Ein selbstfahrendes E-Bike mit drei Rädern steht auf einem Platz. Im Hintergrund ist eine Straßenbahn zu sehen.
Bildrechte: Harald Krieg

Fahrrad ohne Fahrer: Magdeburger entwickeln selbstfahrende E-Bikes

Sie spazieren durch die Stadt und plötzlich überholt Sie ein Fahrrad, doch auf dem Sattel sitzt keiner! Das könnte bald in Magdeburg passieren. Was steckt dahinter? Kristin Kielon hat recherchiert.

Ein selbstfahrendes E-Bike mit drei Rädern steht auf einem Platz. Im Hintergrund ist eine Straßenbahn zu sehen.
Bildrechte: Harald Krieg

Selbstfahrende Fahrräder, die sich eigenständig auf dem Radstreifen am Breiten Weg zwischen Hauptbahnhof und Uni-Campus bewegen: Wenn es nach Stephan Schmidt von der Universität Magdeburg geht, könnten die schon in ein paar Jahren ganz selbstverständlich zum Magdeburger Stadtbild gehören. Gemeinsam mit Informatikern, Logistikern und Umweltpsychologen der Otto-von-Guericke-Universität entwickelt der Junior-Professor am Institut für Mobile Systeme eine Rufbereitschaft für autonome Elektrofahrräder:

Das heißt also, man soll sich so ein Fahrrad zu jedem beliebigen Punkt in der Stadt rufen können, dann nimmt man es in den manuellen Betrieb, fährt zu seinem Ziel und gibt es da dann wieder ab. Das ist so die Grundidee.

Genau wie beim klassischen Car-Sharing sozusagen. Nur, dass die Magdeburger E-Bikes ganz selbstständig vom Zielort des Nutzers wieder zurück ins Lager fahren sollen, erklärt Schmidt, für den sich so das größte Problem löst, das Car- oder Bike-Sharing-Angebote haben: Wie kommt das Fahrzeug von der Zielposition dann immer wieder ins Depot zurück. Wie das gehen soll, ohne dass das Fahrrad umfällt? Ganz einfach: Es ist eigentlich ein Dreirad, denn das dritte Rad sorgt für den sicheren Stand - und für mehr Platz. Denn die Magdeburger setzen auf sogenannte Lastenräder, mit denen auch größere Einkäufe oder Kinder transportiert werden können. Ist das also die Zukunft des Stadtverkehrs?

Wir wollen eine charmante Alternative zum Pkw-Verkehr herstellen. Wenn man sich die großen Automobil-Hersteller anschaut, wenn man sich Google anschaut, dann fahren die letztendlich mit groß motorisierten Fahrzeugen durch die Stadt und da ist das Fahrrad eben (…) eine umweltfreundliche Alternative für urbanen Verkehr.

Stephan Schmidt – Jun-Prof. Autonome Fahrzeuge

Bei der Entwicklung der selbstfahrenden Elektrofahrräder sehen sich die Magdeburger allerdings mit ganz ähnlichen Problemen konfrontiert, wie die Entwickler von autonom fahrenden Autos: Die Fahrzeuge müssen auf ihre Umwelt reagieren und Hindernissen ausweichen können, wie etwa Fußgängern oder herumstehenden Mülltonnen. Gelöst werden soll das über ein "relativ breites Sensor-Setup", wie der Wissenschaftler erläutert: GPS soll genutzt werden genau wie Kameras, die detektieren, wo die Wege sind. Radar- und Laser-Scanner sollen feststellen, wo Hindernisse sind. Die Forscher haben bereits einen Prototypen entwickelt: Ein weißes Lastenrad auf drei Rädern. Ab 19. März soll es erstmals im Straßenverkehr getestet werden.

Wir testen zunächst auf dem Campus der Uni und da geht’s um solche Fragestellungen aus Akzeptanzsicht oder aus wahrnehmungspsychologischer Sicht zu sagen: Wie schnell darf das Fahrrad denn eigentlich fahren? Wie fühlt sich das denn an letztendlich, wenn so ein Fahrrad an mir vorbeifährt und was müssen wir denn tun, um auf größtmögliche Akzeptanz zu stoßen?

Stephan Schmidt – Jun-Prof. Autonome Fahrzeuge

Bis das E-Bike-Rufsystem tatsächlich Wirklichkeit wird, dauert es also noch etwas. Aber schon ab 2020, schätzt Schmidt, könnten die Fahrräder rollen. Die Pläne hat er jedenfalls schon einmal beim Bürgermeister im Magdeburger Rathaus vorgestellt.

Dieses Thema im Programm: MDR aktuell | Radio | 06. März 2018 | 18:50 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. März 2018, 18:19 Uhr