Nur sechs Lichtjahre entfernt Astronomen entdecken neue Supererde

Astronomen haben in der Nachbarschaft unseres Sonnensystems einen neuen Exoplaneten entdeckt. Die Supererde hat mehr als die dreifache Masse unserer Erde. Sie umkreist Barnards Stern, einen "Roten Zwerg", der nur sechs Lichtjahre von uns entfernt liegt.

Oberfläche einer Supererde, die Barnards Stern umkreist.
Künstlerische Darstellung der Oberfläche der Supererde, die Barnards Stern umkreist. Bildrechte: ESO/M. Kornmesser

Astronomen haben im Umfeld des unserer Sonne am nächsten gelegenen Einzelsterns "Barnards Stern" einen neuen Exoplaneten (Exo für außerhalb unseres Sonnensystems) entdeckt.

Wie die Europäische Südsternwarte (European Southern Observatory, ESO) mitteilte, hat der jetzt entdeckte terrestrische Planet, der auf den Namen Barnard's Star b getauft wurde, eine Masse, die mindestens dem 3,2-fachen der Erdmasse entspricht. Er ist damit das, was die Astronomen eine Supererde nennen.

Schattige, kalte Welt

Computeranimation 1 min
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Astronomen haben in unserer Nachbarschaft einen neuen Exoplaneten entdeckt. Die Supererde umkreist Barnards Stern, der nur sechs Lichtjahre von uns entfernt liegt.

Mi 14.11.2018 16:47Uhr 00:43 min

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Den gesammelten Daten zufolge umkreist Barnard's Star b seinen Mutterstern in etwa 233 Tagen einmal. Obwohl die Entfernung des neu entdeckten Exoplaneten zu seiner "Sonne" nur dem 0,4-fachen der Entfernung der Erde zur Sonne entspricht, wird er nur schwach beleuchtet. Die Astronomen haben ausgerechnet, dass Barnard's Star b nur etwa zwei Prozent der Energie erhält, mit der die Sonne unsere Erde versorgt. Der Grund liegt darin, dass Barnards Stern ein sogenannter "Roter Zwerg" ist, also ein kühler, massenarmer und damit energiearmer Stern. Die von ihm beschienene Supererde ist deshalb eine schattige, kalte Welt, in der vermutlich Temperaturen von minus 170 Grad Celsius herrschen. Leben, wie wir es kennen, ist dort nicht möglich.

Nur sechs Lichtjahre entfernt

Weitwinkelbild des Himmels um Barnards Stern.
Weitwinkelbild des Himmels um Barnards Stern. Bildrechte: ESO/Digitized Sky Survey 2 Acknowledgement: Davide De Martin

Der nach dem US-Astronomen Edward Emerson Barnard (1857-1923) benannte Stern - auch bekannt als Barnards Pfeilstern - ist der sich am schnellsten bewegende Stern am Nachthimmel. Er liegt übrigens NUR 6 Lichtjahre von uns entfernt, was in astronomischen Dimensionen relativ nah ist. Aus einem Besuch seines Planetensystems dürfte allerdings so schnell nichts werden. Sechs Lichtjahre entsprechen immerhin 57.000 Billionen Kilometern. Zum Vergleich: Die mittlere Entfernung zwischen Erde und Mond, also die weiteste Entfernung, die Menschen im All bislang zurückgelegt haben, beträgt lediglich 1,28 Lichtsekunden.

Daten von HARPS und anderen Teleskopen

Der neue Exoplanet Barnard's Star b wurde mit Hilfe eines der bislang größten astronomischen Beobachtungsprogramme, der Projekte Red Dots und CARMENES, entdeckt. Dabei wurden Daten aus einer weltumspannenden Reihe von Teleskopen, darunter des ESO-Planetenjägers HARPS, ausgewertet. Mit ihrer Hilfe war es Astronomen 2016 bereits gelungen, jenen Exoplaneten zu entdecken, welcher den zur Sonne am nächsten gelegenen Stern Proxima Centauri umkreist.

Wackelnder Stern enttarnt Planet

Barnards Stern im Sternbild Ophiuchus
Barnards Stern im Sternbild Ophiuchus. Bildrechte: ESO, IAU and Sky & Telescope

Die Entdeckung von Exoplanet Barnard's Star b wurde übrigens nur durch die Bewegung seines Heimatsternes möglich. Weil der massearme Barnards Stern durch die Gravitationskraft der ihn umkreisenden Supererde zum Wackeln gebracht wird, verändern sich die Farben seines Sternenlichtes entsprechend, wenn er von uns weg oder zu uns hinschwingt (Doppler-Effekt). Astronomen sind in der Lage, mithilfe dieses Effekts die durch umlaufende Exoplaneten sich verändernden Geschwindigkeiten eines Sterns zu messen. Und das mit erstaunlicher Genauigkeit: Der ESO-Planetenjäger HARPS ist beispielsweise in der Lage, Veränderungen der Sternengeschwindigkeit von nur 3,5 Kilometern in der Stunde zu erkennen. Das entspricht gerade einmal der mittleren Schrittgeschwindigkeit eines Menschen.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL Radio | 20. September 2018 | 06:30 Uhr