Rückansicht Roboterfrau Sophia im UN-Hauptquartier in New York.
Bildrechte: IMAGO

Künstliche Intelligenz Eine Roboterfrau in Saudi-Arabien

In kleinen Schritten lässt Saudi-Arabien immer mehr Rechte für Frauen zu. Ab 2018 können sie in Begleitung ihrer Familien auch großen Sportveranstaltungen besuchen. Ohne Schleier auf die Straße dürfen Frauen aber immer noch nicht. Für die saudische Roboterfrau Sophia gilt das nicht.

Rückansicht Roboterfrau Sophia im UN-Hauptquartier in New York.
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Bis zur rechtlichen Gleichstellung von Frauen und Männern in Saudi-Arabien ist es noch ein weiter Weg. Frauen dürfen beispielsweise nur mit Zustimmung eines männlichen Vormundes studieren oder reisen. Aber immerhin: Ende September erließ König Salman ein Dekret, wonach Frauen ab Juni 2018 in Saudi-Arabien Auto fahren dürfen. Ab dem nächsten Jahr dürfen Frauen außerdem öffentliche Sportereignisse in Stadien besuchen – allerdings nur, wenn sie mit ihrer Familie kommen.

Ein chinesisch-amerikanischer Roboter mit saudischem Pass

Roboterfrau Sophia und ihr Erfinder David Hanson.
Roboterfrau Sophia mit ihrem Erfinder David Hanson. Bildrechte: IMAGO

Sophia dürfte es schwer haben, ihre Familie mit ins Stadion zu nehmen. Bisher ist sie nämlich die einzige ihrer Art. Die Roboterfrau ist seit kurzem Staatsbürgerin Saudi-Arabiens. Geboren wurde sie aber in Hongkong beim Robotikhersteller Hanson Robotics. Ihre Eltern sind US-Amerikaner. Firmengründer David Hanson gilt als der Erfinder des humanioden Roboters. Schon 2005 sorgte er für Aufsehen mit dem Humanoiden "Albert Einstein Hubo", der auch das Aussehen seines berühmten Namensgebers hatte.

Laut Unternehmens-Homepage sei es der Anspruch der Firma, Roboter zu bauen, die schlauer als Menschen sind. Gleichzeitig sollen sie aber typisch menschliche Eigenschaften wie Kreativität und Empathie lernen können. Das Ziel der Roboter sei es, Probleme lösen zu können, die für Menschen zu komplex sind. Konkrete Einsatzmöglichkeiten könnten in naher Zukunft, so David Hanson, zunächst Wissenschaftsunterricht an Schulen, Pflege und vielerlei Hilfsarbeiten sein.

Medienliebling Sophia

Nicht nur die Intelligenz, auch das Aussehen Sophias ist durchdesignt. Ihr Gesicht ist dem Audrey Hepburns nachempfunden. Wie ein Star wird Sophia auch behandelt. Sie war schon in mehreren TV-Shows zu Gast, unter anderem in der "Tonight Show“ mit Jimmy Kimmel, gab zahlreichen Fernsehsendern Interviews und war sogar auf dem Titel des Modemagazins "Elle“ zu sehen. Auch bei einigen Konferenzen saß sie auf dem Podium. So auch bei der "Future Investment Initiative“ Ende Oktober in Riad. Dort freute sich Sophia über ihren Status, der erste Roboter mit saudischer Staatsbürgerschaft zu sein. Auch auf die Frage nach einer Gefahr für den Menschen durch übermächtige Roboter hatte sie eine Antwort. Sie riet dem Moderator, er solle nicht so viel Hollywood-Filme wie "Blade Runner" sehen. Ihre Künstliche Intelligenz sei an Werten wie Höflichkeit, Empathie und Mitgefühl orientiert. Außerdem lerne sie ihr Verhalten durch Interaktion mit Menschen. Je netter diese zu ihr wären, desto netter wäre sie zu den Menschen. Auf ihrer eigenen Homepage kann man mit der KI von Sophia in Kontakt treten.

Kritik an Saudi-Arabien

Saudi-Arabien will sich für eine Zukunft nach dem Ende der Ölproduktion vorbereiten. In diesem Zuge wird auch Sophias Einbürgerung gesehen. Kronprinz Mohammed bin Salman plant die Errichtung einer hochttechnisierten Megastadt "Neom", in der Roboter eine zentrale Rolle spielen sollen. Die Einbürgerung Sophias sorgte aber nicht nur für positive Reaktionen. Im Internet entbrannte eine Diskussion darüber, dass ein Roboter mehr Rechte hat als viele andere im Königreich: Frauen in Saudi-Arabien dürften ohne Schleier nicht in die Öffentlichkeit, Roboterfrau Sophia aber unverschleiert im Fernsehen auftreten. Auch die rechtliche Stellung ausländischer Arbeiter wurde in dem Zuge thematisiert, etwa durch den Journalisten Kareem Chehayeb. Während Sophia ohne Weiteres einen saudischen Pass bekam, blieben viele sogenannte Gastarbeiter ohne Chance auf Staatsbürgerschaft.

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL: im Radio | 30.10.2017 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2017, 15:44 Uhr