US-Studie zur Panspermie Interstellare Objekte könnten Leben im All verbreiten

US-Wissenschaftler sehen angesichts des interstellaren Besuchers "Oumuamua" in unserem Sonnensystem deutliche Hinweise darauf, dass Leben über Tausende Lichtjahre hinweg verbreitet werden kann. Ein Argument ist die gewaltige Anzahl deratiger Objekte allein in unserer Milchstraßen-Galaxie.

Grafische Dastellung des Kometen Oumuamua: Zu sehen ist ein länglicher, grauer Brocken im Weltraum, der eine Staubwolke hinter sich herzieht und der sich vor der Sonne befindet.
Trägt Oumuamua Leben aus einem anderen Sternensystem an Bord? Bildrechte: ESA, NASA, M. Kornmesser

Entstand das Leben auf der Erde eigenständig oder wurde es aus den Weiten des Universums hierher gebracht? Die Anhänger der Panspermie-Hypothese glauben an letzteres. Für die Mehrzahl der Wissenschaftler war das bislang reine Spekulation.

Oumuamua befeuert Panspermie-Debatte

Das Auftauchen des fußballfeldgroßen, zigarrenförmigen interstellaren Objektes "Oumuamua" in unserem Sonnensystem hat die Diskussion um Gesteinsbrocken, die Mikroben über große Distanzen im Universum verbreiten, jedoch neu entfacht. Wissenschaftler des angesehenen Harvard-Smithsonian Center für Astrophysik wie der Astrophysiker Idan Ginsburg kommen in einer neuen Studie zu dem Schluss: "Leben könnte potentiell über tausende von Lichtjahren ausgetauscht werden."

Argumente der Gegner

Die Gegner der Panspermie-Hypothese führten bislang ins Feld, dass es Millionen Jahre bräuchte, bis Meteoriten oder andere Himmelskörper aus einem Sonnensystem wie etwa dem unseren herauskatapultiert und auf den Weg in ein anderes Sonnensystem gebracht werden. Selbst die robustesten Bakterien oder Sporen würden einen so langen Zeitraum unter den Bedingungen des luftleeren Raumes und der kosmischen Strahlung nicht überstehen. Zudem, so ein weiteres Argument der Panspermie-Skeptiker, würde nur eine verschwindend geringe Menge der Gesteinsbrocken überhaupt wieder durch ein entferntes System eingefangen werden.

Aber-Billiarden Brocken auf Reisen

Diese grafische Darstellung illustriert die Flugbahn des Kometen Oumuamua, der im Frühjahr 2017 auf einer quasie senkrecht zu unserem Sonnensystem stehenden Flugbahn auf die Sonne zuflog, eine scharfe Kurve um den Stern herum nahm, dann mit sehr großer Geschwindigkeit Jupiter und Saturn passierte und nun auf dem Weg aus dem Sonnensystem heraus ist.
Die Reise des Kometen Oumuamua. Bildrechte: ESA, NASA, M. Kornmesser

Die Anhänger der Panspermie-Hypothese sehen sich hingegen durch das Auftauchen von "Oumuamua" in unserem Sonnensystem in ihrer Ansicht bestätigt, dass einfache Lebensformen auf interstellaren Objekten von einem Sternensystem in ein anders reisen können. Mit Blick auf die begrenzte Region des Alls, welche die Teleskope für die Entdeckung von "Oumuamua" untersucht haben, können sie dabei auf eine jüngere Studie verweisen, der zufolge allein in unserer Galaxie - der Milchstraße - eine Billion solcher Objekte pro Kubik-Lichtjahr unterwegs sein müssten.  Um einen solchen Raum auszufüllen, hieße das, dass jedes Sternensystem der Milchstraße 10 Billiarden solcher Objekte auswerfen müsste, von denen einige unser Sonnensystem zu jedem beliebigen Zeitpunkt passieren könnten.

"Es passiert ziemlich oft"

Doppelstern Alpha Centauri
Ein Doppelstern wie Alpha Centauri kann aufgrund seines komplexeren Gravitationsfeldes besonders viele interstelare Objekte anziehen. Bildrechte: imago/Leemage

Auf der Grundlage derartiger Berechnungen gehen die Smithsonian-Astrophysiker davon aus, dass Doppelsterne (zwei Sterne, die derart eng beieinander stehen, dass sie wie ein Stern wirken) wie etwa Alpha Centauri aufgrund ihres komplexeren Gravitationsfeldes pro Jahr einige Tausend Brocken von der Größe "Oumuamuas" anziehen könnten. Für unser - einfaches - Sonnensystem hieße das, dass immerhin noch ein solcher Brocken pro Jahrhundert angezogen werden könnte. Nach Ansicht der US-Wissenschaftler wären das etwa 10 Millionen Objekte, die in einer Million Jahre irgendwo in der Milchstraße "eingefangen" werden könnten. "Wenn man die Galaxie als Ganzes betrachtet, muss man vermuten, dass dies also ziemlich oft passiert", sagt Ginsburg.

Keine mathematisch exakte Grundlage

Kritiker wie der Astronom Ed Turner von der Universität Princeton halten den Autoren der Smithsonian-Studie allerdings entgegen, zu sehr am Beispiel "Oumuamua" zu haften und keine mathematisch exakte Grundlage für ihre These zu bieten. Andere Skeptiker führen ins Feld, dass selbst wenn unsere Galaxie voll mit "Oumuamuas" wäre, es trotzdem unwahrscheinlich sei, dass diese Panspermie-Träger sein könnten.

Hoffnung auf mehr Daten

Die Smithonian-Astrophysiker verweisen hingegen darauf, dass noch mehr gesicherte Daten und die Entdeckung weiterer interstellarer Objekte abklären könnten, ob die These von einer galaktischen Panspermie plausibel ist. Erst die Entdeckung von Leben in einer anderen Welt könnte demnach aufzeigen, ob Leben an einem bestimmten Ort der Galaxie entstanden ist und sich von dort über gewaltige Entfernungen und Zeitspannen durch die große Leere des Raumes ausgebreitet hat.

Dieses Thema im Programm: MDR SPUTNIK | 21. November 2017 | 15:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2018, 09:00 Uhr

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