Rohstoffe Erzgebirge: Hightech-Suche mit Hubschrauber

Rund um die Erzgebirgsstadt Geyer wird in der kommenden Woche Rotorlärm zu hören sein. Ein Hubschrauber wird voraussichtlich ab Montag im Dienste der Wissenschaft in 70 Metern Höhe ein 58 Quadratkilometer großes Gebiet abfliegen. Es geht um die Entwicklung und Erprobung neuer Mess-Sonden, die Bodenschätze wie Lithium aus der Luft aufspüren sollen.

Rohstoffsuche aus der Luft gilt als die Zukunft der Lagerstättenerkundung weltweit. So lassen sich auch in schwer zugänglichen Regionen, wie dem Hochgebirge oder unerschlossenen Gebieten, zuverlässig Daten über die Zusammensetzung von Gesteinsschichten in bis zu 300 Metern Tiefe gewinnen. In der Vergangenheit erlangte man diese Erkenntnisse vor allem durch Probebohrungen oder seismische Rüttel-Messungen, die nicht immer auf Gegenliebe in der Bevölkerung stoßen. Erst durch die Entwicklung hochempfindlicher Messsysteme werden diese Rohstoff-Erkundungen aus der Luft überhaupt möglich. Doch noch sind die Messdaten unterschiedlicher Sonden mangels einheitlicher Zertifizierung schwer miteinander zu vergleichen.

Genau darum geht es bei dem europäischen Verbundprojekt INFACT (Innovative, Non-invasive and Fully Acceptable Exploration Technologies). Eine einheitliche Zertifizierung soll dafür sorgen, dass die Sonden unterschiedlicher Hersteller einheitliche Daten liefern. Die Messkampagne rund um Geyer erfolgt unter der Führung des Teams von Dr. Richard Gloaguen vom Freiberger Helmholtz-Institut für Ressourcentechnologie. 

Wir wollen die Genauigkeit überprüfen, mit der neue Verfahren den Boden erkunden. Die umfangreichen Kenntnisse über den Untergrund des Erzgebirges dienen uns quasi als Vergleichsquelle.

Richard Gloaguen, Helmholtz-Institut Freiberg für Ressourcentechnologie

Das Gebiet rund um Geyer ist eines von drei europäischen Modellgebieten, in denen an der Rohstoffsuche ohne Bohrungen geforscht wird. Für das Testprojekt hat die EU rund 5,6 Millionen Euro bereitgestellt. Die beiden anderen Referenzgebiete liegen in Finnland und Spanien. Um die Daten der unterschiedlichen Mess-Sonden vergleichbar zu machen, wird mit jeder Sonde in jedem Land ein genau festgelegter Parcours abgeflogen.

Technologie aus Jena

Hubchrauber mit einem Rohstoffsensor
Rohstoffsensor über dem Erzgebirge. Bildrechte: HZDR (Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf)

Die Forscher setzen zwei unterschiedliche Technologien ein. Die Firma Supracon aus Jena erprobt ein weltweit einzigartiges System, das aus der Luft die Veränderung des Erdmagnetfeldes durch magnetische Materialien wie Erz bestimmen kann. Der Sensor eines kanadischen Unternehmens erzeugt ein elektromagnetisches Feld um die Leitfähigkeit des Erdbodens zu messen.

Im Gebiet um Geyer wird der Hubschrauber voraussichtlich von 13.-20. August in der Luft sein. Das Gebiet wurde deshalb ausgewählt, weil es wie kaum ein anderes europäisches Gebiet rohstofftechnisch erfasst ist. Das verdankt man vor allem der gründlichen Lagerstätten-Erkundung zu DDR-Zeiten.

In den vergangenen Jahren haben die Helmholtz-Wissenschaftler den Untergrund hier bereits mehrfach aus der Luft erkundet. Die Ergebnisse sind inzwischen in einer 3-D-Schatzkarte des Erzgebirges eingeflossen, in der sich interaktiv erkunden lässt, wo sich welche Rohstoff-Lagerstätten befinden.

Interessierte können am 17. August von 9 bis 12 Uhr auf dem Sportplatz Geyer (Thumer Straße/ Badstraße in Geyer) den Hubschrauber besichtigen. Für Kinder und Erwachsene haben die Forscher ein Programm zum Thema Rohstoffe zusammengestellt.

Eine Frau arbeitet an einem Computer 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Dieses Thema im Programm: MDR FERNSEHEN | Echt | 07. August 2018 | 21:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. August 2018, 11:00 Uhr