste Pilotstudie dazu an 20 Patienten der Universität Rostock verlief erfolgreich, sagt Sell. "Die Technologie ist nach den Daten der Studie durchaus in der Lage, eine septische Enzephalopathie zu diagnostizieren." Deshalb sei das Unternehmen zuversichtlich, dass nun eine größere Validierungsstudie duchgeführt werden könne. Bislang werden die Hirnscanner nur in Kliniken eingesetzt, die an den Studien beteiligt sind. Erst wenn sie belegen, dass mit dem Verfahren sichere Diagnosen möglich sind, kommt das Stirnband auf den Markt.

Auf die bislang noch dünne Studienlage verweist auch Klaus-Vitold Jenderka, Spezialist für Ultraschall an der Hochschule Merseburg. Dennoch sieht er großes Potential in dem Stirnband, das Ultraschall, also besonders hochfrequente Töne, nutzt.

Die Echos im menschlichen Körper entstehen im Prinzip nach dem gleichen Verfahren wie sie auch im Raum oder im Gebirge entstehen. Man hat Materialien mit unterschiedlichen Eigenschaften: Also zum Beispiel Luft mit geringer Dichte und geringer Schallgeschwindigkeit trifft auf eine Steinwand mit hoher Dichte und hoher Schallgeschwindigkeit.

Prof. Klaus-Vitold Jenderka, Hochschule Merseburg

Schritt für Schritt wollen die 25 Mitarbeiter von Sonovum ihren Hirnscanner auch zur Diagnose anderer Krankheiten nutzen: zum Beispiel von Schlaganfällen oder Gehirnerschütterungen. Sell rechnet damit, dass der Hirnscanner schon bald in Intensivstationen, im OP oder im Aufwachraum eingesetzt werden könnte.

Perspektivisch sollen auch Notfallsanitäter im Rettungsdienst die Technologie nutzen können. So könnte beispielsweise direkt am Unfallort ein Schlaganfall diagnostiziert werden.

Konrad Sell, Sonovum

Dazu muss der Hirnscanner aber noch mächtig schrumpfen. Aber wenn die technische Entwicklung so rasant verläuft wie in den letzten Jahren, meint Sell,  passt bald die ganze Diagnose-Technik in das Stirnband.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 19. April 2018 | 09:52 Uhr