Grafische Dastellung des Kometen Oumuamua: Zu sehen ist ein länglicher, grauer Brocken im Weltraum, der eine Staubwolke hinter sich herzieht und der sich vor der Sonne befindet.
Künstlerische Darstellung, wie man sich "Oumuamua" im Lichte der wissenschaftlichen Erkenntnisse vorstellen kann. Tatsächlich gibt es keine Bilder des Objekts, nur Messdaten. Es war einfach zu klein. Bildrechte: ESA, NASA, M. Kornmesser

Rätsel aus dem tiefen Weltraum Interstellarer Besucher Oumuamua war doch ein Komet

War es ein UFO, ein Asteroid oder ein Komet? Im Herbst entdeckten Astronomen "Oumuamua", einen kleinen aber schnellen Brocken aus der Tiefe des Alls. Der Kurzbesucher des Sonnensystems stellt Forscher vor viele Fragen.

von Clemens Haug

Grafische Dastellung des Kometen Oumuamua: Zu sehen ist ein länglicher, grauer Brocken im Weltraum, der eine Staubwolke hinter sich herzieht und der sich vor der Sonne befindet.
Künstlerische Darstellung, wie man sich "Oumuamua" im Lichte der wissenschaftlichen Erkenntnisse vorstellen kann. Tatsächlich gibt es keine Bilder des Objekts, nur Messdaten. Es war einfach zu klein. Bildrechte: ESA, NASA, M. Kornmesser

Oumuamua – nicht nur der Name klingt kompliziert, auch das damit bezeichnete Phänomen entpuppt sich als wahres Rätsel für die Wissenschaft. Vergangenes Jahr tauchte der zigarrenförmige Klumpen aus der unendlichen Tiefe des Alls plötzlich in unserem Sonnensystem auf, flog eine scharfe Kurve um die Sonne herum und entfernt sich nun mit 114.000 Kilometern pro Stunde wieder in die Dunkelheit. Doch um was handelte es sich genau? War es ein Komet, ein Asteroid oder gar ein UFO?

Weil Oumuamua nur wenige hundert Meter lang ist und sich mit einem Affenzahn von uns fortbewegt, fällt es den Astronomen sehr schwer, genaue Beobachtungen von ihm zu machen. Mit Hilfe des ESA-Telekops auf Teneriffa und des Weltraumteleskops Hubble sind aber einige präzise Messungen gelungen, die die Wissenschaftler nun im Fachjournal "nature" präsentieren.

Demnach handelt es sich nicht um ein UFO und auch nicht um einen Asteroiden, wie man noch vergangenes Jahr annahm. Stattdessen ist nun wieder am wahrscheinlichsten, dass Oumuamua ein Komet ist. Aber nochmal von vorn.

Komet, Asteroid – was war nochmal der Unterschied?

Erstmals fiel der Himmelskörper Astronomen vom Teleskop Pan-STARRS-1 auf Hawaii auf, das war am 19. Oktober 2017. Zu diesem Zeitpunkt befand sich das Objekt bereits auf seinem Weg aus unserem Sonnensystem heraus, die Wissenschaftler mussten sich also beeilen. Sie gaben ihm den hawaiianischen Namen "Oumuamua", übersetzt in etwa "Ein Botschafter aus weiter Ferne, der uns erreicht". Anzeichen von Technik oder Leben waren nicht zu erkennen, die UFO-These also schnell erledigt. Aber Komet oder Asteroid, das war offen.

Der Unterscheid ist nicht ganz leicht zu verstehen: Bei beiden handelt es sich um durch das All fliegende Brocken, mal mehr oder mal weniger groß. Die Definition unterscheidet vor allem anhand der Bestandteile, aus denen die Brocken bestehen. Kometen enthalten vor allem flüchtige Stoffen, etwa Wasser oder Kohlenmonoxid. Solange die Objekte weit von der Sonne weg sind, befinden sich die Stoffe in gefrorenem also festen Zustand. Nähert sich ein Komet aber dem Stern, dann wärmt die Energie der Sonne diese flüchtigen Stoffe so stark auf, dass sie sich vom Kometen lösen. Der typische, von der Erde aus manchmal sichtbare Schweif entsteht.

Asteroiden hingegen sind definiert als harte Felsbrocken, die keinen Schweif ausbilden, wenn sie die Sonne in enger Flugbahn passieren. In unserem System befinden sich die meisten von ihnen im sogenannten Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter. Nicht immer stimmt die Klassifikation. Plötzlich stellt sich bei einem angenommenen Asteroid heraus, dass er auch jede Menge Eis enthält. Das macht ihn dann zum Kometen.

"Oumuamua" war schneller und weiter als errechnet

Bei "Oumuamua" gingen die Astronomen zunächst davon aus, er sei ein Komet, denn die Annahme ist bislang, dass es interstellare Kometen deutlich häufiger gibt, als interstellare Asteroiden. Dann allerdings stellten die Forscher irritiert fest, dass "Oumuamua" keinerlei Schweif ausbildete, also keine flüchtigen Stoffe verlor. Deshalb wurde er nun als interstellarer Asteroid eingestuft.

Diese grafische Darstellung illustriert die Flugbahn des Kometen Oumuamua, der im Frühjahr 2017 auf einer quasie senkrecht zu unserem Sonnensystem stehenden Flugbahn auf die Sonne zuflog, eine scharfe Kurve um den Stern herum nahm, dann mit sehr großer Geschwindigkeit Jupiter und Saturn passierte und nun auf dem Weg aus dem Sonnensystem heraus ist.
Grafik zur Flugbahn von Oumuamua: Im Fenster rechts oben sieht man die Abweichung der tatsächlichen zur ursprünglich errechneten Route, die der interstellare Komet genommen hat. Bildrechte: ESA, NASA, M. Kornmesser

Mit den letzten Messungen, die Hubble noch im Januar machen konnte, bevor "Oumuamua" in die Dunkelheit des Alls entschwand, haben die Astronomen aber nochmal nachgerechnet. Und dabei zeigte sich die nächste Überraschung: Die tatsächliche Flugbahn wich ein gutes Stück von der errechneten ab.

Als "Oumuamua" auf die Sonne zuraste, wurde er von ihrer Schwerkraft eingefangen, beschleunigt und wieder herauskatapultiert. Doch das erklärt seine Flugbahn nur teilweise. Obwohl die Wissenschaftler keinen Schweif sehen konnten, muss das Objekt doch etwas Gas oder Staub herausgeschleudert haben, wodurch es weiter beschleunigt wurde. Zur letzten Messung war "Oumuamua" nämlich ein gutes Stück schneller und weiter entfernt, als die reine Gravitation der Sonne erklären könnte.

Und so wird der außerirdische Komet "Oumuamua" wohl weiterhin ein rätselhafter Besucher bleiben. Ob die Astronomen in absehbarer Zeit noch einmal die Gelegenheit bekommen werden, eines der sehr seltenen interstellaren Objekte zu beobachten, steht in den Sternen.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | 21. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Juni 2018, 13:06 Uhr