Luftfahrt 50 Jahre Concorde: Wieder Sehnsucht nach Überschall

Genau 50 Jahre ist der Jungfernflug der Concorde heute her. Am 29. März 1969 startete die Maschine in Toulouse zu ihrem 29-minütigen Flug. Doch für die einstige Zukunft der Luftfahrt war kurz nach einem schweren Absturz im Jahr 2000 Schluss. Jetzt aber gibt es neue Ideen für Überschall-Passagierflieger.

Ein Flugzeug fliegt bei Sonnenuntergang über den Wolken.
Bildrechte: Boom

Überschallflug, das klang nach "Willkommen in der Zukunft", damals, vor fünfzig Jahren. Und heute – klingt es immer noch nach Zukunft. 27 Jahre dauerte die Ära der Concorde-Flugzeuge im Linienbetrieb. Und die ist mittlerweile schon wieder seit fast 16 Jahren vorbei. Der Flug von London nach New York dauert seitdem wieder acht Stunden. Also nix mit Aufstehen, anziehen und ab zum Frühstück in Übersee. In Zeiten lauter werdender Kritik an der Luftfahrt – und vor dem Hintergrund, dass die Concorde als besonders umweltbelastend galt – wäre ein solches Unterfangen wohl auch nicht mehr zu rechtfertigen.

Zwischenstopp auf dem Flughafen Leipzig-Halle

Mit knapp 2.200 km/h Höchstgeschwindigkeit war die Möglichkeit, auf einen Bagel mit Filterkaffee in New York vorbei zu schauen, aber durchaus drin. In drei Stunden über den Atlantik dank Überschallflug. Die Concorde revolutionierte den Flugverkehr. Am 22. November 1977 starteten die ersten Linienflüge von Paris nach New York. Auch in Leipzig landete die Concorde ab 1986 zu Messezeiten insgesamt sieben Mal. Doch dann, nach über zwanzig Jahren ohne größere Vorkommnisse, passierte die Katastrophe. Eine Concorde stürzt kurz nach dem Start ab.

Es ist der 25. Juli 2000. Beim Start zerfetzt ein auf der Bahn liegendes Metallteil einen Reifen der Concorde. Die Gummiteile durchtrennen ein Stromkabel und verursachen ein Leck im Tank. Das Flugzeug gerät in Brand und lässt sich nicht mehr steuern, die Concorde kracht in ein Hotelgebäude. Über 100 deutsche Karibik-Urlauber sterben.

Es war der Anfang vom Ende der Concorde. 2003 wurde der Verkehr komplett eingestellt. Das Sicherheitsproblem konnte nicht ganz gelöst werden, Passagiere blieben aus, die Betriebskosten waren zu hoch. Und auch heute noch schätzt die Bundesluftfahrtbehörde der USA den Flugverkehr mit der Concorde so ein. Von hohen Kosten auf Grund von Umweltrestriktionen beim Überschallknall und ineffizientem Treibstoffverbrauch ist dort die Rede.

Macht es bald wieder "Boom"?

Ein Flugzeug von der Unterseite.
Overture - damit will die Firma Boom im Überschallsegment antreten. Bildrechte: Boom

Doch die Sehnsucht nach der rasanten Fortbewegungsmöglichkeit ist zu groß, als dass man ihr nicht nachgeben könnte. "Boom", ein Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Colorado, baut seit einigen Jahren ihr Overture-Flugzeug. Möglicherweise ist das Modell die Overtüre für ein neues Ultraschallzeitalter. 2017 war sich Firmengründer Blake Scholl da zumindest sicher:

Wir haben heute viel bessere Möglichkeiten, die Aerodynamik zu optimieren, wir haben neue Materialien wie Carbon- Fasern und wir bauen komplett andere Triebwerke. Sie brauchen weniger Treibstoff und sind leiser.

Blake Scholl, Boom Technology

Laut Scholl hieße das: 75 Prozent geringere Betriebskosten. Erste Kommerzielle Flüge sind für das Jahr 2023 geplant. Und die sollen deutlich günstiger sein: Ein Flug solle etwa so viel wie die Business-Class kosten. Weniger Verbrauch, weniger Emission – klingt erstmal gut. Wie viel die Luftfahrtgesellschaften sich den Überschall am Ende wirklich kosten lassen, weiß derzeit natürlich niemand. Denn mit gerade mal 55 Sitzplätzen klingt das Reisen mit diesem Flugzeug immer noch eher nach Privileg als nach Überschall für alle. Das Unternehmen verspricht mit seiner Technik eine Höchstgeschwindigkeit von 2,2 Mach, also dem Zweifachen der Schallgeschwindigkeit. Anders gesagt: 2.716,56 km/h.

NASA will es ohne "Boom" schaffen

Auch die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA arbeitet gerade an einem Überschallflugzeug. Bei der Bekanntgabe des Projekts im Jahr 2016 betonte Administrator Charles Bolden vor allem eine Besonderheit: Das NASA-Flugzeug soll sogar ohne großen Überschallknall auskommen.

Das Design ist für ein Test-Flugzeug, das mit Überschall-Geschwindigkeit fliegen kann, aber einen Knall erzeugt, der sich eher wie leichter Schlag anhört, anstelle des nervigen Boom.

Charles Bolden, NASA

Erste Tests im Windkanal seien positiv verlaufen. Im April 2018 hat die NASA bei der Firma Lockheed-Martin das Flugzeug für knapp 250 Millionen Dollar bestellt. Testflüge sind für das Jahr 2021 geplant. Und könnten – zumindest theoretisch – helfen, Überschallflüge auch über Land und besiedeltem Gebiet zu ermöglichen. Er ist also wieder da, der Traum vom Überschall – und möglicherweise in ein paar Jahren Realität. Vielleicht hat uns bis dahin aber auch das schlechte Gewissen eingeholt und wir fliegen lieber gar nicht mehr.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | Radio | 22. November 2017 | 16:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 22. November 2017, 16:00 Uhr