Meteosat Vor 40 Jahren begann Europas neues Wetterzeitalter

Eine Wettervorhersage mit dem Blick aus dem Weltraum im Fernsehen oder im Internet ist für uns mittlerweile so selbstverständlich wie eine Google-Suche. An die ziehenden Wolkenfelder in Naturfarben und das Regenradar haben wir uns gewöhnt. Vor 40 Jahren als der erste europäische Wettersatellit in eine feststehende Position in der Erdumlaufbahn gebracht wurde, war das in Europa eine Sensation.

von Karsten Möbius

Meteosat, the first-generation satellite
Ein kombiniertes Bild aus Aufnahmen von Meteosat 3 und 4. Bildrechte: ESA

Für die Meteorologen war es ein Quantensprung. Und für Europa war es wichtig, endlich Anschlus an die USA, Japan und die Sowjetunion zu bekommen. Plötzlich gab es aus dem All alle 30 Minuten ein Bild: eine schwarz/weiß Aufnahme, die zeigte wo Wolken die Landoberfläche bedecken, inkl. Temperaturen z.B. der Meeresoberfläche und Informationen über die Luftfeuchtigkeit. Statt nur eine Großwetterlage zu erkennen, waren plötzlich viel kurzfristigere Wettervorhersagen möglich erklärt Meteorologe Jörg Asmus vom Deutschen Wetterdienst den Vorteil:

Am 9.12.1977 sendete Meteosat 1 sein erstes Bild.
Das erste Bild, das Meteosat zur Erde sendete. Bildrechte: Eumetsat

Er bekommt 30 Minuten später ein Satellitenbild, eine Stunde später noch eins. Man kann also verfolgen, was passiert zum Beispiel mit meinem Gewitter. Das ist der Unterschied.

Jörg Asmus, Meteorologe, DWD

Dass da Ende der 1970er-Jahre irgendwas im All das Wetter beobachtete, das bekam auch jeder Fernsehzuschauer mit. Denn plötzlich tauchten animierte Fotoaufnahmen aus dem Orbit im Wetterbericht auf, erinnert sich Jörg Asmus.

Damals gab es noch keine Möglichkeit die Daten zu übertragen zum HR, der den Wetterbericht für die ARD Tagesschau macht. Da kam dann mittags ein Motorradkurier an und hat dann diesen Film zum Hessischen Rundfunk gebracht und dort ist er dann in den Trickfilm für das Tagesschau-Wetter eingebaut worden.

Jörg Asmus
Bild der Erde
Eine Meteosat Infrarotaufnahme der Erde. Bildrechte: ESA / P. Carril

Heute blicken wir im Wetterbericht auf Deutschland, als ob wir selbst aus dem All nach unten schauen würden - in Farbe und in Bildsequenzen, die fünf bis zehn Minuten auseinanderliegen. Das macht die zweite Generation dieser Satelliten im Orbit möglich. Damit ist die Kurzfrist-Wettervorhersage noch exakter. Naturkatastrophen wie das Elbehochwasser 2002 wären heute eher vorauszusagen. Auch die großen Zusammenhänge wie Klimaveränderungen, Eisschmelze und die Erhöhung des Meeresspiegels um teilweise einen Zentimeter pro Jahr sind besser messbar als früher:

Man hat die Pegel handgemessen oder das Eis – es mussten Schiffe hinfahren, um zu sehen, wie weit geht das denn. Und erst mit der Satellitentechnik war es möglich, das präzise und auch objektiv zu messen.

Jörg Asmus

Auf drei bis sieben Jahre ist die Lebenszeit eines Wettersatelliten ausgelegt. Limitierender Faktor ist der Treibstoff, der dazu gebraucht wird, um den Satelliten immer auf der gleichen Position zu halten. Der letzte Rest Treibstoff wird dazu benutzt, um den Satelliten in den sogenannten Friedhofsorbit in 300 Kilometer Höhe zu schießen, wo er die anderen Satelliten nicht mehr stört. Meteorologe Jörg Asmus kündigt für 2021 schon die dritte Meteosat-Generation an.

Die dritte Generation soll alle 2-einhalb Minuten aktuelle Bilder und ein viel breiteres Spektrum an Wetterdaten liefern. Die Feuchtigkeitsverteilung in der Atmosphäre soll instabile Wetterlagen noch deutlicher machen. Blitze werden künftig auch aus dem All registriert.

Ein MetOp Satellit der 2. Generation
MetOp - zusätzliche Satelitten sind über den Polkappen stationiert. Bildrechte: ESA/Eumetsat

Etwa drei Mrd. Euro kostet eine Satellitengeneration von der Planung bis zur Umsetzung über einen Zeitraum von 20 Jahren - inklusive der Satelliten selbst und der Starts. Den vorbeugenden Nutzen, den die Satelliten durch bessere Wettervorhersagen bringen, schätzt die EU hochgerechnet auf den gleichen Zeitraum auf 100 Mrd. Euro.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 23. November 2017 | 08:52 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 23. November 2017, 14:37 Uhr