Uni Magdeburg schickt zwei Experimente zur ISS

Wie verhalten sich menschliche Zellen in der Schwerelosigkeit? Diese Frage sollen zwei Experimente der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg beantworten. Sie wurden vergangene Woche mit einer Falcon 9-Rakete vom Kennedy Space Center zur Internationalen Raumstation ISS geschickt.

Start Falcon 9 Rakete vom Kennegdy Space Center
Bildrechte: NASA

Es gehört zu den glühendsten Träumen der Menschen, in die unendlichen Weiten des Weltalls vorzudringen und andere Planeten zu besiedeln. Der Mars ist dabei schon ein greifbare Nähe gerückt.

Aber wie wird sich der menschliche Körper an die neue Umgebungen anpassen? Wie verhalten sich Zellen in der Schwerelosigkeit und wie kann verhindert werden, dass Immun- und Knochensystem bei längeren Aufenthalten im Weltraum gestört werden? Die Antwort auf diese Fragen, die grundlegend für die Zukunft der bemannten Raumfahrt ist, sollen nun auf der Internationale Raumstation ISS beantwortet werden.

Von Magdeburg in den Weltraum

Vergangene Woche war eine Falcon-9-Rakte zur Internationalen Raumstation ISS gestartet. Mit an Bord - zwei Experimente der Otto-von-Guericke-Universität (OVGU) Magdeburg, die Aufschlüsse über die medizischen Herausforderungen von Langzeitmissionen im Weltraum geben sollen. Entwickelt wurden sie von der Magdeburger Arbeitsgemeinschaft für Forschung unter Raumfahrt- und Schwerelosigkeitsbedingungen (AG "MARS").

Bisherige Studien unserer Arbeitsgruppe haben gezeigt, dass menschliche Zellen ein enormes und auch schnelles Anpassungspotenzial an Schwerkraftänderungen besitzen. Wie diese Anpassung aber erklärbar ist, ist bisher völlig unbekannt. Das soll mittels der beiden Experimente aufgeklärt werden, die während Alexander Gersts Mission 'Horizons - Wissen für Morgen' durchgeführt werden.

Prof. Dr. Dr. Oliver Ullrich, Professor für Weltraumbiotechnologie

Im ersten Experiment namens "Gene Control Prime" soll der Zusammenhang zwischen der Schwerkraft und der Regulation der Genfunktion untersucht werden.

Dabei soll im Zellkern deutlich gemacht werden, welche Moleküle unter veränderter Schwerkraft welche Gene an- oder abschalten.

Das Team will verstehen, wie menschliche Zellen Schwerkraft wahrnehmen und wie sie sich an die Schwerelosigkeit anpassen.

Auf der Erde ist es nicht möglich Aussagen daüber zu treffen. Die ISS bietet perfekte Bedingungen, um herauszufinden, wie die grundlegenden Mechanismen in den Zellen funktionieren.

Sollte der Mensch andere Planeten besiedeln, käme der Mars am ehesten in Frage. Deshalb untersucht das Experiment auch erstmals die Anpassung der menschlichen Zelle an die Schwerkraft des Mars. Dabei können wichtige Daten für bemannte Erkundungsmissionen zum Mars gewonnen werden.

Bessere Risikovorhersagen machen

Beim zweiten Experiment namens "FLUMIAS" können die Struktur und molekularen Prozesse menschlicher Zellen direkt beobachtet werden. Möglich ist das durch ein hochauflösendes Laser-Floureszenzmikroskop.

Damit werden räumlich-zeitliche Einblicke in die Zellveränderungen unter fehlender Schwerkraft möglich, eine Revolution im Vergleich zu den bisher durchgeführten Messungen nur des Endzustandes.

Prof. Dr. Dr. Oliver Ullrich, OVGU Magdeburg

Beobachtet werden bei diesem Experiment menschliche Fresszellen, die im Körper abgestorbenen Zellen oder schädlichen Bakterien beseitigen. Die beiden Experiment sollen Aufschluss über die komplexen Steuerungsprozesse geben, die in Zellen stattfinden. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erhoffen sich so auch in Zukunft bessere Risikovorhersagen für die bemannte Raumfahrt machen zu können.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 08. Juni 2018 | 16:45 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 02. Juli 2018, 13:56 Uhr