Forschung am CERN Radebeuler sucht unbekannte Elementarteilchen

Junger Mann vor blauem Metallgestell
Bildrechte: Stefanie Todt

Die Herbstferien sind vorbei und in Sachsen drücken die Schüler wieder die Schulbank. Im Radebeuler Luisenstift bleibt in den nächsten zwei Wochen ein Platz leer: der von Tim Hebestreit. Er forscht in Genf am CERN, am Europäischen Kernforschungszentrum. Dort wird er sich in den kommenden zwei Wochen mit einem Gebiet der Physik befassen, mit dem nur absolute Spezialisten etwas anfangen können: Er arbeitet zusammen mit Wissenschaftlern am ATLAS-Experiment auf der Suche nach schweren Teilchen, sogenannten Z-Prime-Bosonen. Die gibt es bisher nur hypothetisch.

Ziel der Teilchenphysik ist es nun herauszufinden, ob es die wirklich gibt. Und da das wahrscheinlich sehr massive Teilchen sind, müssen dafür hohe Energien aufgewendet werden.

Tim Hebenstreit
CERN: Europäisches Zentrum für Nukleare Kernforschung in Genf
CERN: Europäisches Zentrum für Nukleare Kernforschung in Genf Bildrechte: IMAGO

Und solche hohen Energien schafft nur das CERN bei Genf, für Tim Hebenstreit das weltbeste Experiment für diese Art von Forschung, die ihn seit Jahren begeistert. Schon als 14-Jähriger hat er eine erste Veranstaltung zur Teilchenphysik an der TU Dresden besucht.

Später absolvierte er ein Praktikum am Institut für Kern- und Teilchenphysik an der TU und schrieb eine Facharbeit über Daten aus dem ATLAS-Detektor, für die er mit dem "Dr. Hans Riegel-Fachpreis" geehrt wurde.

Die einen daddeln, die anderen suchen Elementarteilchen?!

Wie kommt ein Jugendlicher eigentlich dazu, sich so intensiv mit Kernphysik zu beschäftigen? "Zwar ist meine Familie beruflich naturwissenschaftlich ausgerichtet, aber das frühe Interesse kommt vor allem durch meine große Neugier, verstehen zu wollen, wie alles funktioniert und aufgebaut ist. Irgendwann kann die Schule auf solche fundamentalen Fragen keine Antworten mehr geben, weswegen ich so an die TU Dresden und das Netzwerk Teilchenwelt gekommen bin, die mir weiter helfen konnten. Und so bin ich nun am CERN", schildert Tim Hebenstreit MDR Wissen seinen Weg ins Herzstück der internationalen Kernforschung.

Was sind Bosonen?

Was sind Bosonen?

Bosonen sind keine Teilchen, die man sehen kann. Sie tauchen nur in einem winzigen Zeitraum zwischen zwei Teilchen auf, die in enger Beziehung zueinander stehen.

Frischer Wind für die Forschung

Für den Schüler ist der zweiwöchige Aufenthalt am CERN ein Traum - das Institut ist führend in der Erforschung unbekannter Elementarteilchen. Die Forschungswochen an dem Institut sind keine Einbahnstraße - von einem ersten Besuch dort 2016 weiß Tim, dass er den weltbesten Forschern nicht nur über die Schultern schauen wird, sondern dass auch die Ideen junger Forscher wie ihm gehört und geschätzt werden. Diesen Endruck bestätigt auch Projektleiter und Gründer von "Netzwerk Teilchenwelt", Prof. Dr. Michael Kobel von der Technischen Universität Dresden: "Es ist für uns eine große Bereicherung, diese junge Menschen in unsere Forschung zu integrieren. In einigen Fällen leisten sie wichtige Beiträge zu unseren Vorhaben und bringen frischen Wind in die Forschungsgruppen, indem sie uns immer wieder hinterfragen."

Tim Hebenstreit ist einer von fünf deutschen Schülern, die diesen Oktober am CERN forschen. Sie beschäftigen sich mit anderen Themen aus der Physik wie mit Verbindungen zwischen SUSY (Supersymmetrie) und Dunkler Materie oder den Analysemethoden von Daten des ATLAS-Experiments. Das zweiwöchige Forschungsprogramm wird vom "Netzwerk Teilchenwelt" organisiert, in dem 29 Universitäten und Forschungsinstitute in Deutschland zusammengeschlossen sind, die Jugendliche und Lehrer für Teilchenphysik und Astroteilchenphysik vermitteln wollen.

Junger Mann vor bunt angemaltem Gebäude
Tim Hebenstreit auf dem Gelände des CERN Bildrechte: Stefanie Todt

Über dieses Thema berichtet MDR AKTUELL im Radio | 06.10.2017 | 12:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2017, 15:06 Uhr