Private Raumfahrt & Weltraum-Tourismus Blue Origin erreicht erfolgreich das Weltall

Das private Raumfahrtunternehmen Blue Origin ist erfolgreich ins Weltall aufgebrochen. Der Gründer Jeff Bezos, sein Bruder Mark, die Luftfahrt-Pionierin Wally Funk und der Niederländer Oliver Daemen sind am 20. Juli um 15.12 Uhr (MESZ) mit der New-Shepard-Trägerrakete gestartet. Im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Richard Branson haben Bezos Passagiere die 100 Kilometermarke des Weltalls erreicht.

Der erste bemannte Flug von Blue Origin.
Der erste bemannte Flug von Blue Origin. Die Kapsel ist sicher gelandet. Bildrechte: Blue Origin (YouTube)

Der Amazon-Gründer Jeff Bezos hat es geschafft: Er war im Weltraum. Gemeinsam mit seinem Bruder Mark, der Luftfahrt-Pionierin Wally Funk und dem Niederländer Oliver Daemen ist er am 20. Juli kurz nach 15 Uhr (mitteleuropäischer Sommerzeit) in den Orbit geflogen. Mit seiner eigenen Trägerrakete "New Shepard" und seinem eigenen Raumschiff. Beide wurden von seinem privaten Raumfahrtunternehmen Blue Origin gebaut.

Erster bemannter und erfolgreicher Flug für Blue Origin

Der Launch war für 15 Uhr geplant, gestartet ist die Rakete um 15.12 Uhr. Dabei ist der Flug wie geplant verlaufen. Die Trägerrakete "New Shepard" und ihre Raumkapsel hatten nach circa 3:50 Minuten eine Höhe von 100 Kilometern erreicht. Fast zeitgleich begann die Trennung der Raumkapsel von der Rakete. Die maximale Flughöhe von New Shepard lag bei 351.210 Fuß, umgerechnet 107 Kilometer, womit Jeff Bezos und seine Crew den Weltraum offiziell erreicht haben.

Während die Rakete zurück zur Erde kehrte, befanden sich die vier Astronaut:innen noch in der Schwerelosigkeit – die ungefähr vier Minuten andauerte. Nach knapp acht Minuten und 45 Sekunden öffneten sich die Fallschirme und die Kapsel schwebte sicher Richtung Erde. Nach etwas mehr als zehn Minuten kam es dann zum Touchdown der Kapsel und die vier Passagiere waren sicher gelandet. Der Traum vom All wurde Wahrheit und Bezos sprach in sein Mikrofon: "Der absolut beste Tag!"

Vier Passagiere, ein Traum

Bereits als Kind hat Jeff Bezos vom Weltraum geträumt. Heute ist er 57 Jahre alt und für eine Astronautenausbildung bereits zu alt. Doch er hat Geld. Viel Geld. Und so gründete er im Jahr 2000, eineinhalb Jahre vor Elon Musk, sein eigenes Raumfahrtunternehmen: Blue Origin. Die Konkurrenz ist inzwischen groß. SpaceX macht ihm Druck bei den Frachtflügen und dem Crew-Transport zur Internationalen Raumstation ISS. Im Sektor Weltraum-Tourismus bekommt er Druck von Virgin Galactic, dem Unternehmen von Sir Richard Branson – mit dem er sich das Wettrennen lieferte. Dennoch erfüllte sich Bezos seinen Traum:

Es ist eine Erde. Ich möchte bei diesem Flug dabei sein, denn es ist das, was ich mein ganzes Leben vorgehabt habe. Es ist ein Abenteuer. Und es bedeutet mir sehr viel.

Jeff Bezos

Auch sein Bruder Mark kam in den Genuss der Schwerelosigkeit. Neben den beiden waren noch zwei weitere Personen an Bord, die jeweils für sich einen Weltrekord aufgestellt haben.

Mark Bezos (l-r), Bruder von Jeff Bezos, Milliardär Jeff Bezos, Gründer von Amazon und des Weltraumtourismus-Unternehmens Blue Origin, Oliver Daemen, aus den Niederlanden und Wally Funk, Luftfahrtpionier aus Texas
Mark Bezos (v.l.n.r.), Bruder von Milliardär Jeff Bezos, (Gründer von Amazon und des Weltraumtourismus-Unternehmens Blue Origin), Oliver Daemen, aus den Niederlanden und Wally Funk, Luftfahrtpionierin aus Texas. Bildrechte: dpa

Wer ist Wally Funk?

