Raumfahrt Asteroiden-Abwehr: Raumsonde DART erfolgreich gestartet

Die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA hat ihre erste Mission zur Asteroiden-Abwehr erfolgreich gestartet. Im September 2022 soll die Sonde auf dem Asteroiden Dimorphos einschlagen und damit seine Umlaufbahn verändern.

Hera-Mission der ESA zum binären Asteroidensystem Didymos
Eine künstlerische Darstellung der DART-Mission der NASA, die zur Asteroiden-Abwehr auf dem binären Asteroidensystem Didymos einschlagen soll. Hier ist das Hera-System der ESA zu sehen. Der Satellit (links) und seine zwei kleinen Begleiter (Cubesats), die den Einschlagskrater nach der erfolgreichen DART-Mission auf dem kleineren der beiden Asteroiden untersuchen sollen. Bildrechte: ESA - ScienceOffice.org

Am frühen Morgen des 24. Novembers um 7.22 Uhr (MEZ) ist die Raumsonde DART erfolgreich gestartet. Sie befindet sich nun auf dem Weg zum Doppel-Asteroiden-System Didymos, wo sie einschlagen soll, um einen der beiden Asteroiden umzulenken. Damit wird es die erste Mission der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA sein, die zur aktiven Abwehr von Asteroiden und anderen gefährlichen Himmelskörpern entsandt wurde.

Am 20. September 2022 soll die Raumsonde das Doppel-Asteroiden-System erreichen. Den größeren der beiden Asteroiden hatte man bereits 1996 entdeckt. Sein Name lautet Didymos, genau wie das ganze System. Es handelt sich um einen circa 780 Meter großen Asteroiden mit einem kleinen Mond, den man erst 2003 entdeckt hatte. Dimorphos misst ungefähr 160 Meter im Durchmesser und umkreist seinen Wirt in einer Entfernung von rund 1.100 Metern. Die Raumsonde DART soll auf dem Mond des Doppel-Systems einschlagen und damit seine Umlaufbahn stören. Didymos steht im Griechischen für Zwilling, wogegen Dimorphos für "zwei Formen" (ebenfalls griech.) steht.

Vierzehn aufeinanderfolgende Arecibo-Radarbilder des erdnahen Asteroiden (65803) Didymos und seines kleinen Mondes, aufgenommen am 23., 24. und 26. November 2003. Die photometrischen Lichtkurvendaten deuten darauf hin, dass Didymos ein Doppelsternsystem ist, und die Radaraufnahmen zeigen deutlich den zweiten Körper. Die Bilder sind schwarz-weiß und sehr pixelig.
Vierzehn aufeinanderfolgende Arecibo-Radarbilder des erdnahen Asteroiden (65803) Didymos und seines kleinen Mondes, aufgenommen am 23., 24. und 26. November 2003. Die photometrischen Lichtkurvendaten deuten darauf hin, dass Didymos ein Doppelsystem ist, und die Radaraufnahmen zeigen deutlich den zweiten Körper. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

Wie wahrscheinlich ist ein Asteroideneinschlag auf der Erde?

"Didymos stellt derzeit keine Bedrohung für die Erde dar, und die DART-Demonstration wurde sorgfältig konzipiert, um sicherzustellen, dass von ihm keine Gefahr ausgeht", erklärte der Missionsleiter Clayton Kachele von der NASA in einer Mitteilung der Raumfahrtbehörde. Bei DART handelt es sich um eine Technologiedemonstration, um herauszufinden, wie gut die Ablenkungsfähigkeit eines Asteroiden sei, wenn man in Zukunft auf "eine potenzielle Bedrohung durch einen Asteroideneinschlag" reagieren muss, führte Kachele fort.

In den nächsten 100 Jahren wird es keinen Asteroiden geben, der uns auf der Erde gefährlich werden wird. Ein solcher Asteroid oder Komet müsste über 150 Meter groß sein und sich maximal 7,5 Millionen Kilometer entfernt befinden, so die Astronomin Carolin Liefke von Haus der Astronomie in Heidelberg. Von denen gibt es aber nur wenige.

Je größer, desto seltener sind die Asteroiden. Ein Asteroid wie der, der die Dinosaurier ausgelöscht hat, trifft die Erde durchschnittlich einmal in 100 Millionen Jahren. Dagegen kommen Treffer von Objekten mit einer ursprünglichen Größe von ein bis zwei Metern jedes Jahr vor.

Carolin Liefke, Haus der Astronomie

Derselben Meinung sind auch die Astronomen der NASA. Spannend wird es dagegen laut Liefke, wenn diese der Erde um die 30.000 bis 50.000 Kilometer nahekommen. Nicht, weil sie dann zwangsläufig auf die Erde zurasen: "Diese erdnahen Himmelskörper kommen nahe an die Umlaufbahnen von geostationären Satelliten" und könnten diese damit zerstören. Eine Katastrophe, wenn man bedenkt, dass unsere digitale Kommunikation und moderne Navigation auf Daten aus dem All basieren.

Eine grafische Darstellung der Umlaufbahn vom Doppel-Asteroiden-System Didymos. Es zeigt ganz viele türkise Linien. Hinzu kommen weiße Linien mit und Punkte, die die Umlaufbahnen der inneren Planeten darstellen. In der Mitte befindet sich ein gelber Punkt, der die Sonne darstellt.
Eine grafische Darstellung der Umlaufbahn vom Doppel-Asteroiden-System Didymos. Bildrechte: NASA/JPL-Caltech

Einschlag als Demonstrationstest

Wenn die Raumsonde DART an dem binären Asteroiden-System angekommen ist, soll die Sonde mit einem der "Asteroiden kollidieren, um dessen Umlaufzeit zu verändern", so Kachele. Dann wird DART auf den kleineren Mond Dimorphos zielen und mit 24.000 Kilometern pro Stunde auf Dimorphos einschlagen.

"Der Vorbeiflug von Didymos an der Erde im Herbst 2022 ermöglicht es den Astronomen, den Einschlag und seine Folgen mit boden- und weltraumgestützten Teleskopen zu beobachten." Währenddessen wird sich das Asteroiden-System in einem Abstand von elf Millionen Kilometern von der Erde entfernt befinden.

Kurz vor dem Einschlag wird die Raumsonde Hera sich von der DART-Raumsonde trennen. Sie wurde von der europäischen Raumfahrtbehörde ESA entwickelt und soll den Einschlagskrater auf Dimorphos genauer untersuchen.

Infografik zum Einschlag der Raumsonde DART auf dem Asteroidenmond Dimorphos. Dimorphos umkreist den größeren Asteroiden Didymos in der rechten Bildhälfte. Die Raumsone DART fliegt von links auf den kleineren Asteroiden zu. Am Asteroiden erkennt man das angedeutete Einschlagziel. Im unteren linken Bildrand befindet sich die Erde und eine lupenförmige Vergrößerung von einem Teleskop auf der Erde.
Infografik zum Einschlag der Raumsonde DART auf dem Asteroidenmond Dimorphos. Bildrechte: Johns Hopkins Applied Physics Laboratory

Den Start der Mission nachträglich mitverfolgen

DART steht für Double Asteroid Redirection Test (engl. Doppelter Asteroiden-Umlenkungstest) und wurde mit einer Falcon 9 Trägerrakete des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX in den Weltraum befördert. Den Launch erfolgte von der Air Force Basis Vandenberg an der kalifornischen Westküste der USA. Den erfolgreichen Start finden Sie im nachfolgenden Video.