Neuer Wettlauf im All Die Rückkehr auf den Mond

Vor 45 Jahren haben wir ihn zum letzten Mal besucht, und wir kennen nach wie vor eigentlich nur seine Vorderseite – doch jetzt rückt der Mond wieder ins Zentrum des Interesses. Als Forschungsgegenstand, der uns mehr über die Entstehung des Weltalls und damit über unsere eigene Vergangenheit sagen kann. Und als Startrampe zum Mars. Wann steht der nächste Mensch auf dem Mond – und was sind die neuesten Erkenntnisse der Mondforschung?

von Albrecht Wagner

Fast wöchentlich startet irgendwo auf der Erde eine Rakete ins All. Manche landen sogar wieder und starten als Recyclingrakete gleich noch einmal. Aber Mondflüge sind etwas ganz anderes. Da fehlt uns immer noch die Routine. Diese Erfahrung machen gerade Chinas Raumfahrtingenieure, die in diesen Wochen eine neue Sonde zum Mond schicken wollten. Die Trägerrakete macht Probleme – Verschiebung voraussichtlich auf 2019.

Die Chinesen haben ein weiteres ambitioniertes Projekt: Sie wollen als erste eine Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes landen. Die kennen wir bisher nur von Fotos aus der Umlaufbahn. Ulrich Köhler, Planetengeologe beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Wir wissen, dass sie doch ein wenig anders aussieht, als die der Erde zugewandte Seite. Da gibt es sehr viel weniger von diesen dunklen Flächen, die aus dunklem Vulkangestein gestehen. Und sie ist auch dicker die Kruste des Mondes auf der Rückseite sie dort etwa 100 bis 120 Kilometer mächtig, auf der Vorderseite etwa nur halb so viel.

Ulrich Köhler, Planetengeologe

Ein kleines Rätsel für die Mondforschung.  Vielleicht hat die Erdschwerkraft den Mond so verformt, als er bei seiner Entstehung ein flüssiger Glutball war. Die Mondrückseite ist auch für die Radioastronomie spannend.

Auf der Mondrückseite ist praktisch überhaupt kein störender Funkverkehr von der Erde zu merken, man könnte also bis an die Anfänge des Urknalls ins All, ins Universum lauschen.

Ulrich Köhler, DLR

Dafür würde ein Netz von kleinen Radioteleskopen reichen. Deutlich aufwändiger wird das im Moment wohl spannendste Projekt: Der Mond als Startrampe für den Flug zum Mars. Drei Gründe sprechen dafür: Die Nähe zur Erde, die geringere Anziehungskraft und die feste Oberfläche, so Köhler: “Das heißt, man könnte dort ein Materialdepot einrichten und dann geht’s eben weiter von dort aus zum Mars.“

Der Mond in Farbe
Bildrechte: NASA/Goddard/Arizona State University

Raumfahrttechnisch hält Planetengeologe Ulrich Köhler einen Marsflug in den nächsten zehn Jahren für möglich. Bis Astronauten auch psychisch dafür gerüstet sind, bis die Versorgung und das Überleben auf der strahlenbelasteten Marsoberfläche gesichert sind, wird es deutlich länger dauern. Dafür steht mit großer Sicherheit in den 2020er Jahren wieder ein Mensch auf dem Mond.

Ich nehme an, dass es ein Chinese sein wird. Aber es ist durchaus auch denkbar, dass es ein Amerikaner, vielleicht sogar ein Europäer sein wird, vielleicht sogar ein Deutscher.

Ulrich Köhler

Denn das neue US-Trägerraketenprojekt Space Launch System arbeitet eng mit europäischen und deutschen Partnern zusammen. Das Kommando- und Servicemodul wird in Bremen entwickelt. Wenn man zusätzlich bedenkt, dass in den neuen Raketen mehr Astronauten Platz finden, darf man schon mal träumen. Denn aktuell, so DLR-Mann Köhler, haben wir mit Alexander Gerts und Thomas Maurer zwei Top-Astronauten am Start. Ob einer von ihnen der erste Deutsche auf dem Mond wird, bleibt aber Spekulation, so Köhler - die vielleicht im nächsten Jahrzehnt Realität wird.

Über dieses Thema berichtet der MDR: im Radio MDR AKTUELL| 30.10.2017 | 12:45 Uhr
im Fernsehen LexiTV | 01.11.2017 | 15:00-16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2017, 10:56 Uhr