Die 82-jährige Luftfahrt-Pionierin Wally Funk schaffte es, mit ihrem stolzen Alter der älteste Mensch zu sein, der je im Weltraum war. Dabei wollte sie eigentlich schon vor langer Zeit in den Orbit fliegen.

Denn die US-Amerikanerin ist nicht nur die erste weibliche Flugsicherheitsforscherin und die erste zivile Fluglehrerin. Sie war auch ein Teil des privatfinanzierten Mercury 13 Projektes. Dabei haben sie und eine Gruppe von weiblichen Pilotinnen dieselben Tests der NASA absolviert, die auch die männliche Crew des Mercury-Programms bestehen musste. Funk hatte sogar besser als ihre männlichen Kollegen abgeschlossen. Doch es war eine andere Zeit und sie wurde nicht für einen Weltraumflug vorgesehen.

Einige Jahre später hätte sie beim Space Shuttle Programm mitfliegen können. Jedoch war sie 1995 bereits zu alt dafür und der Traum vom All blieb ihr verwehrt. Bis Jeff Bezos sie auf einen Mitflug in seiner Raumkapsel einlud. Als er sie fragte, was sie sagen würde, wenn sie wieder gelandet sind, sagte sie: "Schatz, das ist das Beste, was mir im Leben passiert ist", und umarmte Bezos.

Oliver Daemen, der Ersatzmann

Neben seinem, dem seines Bruders und Funks Platz an Bord der Blue Orion Raumkapsel war noch ein Sitz frei. Den hatte Bezos über eine öffentlichen Auktion zur Versteigerung freigegeben. Der oder die Höchstbietende sollte mit ins All fliegen dürfen. Das Ticket wurde für die stolze Summe von 28 Millionen US-Dollar ersteigert, das sind ungefähr 23,7 Millionen Euro. Wer das Ticket ersteigert hat, ist immer noch unbekannt.

Blue Origin Rakete New Shepard
Nachtaufnahme der Trägerrakete vom privaten Raumfahrtunternehmen Blue Origin. Bildrechte: Blue Origin

Es ist nicht Oliver Daemen, denn dieser ist nur nachgerückt. Der oder die Auktionsgewinner:in konnte wegen eines anderen Termins, der dazwischenkam, am 20. Juli nicht mitfliegen. Der 18-jährige Daemon ist damit der jüngste Mensch in unserer bisherigen Geschichte, der im Weltraum war.

Davon habe ich mein ganzes Leben lang geträumt. (…) Ich bin superaufgeregt, die Schwerelosigkeit zu erleben und die Welt von oben zu sehen.

Oliver Daemon

Olivers Vater, ein holländischer Unternehmer, zahlte das Ticket seines Sohns. Wie hoch der Preis dafür war? Das ist unbekannt. Bekannt sind aber die Pläne des Unternehmersohns. Daemon möchte nämlich ab September an der Universität Utrecht Physik und Innovationsmanagement studieren.

5 Kommentare

dimehl vor 1 Wochen

Für die Einen ist es ein Fortschritt, den Hunger in der Welt zu besiegen.
Für die Anderen ist es ein Fortschritt, ins Weltall zu fliegen.
Ursache für den Interessenskonflikt ist die Überbevölkerung:
wäre die Weltbevölkerung entschieden kleiner als sie ist, gäbe es wahrscheinlich längst keinen Hunger mehr auf der Welt
und man könnte sich ohne Probleme mit allen verfügbaren Ressourcen z. Bsp. mit der Erforschung des Weltalls beschäftigen.

hansfriederleistner vor 1 Wochen

Alle zehn Minuten stirbt ein Kind an Hunger auf dieser Erde.
Ja, es kann jeder mit seinem Vermögen machen, was er will. Aber die Kinder wären auch froh, wenn sie leben dürften und sich ernähren könnten.

dimehl vor 1 Wochen

Der Besitzer des Geldes entscheidet einzig und allein über die Verwendung seines Geldes.
Niemand kann ihm vorschreiben, das er es anstatt für den Bau einer Rakete für die Entwicklung eines Medikamentes zu verwenden hat.
Und wenn der Besitzer des Geldes sich zu einem Engagement im Bereich der Entwicklung von Medikamenten entschließt, kann er entscheiden, gegen welche Krankheit ein Medikament mit seinem Geld erforscht/entwickelt werden soll.
Eigentum verpflichtet... zu gar nichts.
Je mehr finanzielle Ressourcen in den Händen weniger Menschen sind, umso kleiner sind die finanziellen Ressourcen, über die eine Allgemeinheit nach gegebenen Notwendigkeiten entscheiden kann.