Spielerischer Zugang zu ernstem Thema Leipziger Studenten entwickeln Organspende-App

In Deutschland warten etwa 10.000 schwer kranke Menschen auf eine Niere, eine Leber oder ein Herz. Gleichzeitig gibt es hierzulande besonders wenig Organspender. Aber eine Gruppe Studenten hat nun eine Handy-App entwickelt, die das Problem angehen will. Einer der Entwicklerinnern war selbst schon auf eine Organspende angewiesen.

Diane Hofmann ist eine großartige Erzählerin. Die 30-Jährige aus dem Raum Dresden spricht offen über ihre Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose - über harte Momente in der Klinik, aber auch über Hoffnung. Mit Anfang 20 hatte die Krankheit ihrer Lunge schwer zugesetzt, sie brauchte dringend ein Spenderorgan. "Ich hab immer gewusst, wofür ich kämpfe", sagt Hofmann.

Ich hab dafür gekämpft und gelebt, dass ich es schaffe bis zu dem Organ. Ohne diese Aussicht auf ne neue Lunge hätte ich das Gefühl so gar nicht bekommen können. Weil das die Option war, die mir nur noch blieb: Lunge oder Tod!

Aber gespendete Lungen oder Herzen sind ein knappes Gut. Nur zehn von einer Million Menschen in Deutschland werden zum Organspender. In anderen europäischen Ländern liegt dieser Wert doppelt so hoch.

Das wollten Diana Hofmann und elf andere Studenten nicht einfach so hinnehmen. Deswegen entwickelten sie an der Hochschule für Telekommunikation Leipzig den Prototypen einer Handy-App. "Unsere App soll dabei helfen, aufzuklären, mit Vorurteilen aufzuräumen, dieses negative Gefühl, mit dem viele Deutsche Organspende im Moment verbinden, aufzulösen und das Thema positiv zu besetzen", erzählt Hofmann.

Die App mit dem Namen "Transplant-Tiger" informiert ihre Nutzer spielerisch über Organspenden. Doch die eigentliche Neuerung verbirgt sich im Hintergrund: Direkt am Handy sollen die Nutzer einen elektronischen Organspende-Ausweis erstellen können. Mit vielen Vorteilen gegenüber der heutigen Papierform.

Im Prinzip ist das eine gute Idee, meint Prof. Dietmar Schneider, Organspendebeauftragter der Sächsischen Landesärztekammer. Trotzdem denkt er nicht, dass es den Menschen an Informationen mangelt. Für ihn hängt die Entscheidung, Organe zu spenden oder nicht, von anderen Dingen ab.

Das Entscheidende ist die Akzeptanz in der Bevölkerung. Der Organspender, der muss der Held sein. Jemand, der Organe spendet, der muss in der Bevölkerung – ich will nicht sagen geliebt werden – aber da spricht man davon.

Skeptisch sieht er die Idee eines neuen elektronischen Organspenderausweises. Besonders weil die Deutschen nur wenig Vertrauen in solche digitalen Ausweise hätten. Statt ein weiteres System zu schaffen, sollte man aus seiner Sicht lieber auf die elektronische Gesundheitskarte setzen: "Auf diese Gesundheitskarte gehören nämlich aus Sicht der Ärzteschaft Sachen, die für den Notfall wichtig sind." Das seien die Blutgruppe, Unverträglichkeiten gegen Dinge wie Medikamente, der Impfschutz und ob jemand Organspender ist. "Und zwar ja oder nein - nicht vielleicht", sagt der Mediziner.

Diana Hofmann sieht ihre Organspender-App "Transplant-Tiger" gar nicht als Konkurrenz zur elektronischen Gesundheitskarte. Sie erinnert aber daran, wie schleppend die Einführung dieser Karte seit Jahren verläuft.

Wir möchten jetzt eine Lösung schaffen. Jetzt im Sinne von im nächsten halben Jahr oder im nächsten Jahr. Eine Lösung, die einfach ist und die tatsächlich umsetzbar ist.

Sie und die anderen Entwickler der App haben ihr Studium inzwischen abgeschlossen. Jetzt suchen sie nach einem Partner, der die App fertig entwickeln und veröffentlichen will.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 17. Februar 2018 | 07:23 Uhr