Raumfahrt Indien setzt zur Mondlandung an

Das Wettrennen zum Mond hat ein neues Ausmaß angenommen. Neben den bekannten Raumfahrtnationen wie den USA, Russland und Europa streben neue Länder zum Erdtrabanten. Die nächste Landung unternimmt die indischen Raumfahrtbehörde ISRO. Deren Lander "Vikram" hat sich bereits von der Raumsonde "Chandrayaan-2" getrennt und peilt die Südpolarregion des Mondes an. Wenn die Landung glückt, wird Indien Geschichte schreiben.

Indische Raumsonde Viktram mit Rover "Pragyan"
Wenn die Raumsonde Viktram erfolgreich landet, wird Indien die vierte Mondnation. Bildrechte: 2017 ISRO

Die indische Raumsonde Chandrayaan-2 hat den Mond erreicht. Heute zwischen 22:00 und 23:00 Uhr mitteleuropäischer Zeit wird der mitgeführte Lander "Vikram" auf der Mondoberfläche aufsetzen. In Indien ist es dann bereits Samstag: Zwischen 01:30 und 02:30 Uhr indischer Zeit wird die Bodenkontrolle der Landung entgegenfiebern.

Wenn der Landeversuch glückt, wird Indien weltweite Geschichte schreiben: Nach Russland, den USA und China wird es die vierte Nation überhaupt sein, die eine erfolgreiche Landung auf dem Mond verbuchen darf. Erst im April 2019 war die israelische Raumfahrtorganisation SpaceIL an diesem Vorhaben gescheitert.

Aufbruch zum Mond

Jubelnde Menschen, di eauf einen Bildschirm gucken, auf dem eine Rakete startet
Der erfolgreiche Start der Raumsonde im Juli 2019 sorgt für Jubel in Indien Bildrechte: imago images / Hindustan Times

Am 22. Juli hatte die indische Raumfahrtbehörde ISRO (Indian Space Research Organisation) die Trägerrakete Baahubali (deutsch: Mondfahrzeug) ins All geschickt, die nun um den Mond kreist. Der Mond-Lander Vikram - benannt nach dem Begründer des indischen Raumfahrtprogramms Dr. Vikram Ambalal Sarabhai - hat sich bereits am Montag von seiner Sonde getrennt. Sein Ziel ist die Südpolarregion des Mondes. Um genau zu sein: Eine Hochebene zwischen den Kratern Manzinus C und Simpelius N. Es handelt sich um ein wenig erforschtes Gebiet.


Nach der erfolgreichen Landung von Vikram wird es rund vier Stunden bis zum nächsten Missionsabschnitt dauern. Wenn am Samstagmorgen zwischen 05:30 Uhr und 06:30 Uhr die ersten indischen Mönche nach Erleuchtung streben, wird die Weisheit über den Mond rollen. "Weisheit" ist nämlich der deutsche Name des indischen Rovers Pragyan.

Um was geht es bei der indischen Mondmission?

Um dem Namen "Weisheit" gerecht zu werden, soll Pragyan die Südpolarregion erforschen. Sie ist mit Kratern übersät, die im ewigen Schatten liegen. In ihnen befinden sich große Mengen an Wassereis - das wiederum für künftige Mondmissionen und mögliche Kolonien wichtig ist. Aus dem Wasser kann der Wasserstoff extrahiert werden, der als Treibstoff für Missionen zum Mars oder anderen Planeten dienen kann. Bereits zwischen 2008 und 2009 entdeckte die indische Sonde Chandrayaan-1 Wassermoleküle bei ihren Umrundungen um den Erdtrabanten. Die indische Raumfahrtbehörde ISRO könnte mit Pragyan das Geheimnis um die vermuteten Mondgletscher lüften. 

Dabei wird der Rover einen Mondtag lang - das entspricht zirka 14 Erdentagen - Experimente auf der Mondoberfläche durchführen, um die Zusammensetzung von Mineralien und deren Häufigkeit zu erforschen. Im Gegensatz zum Rover wird der Orbiter Chandrayaan-2 seine Mission ein ganzes Jahr lang fortsetzen, berichtet die ISRO. Dabei werden die schwache Mondatmosphäre, seismographische Aktivitäten und Temperaturen untersucht.

Mondmission könnte auch Frühgeschichte der Erde erklären

Das Ziel der indischen Mission ist es, nicht nur den Mond weiter zu untersuchen. Durch die Erforschung des Erdtrabanten wird man auch die Frühgeschichte der Erde besser verstehen. Die Bestandteile beider Himmelskörper ähneln sich nämlich zu sehr, als dass sie unabhängig voneinander entstanden sein könnten. Wie der Mond tatsächlich entstanden ist, darüber streiten sich Wissenschaftler bis heute. Vielleicht liefert die indische Mission die entscheidenden Puzzleteile zur Entschlüsselung der Mondgeschichte.

Fun fact:

Das Luna 9 Raumfahrzeug im Museum
Das Luna 9 Raumfahrzeug im Museum Bildrechte: imago stock&people

Nicht die USA war die erste Nation, die erfolgreich auf dem Mond gelandet ist. Es war die damalige Sowjetunion, die am 03. Februar 1966 mit Luna 9 den ersten Flugkörper erfolgreich auf der Mondoberfläche absetzte.

Die USA folgten am 2. Juli mit der Sonde Surveyor 1. Das Wettrennen um den ersten Menschen auf dem Mond haben die Amerikaner aber mit ihrer Apollo 11-Mission am 21. Juli 1969 gewonnen. Es sollte 50 Jahre dauern, bis eine weitere Nation die Mondoberfläche erreichte. Im Gegensatz zu den Europäern, die 2016 mit "Schiaparelli" auf der Mondoberfläche zerschellten, vollzog die chinesische Raumfahrtbehörde CNSA mit Chang’e-4 im Januar 2019 eine Musterlandung.

Dieses Thema im Programm: MDR AKTUELL | 06. September 2019 | 23:00 Uhr

Mehr aus der Raumfahrt: